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"Maximal zwei Ausländer pro Team" - Dirk Bauermann mischt sich ein

Interview

WERNE Knapp zwei Wochen nachdem der Rechtsausschuss des Deutschen Basketball-Bundes die Ausländerbeschränkung in der 1. Regionalliga auf Antrag des TV Werne gekippt hat, schlägt das Urteil noch immer hohe Wellen. Jetzt mischt sich sogar Bundestrainer Dirk Bauermann in die Diskussion ein. Unserem Mitarbeiter Thomas Rellmann erklärte er, dass er sich nicht am westfälischen Disput beteiligen will. Er sieht das große Ganze.

von Von Thomas Rellmann

, 03.08.2010
"Maximal zwei Ausländer pro Team" - Dirk Bauermann mischt sich ein

Bezieht Stellung: Dirk Bauermann.

Weil sie eine Bedeutung für den gesamten Basketball in Deutschland hat. Die Diskussion gibt es seit mehreren Jahren. Es gab sie in der BBL, in der Pro A und Pro B (zweigleisige 2. Liga). Und es handelt sich um eines der Kernthemen des deutschen Basketballs.

Ja, gerade da. Junge Spieler müssen doch adäquate Möglichkeiten sehen, selbst zu spielen. Sonst können sie sich nicht entwickeln. Nur wenn sie als Junioren die Perspektive erkennen, irgendwann in die erste Mannschaft zu gelangen, werden sie entsprechend Intensität und Umfänge trainieren, um auf einem hohen Niveau anzukommen.

Für mich zählt ja nicht nur der Profi-, sondern auch der Amateursport. In dieser Klasse ist er doch schon teils semiprofessionell. Ich finde es unentschuldbar, wenn man meint, sich in diesem Bereich nicht um die Jugendarbeit kümmern zu müssen und der Nachwuchs zehn Amerikaner auf dem Parkett sieht. Auch wenn das Ganze die Hoheit der Landesverbände betrifft, halte ich es für ein übergeordnetes Thema. Es geht um den Lebensnerv unserer Sportart.

: Natürlich. Man darf doch nicht nur die Spitze sehen. Die Regionalliga liegt mittendrin, ist aber eine zentrale Schnittstelle, eine ganz wichtige Ebene mit einem Erfolgs- und Leistungsanspruch. Gerade dort müssten viele, viele Talente entdeckt werden. Es gibt doch weitaus mehr Viert- als Erstligisten, dort wird doch ein viel größeres Maß an Spielern ausgebildet. Wenn ich beim UBC spiele und 14, 15 bin und zu einem Spiel der Regionalliga-Mannschaft gehe, da ist es doch mein Ziel, es irgendwann dorthin zu schaffen. Das war jedenfalls bei mir so als junger Spieler in Krefeld. Spielen zehn Amis, geht die Motivation flöten. Das ist doch ganz logisch.

Die Sache entzieht sich natürlich meinem Verantwortungsbereich. Die Einflussnahme ist nicht direkt. Aber ich werde in nächster Zeit viele Gespräche führen mit Verantwortlichen im Verband und in den Landesverbänden.

Ich wünsche mir, dass in allen Vereinen ab der Pro B nicht mehr als ein Ausländer spielt, egal ob Amerikaner oder Russe. Und man müsste eine Lösung finden für Spieler mit Migrationshintergrund. Wer den Pass nicht hat, aber in unserem Land groß geworden ist, darf nicht unter diese Regel fallen. Denn der Sport besitzt eine große soziale Verantwortung, der man ebenfalls gerecht werden muss. Das sieht man bei uns in der Nationalmannschaft mit Leuten wie Mithat Demirel, das sah man zuletzt auch bei der Fußball-Nationalmannschaft. Es funktioniert.

Es wäre jedenfalls ein sehr wichtiges Signal. Die Proftireure dürften aber nicht die sein, die sich in einer Form von Egoismus nicht dran halten. Es kann doch nicht sein, dass in der Pro A und Pro B alle in Jugendarbeit und Jugendtrainer investieren, während im Amateurbereich komplett andere Regeln gelten. Damit wird doch jede Forderung von mir als Bundestrainer ad absurdum geführt. Eine Selbstverpflichtung wäre ein guter Schritt – aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Wenn ein Klub aufsteigen will, hält er sich nicht dran. Im nächsten Jahr sind es dann vier, fünf und dann kann es schnell zum Dammbruch kommen.

Es geht nicht um den Verein, den ich gar nicht kenne. Es muss möglich sein, eine Regelung zu finden, die juristischen Prüfungen standhält. Die Verantwortlichen im Landesverband, im WBV, stehen in der Bringschuld. Es wird immer Vereine geben, die sportliche Ziele haben und nicht an ihre Verantwortung denken. Das ist verständlich.

Was für die BBL und die Pro A und Pro B möglich ist, muss auch hier gehen. Aber das ist die Einschätzung eines Nicht-Juristen.

Ja, das ist sehr erfreulich, wie er sich in den Brennpunkt stellt und eindeutig positioniert. Ich denke, er möchte etwas zurück geben als ehemaliger Bundesliga-Spieler.

Das muss er selbst wissen. Die Aussage zeigt aber, wie groß die Not ist, und dass eine Regelung von anderer Stelle her muss.

Mir ist das eigentlich noch zu wenig. Ich sage, wir sollten einen, maximal zwei Ausländer pro Team zulassen.

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