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Olympische Spiele

Physiotherapeut André Kalweit ist im medizinischen Team

DORTMUND In acht Wochen beginnen die Olympischen Sommerspiele. Während der große Traum von einer Teilnahme für viele deutsche Sportler bereits geplatzt ist und andere noch um ihr Ticket kämpfen, hat sich ein Dortmunder seine Teilnahme bereits gesichert.

Physiotherapeut André Kalweit ist im medizinischen Team

André Kalweit im heimischen Bethanien Krankenhaus in Hörde. Hier arbeitet der Physiotherapeut normalerweise, in acht Wochen unterbricht er seine Arbeit allerdings. Dann reist er für einige Wochen nach London, um während Olympia im Aquatic Center Athleten, Offizielle und Zuschauer zu versorgen.

Nicht etwa als Sportler. Nein, André Kalweit ist Physiotherapeut. Er wird das medizinische Team in London unterstützen.  Es war immer sein großer Wunsch. Einmal den Olympischen Traum leben, die Atmosphäre einsaugen, dazu beitragen, dass die Spiele ein Erfolg werden. Dafür hat der 34-jährige Kalweit ein fast 18 Monate währendes Auswahlverfahren über sich ergehen lassen. So lange musste er zittern und warten.

Vor wenigen Wochen klingelte dann das Telefon. Es war der so lang ersehnte Anruf. „Ich dachte erst meine Schwester ruft aus London an und war noch ein bisschen heiser, weil sie auf einem Konzert gewesen ist“, erzählt der Physiotherapeut der ambulanten Reha des Bethanien-Krankenhauses in Hörde. Die Schwester, die in der englischen Hauptstadt als Ärztin arbeitet, war es nicht, sondern ein Sprecher des olympischen Medical Teams. Zweimal erkundigte dieser sich, ob denn auch wirklich André Kalweit am Telefon sei. Ja, natürlich, er war es. Dann der alles entscheidende Satz: „Sie sind mit dabei.“ Der Dortmunder hat sich gegen 250 000 Konkurrenten durchgesetzt. „Das war wie ein Wettkampf. Ich bin überglücklich“, sagt er.

Seine Olympische Teilnahme ist sicher. Viel mehr weiß Kalweit noch nicht, die meisten Informationen bekomme er erst kurzfristig. Knapp 5000 Therapeuten, Ärzte und medizinische Fachkräfte sind in London vor Ort. Kalweit wird in einem zehnköpfigen Team im Aquatic Center und im Water Park eingesetzt. Dort soll er sich um Athleten wie Schwimmer, Turmspringer, Synchronspringer und Kanuten kümmern. Aber nicht ausschließlich. Er ist auch Ersthelfer für Offizielle und Zuschauer, ist jeden Tag bis zu zehn Stunden im Bereitschaftsdienst. Dabei ist Kalweit keiner bestimmten Nation zugeteilt, darf sich durch nichts und niemanden in seiner Arbeit beeinflussen lassen. Entschieden werde nur im Team, erzählt Kalweit.

Eine Medaille bekommt er für seinen Einsatz nicht. Auch kein Geld, die Teilnahme ist ehrenamtlich. Bislang musste er vielmehr sehr viel Zeit und mehr als 1000 Euro in seinen großen Traum investieren. Immer wieder flog er zu Gesprächen und Tests nach London, wurde bis aufs Mark geprüft und mit Fangfragen konfrontiert – ganz abgesehen von den vielen Voraussetzungen, die er ohnehin erfüllen musste um sich bewerben zu können. „Ich scheine alles richtig gemacht zu haben, sonst wäre ich nicht dabei“, sagt der Dortmunder, der auch in England als Physiotherapeut nostrifiziert ist. Das Bethanien-Krankenhaus, in dem Kalweit erst seit wenigen Monaten beschäftigt ist – vorher arbeitete er sechseinhalb Jahre in einer Reha-Klinik in Österreich – steht hinter seinem Olympia-Teilnehmer, stellt ihn für die Zeit frei. „An diesem Haus klebt das Sportliche“, sagt Tadeusz Jeziorski, Leiter der ambulanten Reha. „Wir freuen uns deshalb sehr, dass André dabei ist. Er repräsentiert doch auch die Stadt Dortmund.“

Kalweit erhofft sich von seiner Zeit in London vor allem auch Erkenntnisse mit in seinen Job im Ruhrgebiet nehmen zu können. „Ich treffe Therapeuten aus der ganzen Welt und kann mich mit ihnen austauschen.“ Das Komitee verspricht auf seiner Webseite: „Sie werden einen einmaligen Eindruck der medizinischen Arbeit während Olympia erhalten.“ Vor einigen Tagen stand der erste offizielle Termin auf dem Plan. Da bekam Kalweit eine Einführung in den Aufgabenbereich, erhielt seine Zugangspässe und wurde offiziell eingekleidet. Weiter geht’s in etwa einem Monat mit einem „Venue Specific Training“. Dort lernt er sein Team und seinen Arbeitsplatz kennen und übt verschiedene Unfallsituationen. „Olympia war mein großer Traum. Jetzt habe ich die Chance und will sie nutzen. Ich bin heiß drauf,“ sagt Kalweit. Das Olympische Fieber hat ihn längst ergriffen. 

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