Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Die Bezirksliga-Damen von Westfalia Wickede ärgern sich über eine Regeländerung, die in der Liga Wiedereinwechslungen erlaubt. Dabei geht es vor allem um Grundsätzliches im Frauenfußball.

Wickede

, 24.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Es ist eine kleine Regeländerung, welche die Bezirksliga-Damen von Westfalia Wickede auf die Palme bringt. Zur neuen Saison sind in der Damen-Bezirksliga Wiedereinwechslungen möglich. Das heißt: Spielerinnen, die bereits ausgewechselt wurden, können durch einen erneuten Wechsel wieder auf das Spielfeld zurückkehren. Das betrifft in Dortmund neben Wickede fünf weitere Klubs: den TV Brechten, TuS Eichlinghofen, Wambeler SV und die DJK SF Nette.

Beschlossen hat die Regeländerung der Fußball- und Leichtathletik-Verband Wesfalen (FLVW). „Die Einführung dieser Wechselregel bedeutet einen großen Rückschritt für den Frauenfußball“, kritisiert Wickedes Sportlicher Leiter Michael Wiethaus. Die Ungleichbehandlung der Damen führe dazu, dass bestehende Vorurteile gegenüber dem Frauenfußball zementiert würden. „Frauenfußball wird immer belächelt und nun bekommen die Kritiker auch noch Unterstützung vom Verband.“

Die Vereine fühlen sich vom Verband übergangen

Vom FLVW fühlt sich Wiethaus übergangen. Denn vor der letzten Saison hatte der Verband die Vereine noch gefragt, ob sie die Regelung wünschen. Nur bei Einstimmigkeit unter den Vereinsvertretern wäre die Wiedereinwechslung eingeführt worden. Wiethaus und andere wehrten sich – mit Erfolg.

„Beim diesjährigen Bezirksstaffeltag wurden wir überrascht. Die im vergangenen Jahr abgewendete Regel war im Vorfeld beschlossen und damit eingeführt worden“, so der sportliche Leiter.

Westfalia Wickede sieht großen Rückschritt für den Frauenfußball

Michael Wiethaus (M.) beobachtet einen Wechsel seiner Spielerinnen. Künftig könnten solche Szenen theorisch im Sekundentakt stattfinden. © Foltynowicz

Keinen Grund zur Aufregung sieht Marianne Finke-Holtz, Vorsitzende der Frauenfußball-Kommission des FLVW: „Der DFB sieht die Regelung seit Jahren vor.“ Tatsächlich wird die Wiedereinwechslung bereits seit Längerem in der Damen-Kreisliga angewendet. Und was viele nicht wissen: Auch in den Herren-Kreisligen C und D gilt die Regel. „Dies galt nach der alten DFB-Spielordnung aber jeweils nur für die beiden untersten Spielklassen“, so Finke-Holtz.

„In unserem Verband gibt es aber die Besonderheit, dass es zwei Damen-Kreisligen gibt.“ In anderen Verbänden werde die Regel auch in der Bezirksliga angewendet. „Das wollten wir auch testen.“ Die Abstimmung unter den Vereinen habe sich lediglich darauf bezogen, die Regeländerung bereits ein Jahr früher umzusetzen. Eine neue Abstimmung sei nach der inzwischen erfolgten Änderung der Spielordnung nicht vorgesehen.

„Unsere Frauen können alle 90 Minuten laufen“

Vor allem die Begründung ärgert Wiethaus. Falls eine Spielerin keine Puste mehr habe, könne sie mal kurz verschnaufen, habe man ihm mitgeteilt. „Das ist lächerlich. Unsere Frauen können alle 90 Minuten laufen“, so Wiethaus. Drei Mal in der Woche trainiert die Mannschaft, einige Spielerinnen verschieben dafür ihre Arbeitsschichten. „Sie nehmen ihren Sport absolut ernst.“

Eher positiv reagierte dagegen Nadja Fischer, Trainerin des Liga-Konkurrenten TuS Eichlinghofen. „So kann man Rekonvaleszenten und Neuzugänge besser integrieren“, urteilt sie. Auch Nachwuchsspielerinnen könnten mit der Wiedereinwechslung leichter herangeführt werden, findet Finke-Holtz.

„Die Bezirksliga ist die erste Stufe des ambitionierten Fußballs.“ Er hat noch eine andere Befürchtung. „Mit der Regel kann man Zeit schinden und den Spielfluss komplett zerstören.“ Zur Erklärung: Es gibt keine Begrenzung der Anzahl von Wechseln. Lediglich die Zahl der einsetzbaren Spielerinnen ist auf 14 beschränkt.

Wechsel ist im Sekundentakt möglich

„Damit könnte man alle 30 Sekunden wechseln“, fürchtet Wiethaus. „Ich bin zuversichtlich, dass die Mehrheit verantwortungsvoll damit umgeht“, sagt dagegen Marianne Finke-Holtz. Und im Zweifel könne der Schiedsrichter exzessives Wechseln auch unterbinden. Man müsse nur auf andere Sportarten schauen: Beim Handball funktioniere der „fliegende Wechsel“ schließlich auch.

Westfalia Wickede sieht großen Rückschritt für den Frauenfußball

„Wir waren fassungslos, als wir davon erfahren haben. Das hat keine von uns verstanden.“ - Stefanie Reinhardt © Nils Foltynowicz

Aber die Wickeder Damen wollen sich nicht am Handball orientieren, sondern am Fußball – und das mit den gleichen Regeln wie bei den Herren. „Wir spielen das gleiche Spiel. Da sollte man nicht für uns die Regeln ändern“, findet Stefanie Reinhardt. „Wir wissen, dass wir nie die gleiche Anerkennung kriegen werden wie die Männer. Aber das kann doch echt nicht sein.“

Ohnehin werde der Frauenfußball in vielen Vereinen lediglich geduldet, meint Michael Wiethaus. „So wird der Frauenfußball nie die Akzeptanz erhalten, die er verdient hat.“ „Für mich ist das eine echte Herabstufung“, sagt Stefanie Reinhardt. Als würde man das Spielfeld verkleinern.

Lesen Sie jetzt