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Der spielende Trainer - ein Auslaufmodell?

Fußball

In der Vergangenheit haben Fußballklubs auf Amateurebene gerne auf Spielertrainer gesetzt. Häufig waren es Ex-Profis, die bei unterklassigen Klubs ihre aktive Karriere ausklingen ließen. Aktuell ist die Anzahl der Spielertrainer jedoch gering. Wir haben uns bei den letzten Spielertrainern, Sportlichen Leitern und Coaches umgehört, warum das der Fall sein könnte.

KREISGEBIET

, 27.11.2014
Der spielende Trainer - ein Auslaufmodell?

WSC-Spielertrainer Kurtulus Öztürk (l.) feierte seine Saisonpremiere.

Kurtulus Öztürk stand am vergangenen Wochenende von Beginn an auf dem Platz. Der Ex-Profi sieht sich aber nicht als Spielertrainer des Fußball-Bezirksligisten Werner SC. Er nennt sich einen Trainer, der im Notfall als Spieler aushelfen könne. Ein Blick auf die Fußballklubs der Städte Werne, Lünen, Selm und Olfen und der Gemeinden Ascheberg und Nordkirchen verdeutlicht, dass die Vereine ab der Fußball-A-Liga aufwärts kaum noch auf Spielertrainer setzen. In der Landesliga 4 gibt es keinen klassischen Spielertrainer mehr. In der Bezirksliga 8 mit Dennis Horschig (TSC Eintracht, 32) nur einen. In der Kreisliga A Lüdinghausen sind es aktuell zwei: Kadir Kaya (BW Alstedde) und Patrick Osmolski (GS Cappenberg). Ein Blick zurück in die Spielzeit 2012/13 verrät, dass damals von den heutigen 16 A-Ligateams gleich sieben von Spielertrainern geführt wurden. Da wirken Kadir Kaya und Patrick Osmolski heute fast schon wie Exoten. „Was es so schwierig macht, als Spielertrainer zu arbeiten, ist, dass man auf dem Platz seine volle Leistung bringen, als Trainer immer vorneweg gehen muss“, sagt Osmolski (32). Er habe nach dem Aufstieg in die B-Liga gemerkt, dass es doch Probleme gebe, gleichzeitig Trainer und Spieler zu sein. Als ehemaliger Landesliga-Akteur hatte er in der B-Liga keine Probleme, sportlich vorweg zu gehen. In der A-Liga sei das schon schwieriger, weil er sich im Training nicht nur auf seine Fitness konzentrieren könnte, sondern in erster Linie auf die Entwicklung des Teams.

Kadir Kaya hat in der vergangenen Spielzeit noch in der Landesliga gekickt. Ist dann zu Alstedde gewechselt. Er glaubt nicht, dass der Grund für den Rückgang der Spielertrainer ein sportlicher sei. Er glaubt eher, dass viele Akteure bis zum letzten Punkt versuchen, höherklassig zu spielen. Hören dann ganz auf, weil die Zeit es nicht mehr zulässt. Die Familie und die Arbeit stünden immer mehr im Vordergrund. Er ist froh darüber, den Schritt zum Spielertrainer gegangen zu sein. „Die Aufgabe macht Spaß. Ich bin 32 Jahre alt. Das passt als Übergang. Die Entwicklung der eigenen Mannschaft zu sehen, Erfolg zu haben, das ist super.“ Einer der erfolgreichsten Spielertrainer der Region ist Heiko Ueding (45). Er hat als Trainer und gleichzeitig Spieler dafür gesorgt, dass Davaria Davensberg jahrelang zu den Topteams der Westfalenliga gehörte. Er war der Leitwolf auf und neben dem Platz. „Das kann aber nur funktionieren, wenn du leistungsmäßig deutlich über deinen Spielern stehst. Ansonsten gibt es Spannungsfelder“, sagt Ueding. Er erinnert sich an Situationen, in denen er Spieler auf die Tribüne schicken musste, selbst aber auf dem Platz stand. „Du kannst dann nicht zeitgleich Trainer und Mannschaftskamerad sein.“ 13 Jahre war der Ex-Profi von Wattenscheid 09 Spielertrainer. Heute guckt er sich beim Bezirksligisten Nordkirchen die Spiele von der Seite an. Das macht Wernes Kurtulus Öztürk auch zu 99 Prozent. Er merkt, dass es extrem schwer sei, ein Team weiter zu entwickeln und die eigene Fitness auf 100 Prozent zu bringen. „Das geht eigentlich gar nicht. Ich bin für die Jungs verantwortlich, muss sie im Training immer wieder antreiben. Ich kann nicht jede Übung mitmachen“, sagt der 34-Jährige. Fußballerisch sähe er überhaupt keine Probleme, die Mannschaft auf dem Platz zu führen. Er will aber nicht die Glaubwürdigkeit gegenüber seinen Spieler verlieren und verzichtet daher aufgrund seiner Fitness auf regelmäßige Einsätze.

Dass es in der Landesliga kaum Spielertrainer gibt, kann Hasan Kayabasi, Sportlicher Leiter des Landesligisten Lüner SV, verstehen. „Ich bin strikt gegen einen Spielertrainer in höherklassigen Mannschaften. Ich kann sagen, dass ich für den LSV keinen Spielertrainer verpflichten würde“, sagt Kayabasi. Stünde der Trainer auf dem Platz, bedeute das Angriffsfläche. Ähnlich sieht es Werner Smuda, Sportlicher Leiter des Liga- und Stadtkonkurrenten BV Brambauer-Lünen: „Das Amt des Spielertrainers wird immer schwieriger. Ich habe es selbst in den 80er-Jahren in Brambauer für zwei Jahre ausgeübt. Wir haben damals mit einem Rumpfkader die Klasse gehalten. Heute hat sich der Fußball aber so sehr verändert, dass es schwieriger wird, sich auf die eigene Leistung zu konzentrieren und gleichzeitig Entscheidungen wie Spielstrategie und Auswechslungen zu treffen.“ Sei man auf dem Platz nicht fehlerlos, mache man sich angreifbar. Deshalb sagt Herberns Sportlicher Leiter Frank Heidemann, dass ein Spielertrainer mit seiner Leistungsfähigkeit weit über der der Spieler stehen müsse. „Und er muss ein Fitnessfreak sein, in der Freizeit viel laufen. In den Übungseinheiten kann sich ein Spielertrainer nicht die komplette Fitness holen“, sagt Heidemann. Herberns Landesliga-Team hatte zuletzt vor 14 Jahren einen Spielertrainer.

Was die Reserve des Klubs aktuell in der A-Liga hat, ist ein spielender Co-Trainer. Sven Overs hat den Job vor der Spielzeit übernommen. Er übernimmt Teile der Aufgaben eines Spielertrainers. Er hilft den Spielern auf dem Feld mit Anweisungen. Und er ist der Fehlerdetektor für Chef-Coach Timy Schütte. „Alles, was ich auf dem Feld sehe, spreche ich mit Timy mit dem Halbzeitpfiff und auf dem Weg zur Kabine ab. Auf dem Platz bekommt man manchmal etwas mehr mit als von außen“, sagt Overs. Er übernimmt auch Teile des Trainings, hat Mitspracherecht bei der Aufstellung. Neu ist für ihn, dass sich das Verhältnis zu den Mitspielern etwas verändert hat. Er müsse Distanz aufbauen. Für ihn sei es klar, dass er dem Trainerkollegen mitteilen müsse, wenn er erfährt, dass Teamkollegen am Samstagabend lange feiern waren. Um diese Distanz zu wahren und den Spielern Freiraum zu lassen, gehört er nach dem Training nicht zu denjenigen, die bis zum Schluss in der Kabine bleiben. Spielender Co-Trainer ist auch Samir Zulfic (30) beim Bezirksligisten Westfalia Wethmar. Als er den Job von Chefcoach Alexander Lüggert angeboten bekam, habe er nicht lange gezögert. „Von Alex kann ich mir sehr viel abschauen. Sein Training hat eine hohe Qualität. Der Ball steht immer im Vordergrund. Das gefällt mir. Denn die Wege ohne Ball haben mir nie Spaß gemacht“, sagt Zulfic. Vor dem Spiel unterhalte er sich detailliert mit Alexander Lüggert. „Er fragt mich auch um Rat“, sagt Zulfic. Die aktuelle Lage zeigt, dass die Klubs der Region auf Spielertrainer größtenteils verzichten. Ob aus dem Trend Chefcoach und spielender Co-Trainer ein Zukunftsmodell wird, werden die kommenden Jahre zeigen.

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