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Christian Schreier hält noch heute einen Rekord

Olympische Dinge

Samstag war Fußball. Die neu gegründete 3. Liga. Der SC Paderborn gastierte beim SV Sandhausen. Keine Zeit also für das Viertelfinale bei den Olympischen Spielen. Keine Zeit für die Galavorstellungen der Messis, Diegos oder Rafinhas in Peking. Dabei hat der frühere Fußballprofi Christian Schreier aus Castrop-Rauxel selbst zweimal im Schatten der fünf Olympischen Ringe gekickt.

CASTROP-RAUXEL

von Von Carsten Loos

, 19.08.2008
Christian Schreier hält noch heute einen Rekord

Den "Bierhoff von Paderborn", also den Teammanager, gibt Christian Schreier (links), hier bei der Amtseinführung mit Präsident Wilfried Finke (Mitte) und Trainer Pavel Dotchev, seit Februar beim Zweitliga-Absteiger SC Paderborn.

1984 in Los Angeles (USA) und 1988 in Seoul (Südkorea). Mit feinem Erfolg: 1988 sprang sogar Bronze heraus - durch einen 3:0 (2:0)-Sieg gegen Italien. "Und ich habe dabei ein Tor gemacht", freut sich Schreier noch heute. Die deutsche Erfolgsmannschaft um Jürgen Klinsmann, Andreas Brehme, Frank Mill oder den zweiten Castrop-Rauxeler im Team, Wolfram Wuttke (ehemals SG Castrop), war im Halbfinale "unglücklich", wie Schreier sagt, mit 4:5 nach Elfmeterschießen gegen den späteren Silbermedaillen-Gewinner Brasilien ausgeschieden. Der Erfolg im "kleinen Finale" ist bis heute der einzige Sieg einer deutschen Auswahl bei einem Turnier gegen Italien.

Der gebürtige Merklinder trifft wie am Fließband "1988 war mein erfolgreichstes Jahr", betont Schreier. Vor den Olympischen Spielen in Seoul hatte er gerade mit Bayer Leverkusen den UEFA-Cup gewonnen. Obendrein hatte der gebürtige Merklinder großen Anteil an dem Titelgewinn der Werkself: Er traf wie am Fließband, hatte als Torschütze deshalb schnell den Ruf als "Mr. Europacup" weg. Bester Torschütze von Leverkusen auf internationalem Parkett. Schreier: "Das bin ich immer noch."

Und bei Olympischen Spielen 1988 legte Schreier noch einmal nach: Sieben Spiele bestritt er in Südkorea. Sieben Spiele, die ihn mit dann insgesamt 22 Einsätzen aus Qualifikation und Olympia 1984 und 1988 zum deutschen Olympia-Rekordler in Fußballkreisen machten.

1984, Schreier war gerade vom VfL Bochum nach Leverkusen gewechselt, war er mit der deutschen Auswahl zwar in der Qualifikation gescheitert, durfte dann aber doch nach Los Angeles. Wegen des Gegen-Boykotts (nach dem West-Boykott in Moskau 1980) vom Ostblock sagten die UdSSR, die CSSR und die DDR ihre Teilnahme am Fußballturnier ab. Das Schreier-Team kam immerhin bis ins Viertelfinale, schied dann aber gegen Jugoslawien mit 2:5 (2:2) aus. Vier Wochen später bestritt er sein einziges Länderspiel, beim Beckenbauer-Debüt gegen Argentinien (1:3).

Schreiers Rekord hält immer noch an Schreiers Olympia-Rekord hält immer noch. Aus einem einfachen Grund. "Nach uns hat sich keine deutsche Mannschaft mehr für Olympia qualifiziert", erklärt Schreier, "obwohl es danach vor jeder Qualifikation hieß, gerade jetzt sei die beste U21-Mannschaft aller Zeiten am Start." Zuletzt ja für Peking das U21-Team um Marc Kruska (vormals vom VfR Rauxel) von Borussia Dortmund.

Die Generation Schreier war also die letzte Equipe von deutschen Fußballprofis, die olympischen Atmosphäre einatmen durfte. "Wir spielten ja zunächst weit außerhalb, in Pusan", erinnert sich Schreier. Erst zum Halbfinale zogen die deutschen Kicker im Olympischen Dorf ein. "Jede Nation hatte da ihren Block mit Wohnungen", erzählt er, "ganz anders als in Los Angeles." Dort sei ihm das Dorf eher wie "ein Zirkus" vorgekommen.

Er sah sie alle, von Steffi Graf bis Carl Lewis

Im Zentrum des olympischen Geschehens erliegt dann auch ein abgebrühter Berufsfußballer dem so eigenen Charakter Olympischer Spiele. "Das ist schon toll, viele bekannte Sportler zu treffen", sagt Schreier. Steffi Graf oder Carl Lewis - er habe sie alle gesehen, im Dorf oder bei den Wettkämpfen. Und froh über den eigenen Erfolg ist Schreier auch: "Wir wollten schon etwas erreichen." Das ist gelungen - die Bronzemedaille ist der schlagende Beweis. ZUR PERSONChristian Schreier (53) stammt aus der Jugendabteilung des SuS Merklinde. Von 1981 bis 1992 bestritt er 331 Bundesliga-Spiele als Fußballprofi für den VfL Bochum, Bayer Leverkusen und Fortuna Düsseldorf. Dabei erzielte er 106 Tore. 1988 wurde Schreier mit Bayer Leverkusen UEFA-Cup-Sieger. Schreier stand nur einmal in der Nationalmannschaft, 1984 gegen Argentinien (1:3). 1984 und 1988 gehörte er der deutschen Olympia-Mannschaft an. 1988 gewann Schreier in Seoul Bronze. Nach seiner Bundesliga-Zeit spielte Schreier noch bis 1997 in unteren Ligen; seine letzte Station war der FC Wegberg-Beeck in der Oberliga Niederrhein. Seit 2006 arbeitete Schreier als Trainer, unter anderem beim 1. FC Union Berlin. Von Februar 2008 bis April 2009 war er Teammanager beim SC Paderborn. In der Saison 2010/11 trainierte er den Niederrheinligiste TV Jahn Hiesfeld aus Dinslaken. Schreier lebt heute in Wattenscheid.

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