Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Nach Lückenkemper geht auch Bechthold - LGO verliert die nächste Sprinterin

rnLeichtathletik

Nach Leichtathletin Gina Lückenkemper verlässt auch Johanna Bechthold die LG Olympia und wechselt zum TV Wattenscheid. Für Dortmunds Kurzsprinterinnen gab es schon mal bessere Zeiten.

Dortmund

, 05.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Als Sebastian Fiene zu Beginn dieses Jahres die Nachfolge von Uli Kunst als Teamleiter Sprint der LG Olympia antrat, übernahm er eine der schwierigsten und undankbarsten Aufgaben innerhalb des Vereins. Zu zersplittert waren die personellen Strukturen bei Trainern und Athleten.

Gina Lückenkemper verließ die LGO schon Ende 2017 und wechselte zum TSV Bayer 04 Leverkusen, ehe es sie nun zum SSC Berlin weiterzog. Die heute 22-Jährige sah damals keine Möglichkeit dazu, sich in Dortmund auf sportlicher Extraklasse zu halten. „Um mich weiter zu verbessern und in der absoluten Weltspitze laufen zu können“, brauche sie „optimale Trainingsbedingungen. Und die“, verdeutlichte Lückenkemper „sind in Dortmund leider nicht immer gegeben“.

Lückenkemper begründet Abgang mit schlechten Bedingungen

Einer der Gründe hierfür war, dass die Helmut-Körnig-Halle und das Stadion Rote Erde gleichzeitig geschlossen waren, Training auf hohem Niveau wurde somit unmöglich. „Mit Gina Lückenkemper ist uns natürlich das Aushängeschild des Kurzsprints verloren gegangen. So einen Abgang kann man nicht kompensieren“, gibt Pierre Ayadi, Sportlicher Leiter bei der LGO, zu.

Doch Gina Lückenkemper machte nur den Anfang unter den flüchtigen Sprinterinnen. Weil die Möglichkeit, in einer schnellen Staffel zu laufen, seit dem Weggang von Lückenkemper nicht mehr gegeben ist, zog es nun auch Johanna Bechthold weg. Sie kam 2018 bei den Deutschen Meisterschaften im Seniorenbereich ins Halbfinale und verpasste den Einzug in den Endlauf nur knapp.

„Mit Gina Lückenkemper ist uns natürlich das Aushängeschild des Kurzsprints verloren gegangen. So einen Abgang kann man nicht kompensieren.“
Pierre Ayadi, Sportlicher Leiter der LGO

Die 100 Meter läuft sie in 11,50 Sekunden - künftig für den TV Wattenscheid. Ihr großes Ziel: die U23-Europameisterschaften im nächsten Jahr. „Wir haben ihr ein gutes Angebot gemacht, über das sie mit uns leider nicht mehr gesprochen hat“, bedauerte die LGO, die den Wunsch von Bechthold aber nachvollziehen kann.

Die 21-jährige Sprinterin selbst sagt, dass sie in Wattenscheid einfach „bessere Möglichkeiten“ habe, „gerade mit der Staffel“. Wohl noch etwas wichtiger war Bechthold der Umstand, dass „ich weiterhin bei meinem Trainer Uli Kunst trainieren wollte“. Das wäre bei der LGO nun nicht mehr möglich gewesen.

Strukturelle Änderungen führen zur Trennung

Kunst, der auch Lückenkemper trainiert, verließ die LGO mit dem Ende der Saison, betont aber, dass er und der Verein „nicht im Bösen auseinandergegangen“ sind. „Es ist nichts passiert, weder haben wir uns gestritten, noch sind irgendwelche Dinge vorgefallen.“ Vielmehr seien es strukturelle Änderungen innerhalb des Vereins gewesen, die zur Trennung geführt haben.

Den Wechsel der Sprint-Asse, möchte Kunst nicht zu hoch hängen. „Es ist ganz normal, dass Athleten kommen und gehen. Ich sehe da kein Problem“, so der Rentner, der sich weiterhin um Lückenkemper und Bechthold kümmern wird. „Dass ich weiterhin Trainer bin, ist einfach eine Herzensangelegenheit der Gina und der Johanna gegenüber. Athleten haben die freie Wahl. Wenn sie irgendwo anders hingehen wollen, sollen sie es tun.“

Trotz dieser Wechsel verlief die Hallensaison für die LGO besser als erwartet. Ayadi beschwichtigt. „Der Sprintbereich steht nicht so schlecht da, wie es vielleicht auf den ersten Blick aussieht“, sagt er. Allerdings würde dies vielleicht nicht so auffallen, „wenn man in anderen Bereichen zehn Deutsche Meistertitel holt“.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass gerade im Kurzsprint hauptamtliche Trainer fehlen, was auch eine Frage der Finanzierung ist. „Der letzte war Uli Kunst, der uns im Herbst ja vollständig verlassen hat. Die Stelle wird seit seinem Renteneinstieg im Jahr 2015 nicht mehr vom Land gefördert. Wir hoffen natürlich, dass sich das wieder ändert“, so Ayadi.

Fienes Erwartungen werden nicht erfüllt

Sebastian Fiene macht klar, dass er im Sommer mehr erwartet hätte. „Da haben wir viel Nachholbedarf“, sagt er - und das trotz der Qualifikation von zwei Jugendstaffeln für die deutschen Meisterschaften und dem guten Eindruck, den das 4x100-Meter-Frauenquartett als Sechste bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg hinterließ.

Um wieder in die richtige Spur zu finden, fehlen jedoch Trainer. „Zwar leistet Katharina Grompe in der U18 gute Arbeit, aber sie kann das nicht alleine schaffen“, sagt Fiene. „Bei der Jugend gibt es zwar mehrere schnelle Mädchen und Jungen, aber es fehlt in der Spitze. Da ist gezielte Förderung dringend nötig.“

Nach Lückenkemper geht auch Bechthold - LGO verliert die nächste Sprinterin

Pierre Ayadi hofft auf eine bessere Förderung. © Bartlewski

Dennoch sieht es in der Jugend gut aus: Inzwischen kümmert sich Oliver Kunz mit viel Engagement um den Nachwuchs, bei dem immerhin 13 Mädchen der U14 die 75 Meter unter 11 Sekunden sprinten. Für mehr Finalpräsenz könnte auch ein Neuzugang sorgen. Henrik Vogel wechselt mit der Empfehlung von 10,95 Sekunden über 100 Meter vom TV Gladbeck zur LGO.

Und von den aufrückenden Jugendlichen schaffen vielleicht einige den Schritt in die Richtung einer guten Zeit, knapp über den elf Sekunden. Auch bei den jungen Sprinterinnen mit Laura Straatmann an der Spitze, hofft Fiene auf eine weitere Entwicklung.

Aushängeschilder Junker und Sanders

Erfolgversprechende Neuzugänge gibt es auch im Langsprintbereich. Aushängeschilder sollen Torben Junker und Manuel Sanders sein, aber auch mit Henrik Krause, Benjamin Bablich und Lorenz Niedrig verfügt die LGO über hohe Leistungsdichte.

Und bei den Frauen stellt sie eine aussichtsreiche Staffel mit Marilena Scharff an der Spitze. Fiene weiß genau um die Kompliziertheit seiner Aufgabe und stellt sich ihr: „Ich nehme es gerne mit schwierigen Herausforderungen auf.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt