Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Svenja Müller vom TV Hörde ist frisch gebackene Deutsche U19-Meisterin, spielt bei der U18-EM und will Profi werden. Doch ihre Heimatstadt ist ein Problem.

Dortmund

, 16.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Viele Leute, die Svenja Müller geradeaus in die Augen schauen wollen, müssen sich auf die Zehenspitzen stellen. 1,90 Meter misst die 17-jährige Dortmunderin, die im Winter für den TV Hörde Volleyball spielt und im Sommer auf Sand für Furore sorgt. Dort muss sich die Konkurrenz aber nicht mehr nur körperlich, sondern auch sportlich strecken: Seit dem Wochenende ist Müller zusammen mit ihrer neuen Partnerin Lea Sophie Kunst (Varel, Niedersachsen) Deutsche U19-Meisterin.

Pfeiffersches Drüsenfieber bedeutet sieben Monate Pause

Dabei musste sie im vergangenen Jahr monatelang aussetzen. Pfeiffersches Drüsenfieber hinderte sie sieben Monate lang am Trainieren, doch Müller kämpfte sich zurück - und ist nun, wenn es im Beachvolleyball um Titel geht, wieder voll auf der Höhe. Denn die Deutsche Meisterschaft war lediglich „ein Vorevent“, wie es ihre Mutter Daniela Müller ausdrückt, der Titel sei „ein Bonbon“ gewesen, das Ziel war das Halbfinale, weil Müller und Kunst erst kurz vor dem Turnier zusammengewürfelt worden seien.

Doch die beiden wuchsen schnell aneinander, spazierten ohne Satzverlust ins Finale und gewannen dort in drei Sätzen gegen das Team von Müllers Teamkollegin aus den vergangenen Jahren, Greta Kleine-Hitspaß. Der Titel, schreibt Müller aus dem tschechischen Brünn, wo sie sich gerade auf das Hauptevent - den Start der U18-Europameisterschaften vorbereitet - und deshalb schlecht zu erreichen ist, „gibt einfach ein sicheres Gefühl und Selbstvertrauen für die EM.“

Es geht um die Entwicklung

Dort gebe es keine Favoriten, sagt der U23-Bundestrainer Jörg Ahmann, der im Jahr 2000 bei den Olympischen Spielen Bronze gewann: „Es ist ein Jugendturnier, da spielen so viele Faktoren eine Rolle.“ Kunst und Müller seien ohnehin perspektivisch nominiert worden. Heißt: Es geht nicht um den Titel, sondern darum, sich weiterzuentwickeln.

Denn das ist gerade bei Müller noch wichtig: „Sie ist ohne Frage ein großes Talent, die Größe, ihre Technik und Koordination sind sehr gut und sie ist sicher die beste Blockerin ihrer Altersklasse“, sagt Ahmann, „aber was fehlt, ist bei ihr noch die Athletik.“ Die Größe hat sie von ihrem Vater, der 2,08 Meter misst. Die Technik und die Koordination hat sie aus Hörde. Doch die Athletik muss man immer und immer wieder leistungssportgerecht trainieren.

Talent wird als groß eingeschätzt

Es ist ein wunder Punkt, der auch etwas mit der Erkrankung im vergangenen Jahr zu tun hat. Denn obwohl Svenja Müller „in Europa zu den größten Talenten zählt“ (Ahmann), trainiert sie nicht wie eines. Dem Bundestrainer fällt nur die Russin Mariia Bocharova ein, die gerade U19-Weltmeisterin geworden ist, die ähnlich Anlagen habe, aber schon eine bessere Athletik. In Dortmund seien die Trainingsbedingungen nicht leistungssportgerecht, sagt Ahmann: „Ohne entsprechendes Training wird das auch schwierig.“ Doch dass der Deutsche Beachvolleyball-Verband sie unterstützt, obwohl sie nicht im Internat wohnt und entsprechend trainiert, zeigt, wie groß ihr Talent eingeschätzt wird.

Mama Daniela Müller sagt: „Svenja hätte längst auf ein Sportinternat gehen können.“ Doch erst schien ihre Tochter davon selbst nicht so überzeugt zu sein und dann erkrankte sie am Drüsenfieber: „Deshalb haben wir uns jetzt darauf geeinigt, dass sie erstmal das Abitur fertig macht.“

Leverkusen wollte Svenja Müller verpflichten

Die Mutter ist direkt betroffen vom Pensum ihrer Tochter, denn sie fährt sie zu den Trainingseinheiten am Landesstützpunkt in Münster und zu ihrem Beachvolleyball-Verein in Düsseldorf, der sie auch finanziell ein bisschen unterstützt: „Deshalb freue ich mich auch schon drauf, wenn sie den Führerschein macht und auch mal selbst fahren kann“, sagt Müller. An den vielen Kilometern auf der Autobahn liegt es auch, dass Svenja Müller überhaupt noch beim TV Hörde spielt. Zweitligist Bayer 04 Leverkusen hätte sie gerne für die Hallensaison verpflichtet, aber Mama Müller hat wegen der zusätzlichen Kilometer ihr Veto eingelegt. „Wenn sie selbst fahren kann, wird sie da sicher nochmal drüber nachdenken.“

Und so kommt es, dass ihre Heimatstadt Dortmund zunächst mal ein Problem für ihre Träume darstellt. Denn um professionelle Beachvolleyballerin zu werden, muss sie wie eine trainieren. Zunächst steht für Müller aber die U18-Europameisterschaft an. „Da wollen wir am Ende zufrieden mit unserer Leistung sein“, schreibt sie.

Die EM im Internet
Die EM ist kostenlos im Internet zu sehen unter www.Laola1.tv.
Lesen Sie jetzt