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Dagmar Berg: "Ohne Ausbildung geht es nicht"

Volleyball-Trainerin für VV-Nachwuchs

Mit keinem anderen Namen ist die Sportart Volleyball in Schwerte so verbunden wie mit Dagmar Berg. Etwa 20 Jahre lang zählte der VCS unter der Regie der heute 77-Jährigen zum Besten, was es bundesweit in dieser Sportart gab. Nach mehrjähriger Pause gibt Berg nun ihr Wissen an den Nachwuchs weiter. Au

SCHWERTE

, 19.10.2016
Dagmar Berg: "Ohne Ausbildung geht es nicht"

Dagmar Berg ist eine Legende im Schwerter Volleyball. Nun will sie ihr Wissen dem Nachwuchs vermitteln und mit 77 Jahren nochmal in den Trainingsbetrieb einsteigen.

Frau Berg, wissen eigentlich alle Mädels, die Sie betreuen, mit wem sie es jetzt als Trainerin zu tun haben?

Nein, das glaube ich nicht. Warum auch? Es ist zu lange her.

Früher war es der 1. VC Schwerte, heute ist es der VV Schwerte, der 2014 als Fusionsverein aus dem VC Schwerte 02 und dem VV Phönix hervorgegangen ist...

Ich finde es mutig, dass sich diese beiden Vereine bei solch unterschiedlichen Strukturen zusammengetan haben – der VV Phönix mit dem Ziel, in erster Linie Familiensport und Freizeitsport zu fördern und der VC Schwerte mit dem Anliegen, den Leistungssport mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Das sind die Dinge, die nun in einem Verein auf einen Nenner zu bringen sind.

Also war der Zusammenschluss doch ein richtiger Schritt, oder?

Ich finde, es war für den Volleyball in Schwerte der einzig richtige und einzig mögliche Schritt. Ich glaube aber auch, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. In der einen oder anderen Situation tut man sich noch schwer und wirkt manchmal etwas hilflos bei der Frage: Wie könnten Freizeit- und Hobbysport auf der einen Seite und der leistungsbezogene Sport zusammengehen? Für den den leistungsbezogenen Bereich bedarf es dabei gewisser Kenntnisse im Trainerstab, die heute mit dem normalen Übungsleiter nicht gegeben sind.

Die erste Option

An dieser Stelle ist der Anknüpfungspunkt, an dem Sie ins Spiel kommen. Wie ist es überhaupt zu ihrem Engagement für den VV Schwerte gekommen?

Natürlich ist der leistungsorientierte Ansatz bei mir nicht verloren gegangen. Nachdem ich wieder einige Freizeit für mich hatte und ich diese Freizeit auch ehrenamtlich weitergeben möchte, habe ich viele Möglichkeiten gehabt, nicht nur im Sport. Aber Volleyball liegt mir am Herzen, allein schon weil ich das hier in Schwerte aufgebaut habe. Von daher war es für mich eine erste Option. Ich habe mir gedacht: Wenn du hier, wo du alles aufgebaut hast, noch helfen kannst, dann musst du das zur Sprache bringen. Das habe ich getan und habe dem Verein ein Angebot gemacht.

Das war am Rande der Deutschen U16-Meisterschaften im Mai dieses Jahres, richtig?

Ja. Das war seit langer Zeit mal wieder eine Sache, die ich mir etwas näher angeguckt habe. Und ganz ehrlich: Ich war etwas schockiert von dem Unvermögen der Schwerter Mannschaft in bestimmten grundlegenden Techniken. Da hab ich gedacht: Wenn ich körperlich dazu in der Lage bin, möchte ich da etwas tun. Ich fühle mich noch fit und habe deshalb das Gespräch gesucht.

Was ist denn genau Ihre Aufgabe beim VV Schwerte?

Mein Aufgabenfeld ist eine Trainingsgruppe der Altersklasse U14 und U16. Eltern und Spielerinnen wurden befragt, ob sie gerne leistungsbezogen trainieren möchten. Von der Entwicklung her ist das sicherlich kein einfacher Altersbereich. Von den Aufgaben für mich auch nicht, weil es ja keine Anfänger sind. Deshalb geht es nicht nur um eine Weiterentwicklung, sondern auch um eine Umerziehung in Bezug auf Technik, Taktik und Athletik. Aus meiner Sicht ist dies absolut notwendig, wenn eines Tages mal die eine oder andere in einer höherklassigen Mannschaft landen und sich dort behaupten soll. Das ist das Ziel.

Ein Freak im positiven Sinne

Werden Sie sich in Ihrer Art als Trainerin im Vergleich zu früher umstellen müssen?

Ich muss meine Unterrichtsmethodik ändern. Es ist eben so, dass ich nicht mehr einfach irgendeine Bewegung vormachen kann. Aber Heranwachsende lernen ganz viel durch Abgucken. Von daher war es früher leicht, wenn man viele Bewegungen vormachen konnte – man hat mir nachgesagt, in dieser Hinsicht sei ich ein Freak, und das kann ich nicht abstreiten. Aber nun muss ich mich anderweitig orientieren und habe gebeten, mir Hilfe für die praktischen Übungen zur Seite zu stellen. Dieses Problem hat der Verein gelöst. Von daher denke ich, es könnte eine erfolgreiche Arbeit werden.

Sie haben ganz andere Volleyballzeiten in Schwerte erlebt als die heutigen, in der die erste Damenmannschaft "nur" in der Verbandsliga spielt. Können solch goldene Zeiten nochmal wiederkommen oder ist das utopisch?

Wer glaubt, das geht so hoppla-hopp, dem muss man sagen: mit Sicherheit nicht. Es ist ein langer und steiniger Weg, um dahin zu kommen, denn die Entwicklung und der Aufbau müssen von unten erfolgen. Ich glaube generell, dass es die schwierigste Aufgabe im leistungsbezogenen Sport ist, im unteren Kinder- und Jugendbereich die Kompetenz zu schaffen. Dazu braucht man Trainer und Übungsleiter mit der nötigen Ausbildung. Ich behaupte: Ohne Ausbildung geht es nicht. Wer keine Ahnung von Trainingslehre, Athletik, Biomechanik und Physiologie hat, der kommt nicht weit.

Die Gruppe, mit der sie jetzt zusammenarbeiten, ist eine andere Generation als die Spielerinnen, die Sie damals beim 1. VC Schwerte trainiert haben. Ticken die Mädels heute anders?

Das weiß ich noch nicht. Aber ich denke nicht, dass sich grundsätzlich viel geändert hat. Es liegt ja vielleicht auch daran, wie die Mädchen von Anfang an anders an die Sache herangeführt werden. Ein Freizeit-/Hobbyverein geht da ganz anders vor als ein Verein, der zielstrebig auf eine bestimmte Leistung in einem bestimmten Alter hinarbeitet.

Wenn ich es mal vergleiche: Wenn sie bei Borussia Dortmund in solch eine Gruppe hineinwollen, geht das nur, wenn sie die entsprechende Haltung dazu haben. Wer denkt, es wird schon laufen, nur weil ich talentiert bin, der ist ganz schnell raus. Von daher ist es für mich natürlich auch eine Frage des Bewegungstalents, aber im Wesentlichen eine Frage der Disziplin, des Einsatzes und des Lernens, wenn man nach oben kommen will.

Deshalb ist für mich die Frage auch relativ leicht zu beantworten, ob es in absehbarer Zukunft mal wieder nach oben geht: Alles, was nahe des Frauenbereiches liegt, wird keine Chance mehr haben, ein Umlernen in der Form, wie es nötig wäre, sowohl vom Kopf her wie auch von der Physis und den sportlichen Fähigkeiten her, zu schaffen. So traurig das ist, da ist der Dampfer abgefahren.

Aber trotzdem ist es doch Ihr Ansatz, in leistungsorientierter Hinsicht zu versuchen, das Bestmögliche aus Ihrer Trainingsgruppe herauszuholen. Oder?

Es ist für mich besonders interessant, aber auch schwierig. Wenn sich einmal eine falsche Bewegung verinnerlicht hat, muss man enorme Fantasie haben und eine gewisse Sturheit an den Tag legen, um sie raus zu bekommen. Aber das macht es auch interessant. Es ändert jedenfalls nichts an meinem Optimismus, dass ich es schaffen möchte, dass dieser Zweig im VV Schwerte eine positive Entwicklung nimmt und dass man eines Tages sagen kann: Wir können auch mal wieder Oberliga spielen.

Oder vielleicht auch noch höher.

Ja natürlich. Wenn man es von unten richtig anfasst, auch noch höher. Nur muss man den Dingen die Zeit geben und man muss Fachleute haben, die diesen Weg mit den Spielerinnen mitgehen.

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