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Ironman trotzte Blitz und Regen

SCHERMBECK Einen lange gehegten Wunsch erfüllte sich der Schermbecker Dirk Zerressen vom Team Rapid Ramirez mit seinem Start bei einem Ironman-Triathlon. Im österreichischen Klagenfurt stellte er sich der bisher härtesten Herausforderung seiner sportlichen Laufbahn.

Ironman trotzte Blitz und Regen

Papa Dirk half und Tochter Greta läutete die Glocke.

Seit 2004 hatte Zerressen mehrere kleinere Triathlon-Wettbewerbe absolviert und sich spätestens 2006 bei den Weltmeisterschaften auf Hawaii mit dem Langdistanz-Virus infiziert. 3,8 km Schwimmen also, dazu 180 km Radfahren und als Abschluss 42,195 km laufen - das Ganze in einem Zeitlimit von 17 Stunden. Für einen wie Zerressen, der seit seinem zweiten Lebensjahr Asthmatiker ist, mit 30 Jahren einen Bandscheibenvorfall hatte und immer ein paar Kilo zuviel auf die Waage brachte keine Hürde, sondern der Mount Everest. Der Wettkampftag begann schon um 3.30 Uhr, um den Kreislauf früh genug in Schwung zu bringen. Nach über einem halben Jahr zielgerichteter Vorbereitung fiel um 7 Uhr morgens der Startschuss. Über 2500 Starter ließen den Wörthersee am Klagenfurter Strandbad kochen.

Erst Anfang 2007 hatte Schwimmtrainer Heinz Pawlik den Nichtschwimmer Zerressen, wie wahrscheinlich halb Schermbeck, das Schwimmen gelehrt. Pawlik, von Zerressen auch liebevoll „Sklaventreiber“ genannt, hatte ganze Arbeit geleistet. Trotz einer wilden Keilerei beim Start, bei der die Schwimmbrille vom Kopf gerissen wurde und einigen Ellbogen in den Rippen, hatte Zerressen nach 1:39h wieder festen Boden unter seinen Füßen. Auf der wunderschönen Radstrecke erlaubten die Anstrengung und das permanente „in sich Hineinhorchen“ viel zu wenig den Genuss der herrlichen Landschaft. Im losbrechenden Unwetter nutzte Zerressen bei Blitz und Regen die Chance, Plätze gut zu machen, während manch anderer „Eisenmann“ Schutz an Bushaltestellenhäuschen suchte. Auf der regennassen Strecke kam es zu zahlreichen Stürzen, doch Zerressen hatte Glück. Beim Wechsel auf die Laufstrecke zahlte sich dann seine Marathon-Erfahrung und die daraus resultierende mentale Stärke aus. Gegen die vom Regen aufgeweichten Fußsohlen half aber auch das nicht: Bei Kilometer 10 meldete sich die erste Blase, bei Kilometer 20 die zweite. So wurden die Gehpausen zwar immer länger, doch Zerressen hielt durch. Auf dem Klagenfurter Marktplatz erwartete die Läufer ein besonderes Highlight. Über der Laufstrecke hing in Basketballkorb-Höhe eine Glocke, für deren Läuten ein Sponsor jeweils einen Euro einer karitativen Einrichtung zukommen ließ. Zerressen schlug zwei Fliegen mit einer Klappe, verkniff sich den vielleicht zu einem Krampf führenden Sprung, nahm seine in direkter Nähe postierte gehbehinderte Tochter auf den Arm und ließ sie die Glocke läuten. Tosender Applaus und eine überglückliche Tochter waren der Lohn.

Aber auch das beste Publikum kann irgendwann nicht mehr die Anstrengungen, vor allen Dingen in der letzten Stunde, vergessen machen. Da waren die Aufmunterungen der anderen Athleten - insbesondere die Athleten aus dem Commonwealth erwiesen sich als Gentlemen - besonders willkommen. Als wenn das Unwetter während des Radfahrens nicht schon genug zusätzliche Prüfung gewesen wäre, öffneten sich, nur vier Kilometer vor dem Ziel, abermals die Schleusen des Himmels. Wiederum mit solch einer Wucht, dass durch Blitzeinschläge im Zielbereich die komplette Stromversorgung zusammenbrach. Einzig die Zeitnahme lief weiter, da sie mit Batterien betrieben wurde. Für Zerressen wurde es nun eine Art Schnitzeljagd, da sogar die Streckenposten vor dem Unwetter geflüchtet waren. Im knöcheltiefen Wasser vorsichtig watend fürchtete der Schermbecker, allein die letzte Zeitnahmematte vor dem Ziel zu verpassen.

Endlich aber war Licht am Ende des Tunnels, sprich der wieder hell erleuchtete Zielkanal, zu sehen. Und plötzlich stehen da die vollkommen durchnässten Kinder, Fritz und Greta, auf der abgesperrten Laufstrecke und wollen ihren Papa ins Ziel begleiten. 6:18h für den Marathon. Okay, unter diesen Umständen akzeptabel. Hand in Hand geht es auf die letzten 100m und Zerressen kann es gar nicht fassen, dass es nun geschafft, dass das Ziel erreicht ist. Insgesamt steht eine Zeit von 15:23:08h auf der Uhr. Unglaublich. Wie kann man bloß solange Sport am Stück machen? Die folgenden Tage sprechen für den guten vorherigen Trainingszustand und sind zwar von Erschöpfung, aber nicht von Schmerzen geprägt. Wohltuende Zufrieden- und Gelassenheit über den persönlichen Erfolg sind neben dem nun folgenden ersten gemeinsamen Sommerurlaub mit den Kindern der schönste Lohn. Und 2009 ist Zerressen in Klagenfurt wieder dabei.

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