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Beim SV Schermbeck sind Flüchtlinge willkommen

Das Team hat seinen festen Platz

Schermbeck Vor mehreren Monaten entschied der SV Schermbeck, Flüchtlingen Raum zum Fußballspielen zu geben. Mittlerweile hat das Team seinen festen Platz.

Das Team hat seinen festen Platz

Das offizielle Mannschaftsfoto der dritten Mannschaft des SV Schermbeck: Aus einer lockeren Fußballrunde von 15 bis 20 Flüchtlingen ist ein Team entstanden, das am Spielbetrieb teilnimmt. Foto: SVS

Das Fußballtraining auf dem Schermbecker Kunstrasen wirkt auf den ersten Blick improvisiert – genau wie die Mannschaft. Es ist ein kalter Mittwochabend. Die Spieler stört die Kälte nicht. Sie machen untereinander viele Späße und lachen zusammen. Der eine trägt das Trikot von Real Madrid, der andere des FC Barcelona. Ein Spieler bekleidet mit einem Trikot des AC Mailand führt einen Zweikampf mit einem im FC-Bayern-Dress. Schon die Trikots zeigen: Hier herrscht Multikulti.

Es ist nicht lange her, da beschloss der SV Schermbeck, Flüchtlinge in den Verein aufzunehmen. „15 bis 20 Flüchtlinge spielten einmal pro Woche auf unserem Kunstrasen“, erklärt der Trainer der dritten Mannschaft des SV Schermbeck, Markus Hassel. „Der Vorstand kam auf die Idee, das Engagement auszuweiten und die Mannschaft am Spielbetrieb anzumelden.“

Um die Integration zu erleichtern, sollten zehn Spieler aus der Schermbecker Reserve das Team unterstützen. Von denen blieb allerdings genau ein Spieler übrig. Zusammen mit seinem besten Freund Markus Hassel trainiert Marvin Knoll seitdem die Mannschaft und steht zeitgleich zwischen den Pfosten.

Durch ihn kam Hassel auch erst dazu. „Ich habe ein paar Freunde gefragt, ob sie nicht Lust hätten, bei diesem Projekt mitzumachen“, sagt Knoll. Es fanden sich gut zehn Kollegen. Unter ihnen ist auch der Kapitän, Patrick Alflen.

An dem kalten Trainingstag ist er unzufrieden mit der Leistung auf dem Platz. „Heute läuft gar nichts“, ärgert sich Alflen, nachdem er mal wieder mit einem Dribbling im Abschlussspiel scheiterte.

Ganz anders drauf ist da schon Koni Saad Khalil. Er ist der Spaßvogel des Teams. Beim obligatorischen Kreisspiel verteilt er einen Tunnel, geht in die Hocke und lacht laut auf. Beim Torschusstraining schiebt er seinem Trainer Knoll den Ball in den Winkel und jubelt, als hätte er ein Tor in der Meisterschaft geschossen. Saad hat seinen Sohn nach seinem Trainer benannt. „Marvin ist mein Trainer“, sagt er und zeigt damit seinen vollen Respekt.

Trotz vieler Fehlpässe im Abschlusstraining ist die Stimmung gut. Die Spieler maulen sich nicht gegenseitig an, sondern machen immer wieder Späße und lachen viel miteinander. Das war nicht immer so.

„Am Anfang gab es auch mal Handgreiflichkeiten“, muss Trainer Hassel eingestehen. Kulturelle Unterschiede können nicht geleugnet werden. Ebenso sprachliche Brücken. „Zu Beginn lief da noch viel mit Händen und Füßen“, lacht Hassel.

Einfaches Deutsch

Es ist nur einfaches Deutsch, das auf dem Platz gesprochen wird. Mittlerweile können sich die Spieler aber gut untereinander verständigen. „Der eine lernt schneller, der andere langsamer. Aber es ist bei allen gut geworden“, sagt Knoll.

Unter ihm gebe es auch nur eine Regel: „Auf dem Platz wird Deutsch gesprochen. Neben dem Platz ist mir das egal. Wenn ich aber auf dem Platz höre, dass nicht Deutsch gesprochen wird, macht derjenige zehn Liegestütze.“

In der Fairnesstabelle der C-Kreisliga ist die Mannschaft auf dem letzten Platz. „Gerade unsere Araber sind sehr stolze Menschen“, sagt Hassel. Die Spieler mussten lernen, dass sie ihre Emotionalität in den Hintergrund stellen müssen.

„Am Anfang war das ein Problem, mittlerweile aber kaum noch“, freut sich Hassel. Mit der Zeit hat die Mannschaft gemerkt: Wir können nur zusammen bestehen. Eine Mannschafts- und eine Weihnachtsfeier haben den Umgang untereinander vereinfacht – und die Integration erleichtert.

Die Weihnachtsfeier sollte den aus Guinea, Nigeria und aus dem Irak stammenden Menschen die Kultur Deutschlands näherbringen. Die revanchierten sich, indem sie ihre deutschen Mitspieler nach einer Mannschaftsfeier in das Schermbecker Flüchtlingsheim einluden und ihnen um ein Uhr nachts noch etwas Essen kochten.

Stolz ist Markus Hassel auf Abdulrahman Rassol Hamzah Al-Daayeni. Der hat im Landhotel Voshövel mittlerweile eine Ausbildung begonnen. Die dritte Mannschaft des SV Schermbeck hat gezeigt, wie Integration funktioniert. Nicht immer geradeaus, mit der nötigen Geduld aber sehr gut.

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