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Hartplatzhelden, You-Tube, DFB - Fernsehrechte für die Kreisliga

CASTROP-RAUXEL Wacklige Videos, unscharfe Fotos - immer mehr Nutzer stellen selbstgeschossene Bilder auch von Amateurbegegnungen ins Internet. Die offizielle DFB-Seite "fussball.de" bietet allen Hobbyfilmern eine Heimat - doch private Konkurrenz duldet der Verband nicht.

von Von Florian Kopshoff

, 27.08.2008
Hartplatzhelden, You-Tube, DFB - Fernsehrechte für die Kreisliga

Auf fussball.de zu begutachten: Eine Spielzene des TuS Henrichenburg.

Die Bilder sind unscharf und rar gesät. Auf der Internetseite des Fußballbundes sind einige Fotos aus Juniorenfußball-Begegnungen des TuS Henrichenburg zu finden. "jml1994" nennt sich der scheinbar junge User der Plattform "fussball.de", der die Amateuraufnahmen vom Kreisliga-Nachwuchsmatch eingestellt hat. Fotos aus Senioren-Partien in der Europastadt sind nicht zu finden. Videos? Fehlanzeige. Doch die technische Möglichkeit besteht: Wer am kommenden Sonntag das Kreisliga B-Spiel zwischen Arminia Ickern und SF Habinghorst am Rande des Platzes verfolgt, kann mitfilmen, schneiden und das Ergebnis auf "fussball.de" hochladen. Eine tolle Zugabe - das Sahnebonbon zum nackten Ergebnisdienst, durch den die Verbandsseite zu Prominenz gelangte. Der Amateurfußball im Rampenlicht. Die Sportschau des kleinen Mannes. Eine tolle Idee. Doch wer hatte den Geistesblitz tatsächlich zuerst? Eigentlich ist es unbestritten: Der DFB war es nicht. Seitenwechsel: Der Internetbrowser führt uns zum Auftritt "hartplatzhelden.de".Rote Karte für die Hartplatzhelden

Wacklige Bilder, aufgenommen von einem Amateurfilmer, zeigen, wie Cindy vom ASV Bergedorf 85 den Ball zum Pokalsieg ihrer Frauen-Fußballmannschaft in des Gegners Netz flankt. Zum "schönsten Frauen-Tor" wählte die Jury der Internetseite "hartplatzhelden.de" diesen Treffer.

Cindy wird ihre Medienpräsenz möglicherweise demnächst auf die offiziellen DFB-Seiten beschränken müssen: Vor dem Landgericht Stuttgart verlor die Hartplatzhelden GmbH im Mai gegen den Württembergischen Fußballverband (WFV) und den Deutschen Fußballbund. Die hatten geklagt - im Interesse der Fußballvereine. Die Online-Vermarktung sollte als Einnahmequelle kleiner Klubs erhalten bleiben, meint der Verband. Das Gericht gab WFV und DFB Recht. 250.000 Euro Bußgeld drohen dem Internet-Unternehmen nun bei Veröffentlichung von weiteren Spielszenen aus den Ligen des WFV. Auf lange Sicht soll bewegtes Bildmaterial dann nur noch auf der offiziellen Internetseite des DFB ("fussball.de") oder derer der Vereine zu sehen sein.Privatanbieter gehen in Berufung

Hermann Korfmacher, 1. Vizepräsident Amateure des DFB: "Wir haben einen weitreichenden Erfolg im Sinne des Amateurfußballs errungen." Und auch FLVW-Direktor Carsten Jaksch-Nink begrüßte die Entscheidung, die ein "richtiges Signal" sei.

Die "Hartplatzhelden", hinter denen der Gießener Soziologe, Fußballtrainer (RSV Büblingshausen) und Journalist Oliver Fritsch mit seinem Team steckt, sind indes gegenteiliger Meinung. Angesichts der Tatsache, dass der Amateurfußball seine Lebensenergie in erster Linie aus dem Ehrenamt beziehe meint Fritsch: "Hier überhaupt von Vermarktungsrechten zu sprechen, widerstrebt mir." Und: Fritsch geht in Berufung.

  Wer am Ende als Sieger aus dem Duell fernab des grünen Rasens hervorgehen wird, ist immer noch ungewiss. Noch aber - soviel steht fest - dürfen alle Castrop-Rauxeler Hobbyfilmer und Fotografen ihre Aufnahmen vom Spielfeldrand unbesorgt ins weltweite Netz schicken - ob zu den grünen Seiten des DFB oder in Richtung Hartplatz.

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