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Theo Geesmann - Endstation vor Lenggries

Olympische Dinge

Die Begeisterung schwingt mit in jedem Wort. Immer noch. Dabei hatte Theo Geesmann zuerst einmal gesagt: "Ach, das ist doch schon 36 Jahre her." In unserer Olympia-Serie heute der Kanute aus Castrop-Rauxel, der München 1972 hautnah miterlebte.

CASTROP-RAUXEL

von Von Carsten Loos

, 14.08.2008

Vor 36 Jahren, im Jahr 1972. Die Olympischen Spiele in München waren der sportliche Höhepunkt für den Kanuten aus Castrop-Rauxel. Sie sollten es zumindest sein. Alles lief scheinbar planmäßig darauf hin.

Doch kurz vor dem Beginn der Spiele in der bayrischen Landeshauptstadt kam alles anders. Geesmanns Olympia-Traum zerstob auf einer Landstraße.

Die deutschen Kanuten hatten noch einmal ein Trainingslager an seinem See nahe der Grenze zu Österreich bezogen, "um dem Olympia-Trubel in München zu entfliehen", erzählt Geesmann. Von dort wollten er und die Zweier-Besatzung Horst Mattern und Jürgen Riemenschneider eines Abends nach Lenggries fahren, als ihnen auf der Straße ein anderes Auto entgegen schleuderte. Es kam zum Unfall. "Ich saß vorne rechts", erinnert sich Geesmann, "und bin mit dem Kopf durch die Scheibe gekracht."

Im Training läuft es nicht mehr rund Zum Glück trug Geesmann nur einen großen blauen Bluterguss davon - äußerlich. Doch im Training lief es nicht mehr wie gewohnt. "Wenn ich gegen einen Gegner gepaddelt bin", erinnert er sich, "habe ich jedes Mal nach 500 oder 600 Meter die Löffel geschmissen." Bei Solofahrten gab es indes solche Schwierigkeiten nicht. "Eine Störung des vegetativen Nervensystem" habe schließlich der deutsche Olympia-Arzt Joseph Keul diagnostiziert, sagt Geesmann. Das endgültige Aus für seine olympischen (Heim-)Spiele.

Zwei Jahre Vorbereitung nach seinem Wechsel von der Paddlergilde Castrop-Rauxel zu Rheintreue Düsseldorf waren dahin. Geesmann hätte im Einer antreten sollen, nachdem im Jahr zuvor der Deutsche Kanu-Verband seinen Zweier mit Horst Mattern (Düsseldorf) getrennt hatte. "Meine Zeit vom Vorjahr hätte in München zum dritten Platz gereicht", erinnert sich der Castrop-Rauxeler. Zumindest "eine realistische Endlaufchance" habe er für sich gesehen.

Der später achtmalige Deutsche Meister Geesmann war erst 1964, im Alter von 21 Jahren, zum Kanusport gekommen. Und fand schnell in Friedhelm Wentzke, dem Kanu-Olympiasieger von 1960, ein sportliches Vorbild. Einmal sei er zusammen mit Wentzke im Zweier auf dem Rhein-Herne-Kanal gefahren, erinnert sich Geesmann. Wentzke vorn im Boot, er selbst hinten: "Das muss für ihn gewesen sein, wie Einer fahren mit Rucksack." Tipps vom Olympiasieger gab´s dennoch.

Vor 80.000 Leuten

Dass er wegen des Autounfalls die Olympia-Regatta verpasste, "war ganz schön frustierend", sagt Geesmann. Aber er sei ja immerhin akkreditiert gewesen und habe so die Olympischen Spiele komplett mitgemacht: etwa den Einmarsch zur Eröffnungsfeier vor 80.000 Leuten, als Zuschauer den Gold-Sprung von Ulrike Meyfarth ("Es war so leise im Stadion, dass man die Schreibmaschinen von der Pressetribüne klappern hörte"), aber auch die Trauerfeier nach dem Attentat auf die Mannschaft Israels.

Geesmann will "das alles nicht missen" im Nachhinein: "Die Olympischen Spiele war ein tolles Erlebnis. Dafür zu arbeiten, hat sich auch so gelohnt."Das ist Theo GeesmannTheo Geesmann, 68 Jahre alt, kam erst im Alter von 21 Jahren (1964) zum Kanusport, als ihn Freunde mit zur Paddlergilde Castrop-Rauxel nahmen. Seine erste Regatta fuhr er bereits ein Jahr später. 1968 wurde Geesmann, bei seinem Debüt bei Deutschen Meisterschaften, Vierter im Einer über 10 000 Meter. 1969 holte er seinen ersten von insgesamt acht DM-Titeln, im Einer über 10 000 Meter, und gab sein Debüt bei den Europameisterschaften. 1970 wechselte Geesmann zu Rheintreue Düsseldorf, schaffte in diesem Jahr als Vize-Weltmeister den internationalen Durchbruch und wurde in den vorläufigen Olympia-Kader für München aufgenommen. Geesmann war in allen Disziplinen zu Hause und konnte so 1971 sogar drei DM-Titel (Einer, Zweier und Staffel) innerhalb von 120 Minuten bejubeln. Nach der Olympia-Ausscheidung 1971 in Paris wurde sein Zweier mit Horst Mattern (Düsseldorf) getrennt und Geesmann im Einer für München nominiert. Ein Autounfall verhinderte allerdings Geesmanns Olympia-Auftritt. Nach dem schon vorab geplanten Karriere-Ende mit den Olympischen Spielen in München trat Geesmann noch einmal bei den Deutschen Meisterschaften in Hannover an - und verabschiedete sich mit seinen deutschen Meistertiteln sechs bis acht in den sportlichen Ruhestand. Der gelernte Metzger arbeitete zunächst lange im elterlichen Betrieb. Später war er bei Coop Dortmund tätig, unter anderem als Zentraleinkäufer für Fleisch. Geesmann lebt nach wie vor in Obercastrop.

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