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Wenn ein Riese von einem Zwerg lernt

RN-Torjägerkanone

Marvin Schuster spielt beim Fußball-Bezirksligisten BV Brambauer. Für den BVB hat er in der vergangenen Saison 31 Tore erzielt. Die sicherten ihm die Torjägerkanone. Ein Zwerg ist Schusters Vorbild.

Brambauer

, 13.07.2018
Wenn ein Riese von einem Zwerg lernt

RN-Sportredakteur Patrick Schröer (r.) hat Brambauers Stürmer Marvin Schuster die Torjägerkanone der Ruhr Nachrichten überreicht. Foto: Janisch

Lionel Messi ist ein Vorbild vieler Fußballspieler. Auch von Marvin Schuster. Wobei das eigentlich paradox klingt. Bis auf die Tatsache, dass Messi und Schuster Stürmer sind, haben die beiden fast nichts miteinander gemein. Alleine die Statur könnte unterschiedlicher kaum sein. Messi ist knapp 1,70 Meter groß – ein Zwerg, Schuster 1,97 Meter – ein Riese und ein „Lauch“, wie ihn seine Mitspieler gerne nennen. „Messi weiß schon zwei Schritte vorher, was er macht. Da versuche ich, mir immer wieder etwas abzugucken, obwohl wir komplett unterschiedliche Typen sind“, sagt der Stürmer des Fußball-Bezirksligisten BV Brambauer.

Tore am Fließband

Eine Gemeinsamkeit haben Messi und Schuster dann aber doch noch: Sie sind richtig gut darin, Tore zu schießen. Messi in der Primera Division in Spanien und in der Champions-League, Schuster in der Bezirksliga. Der Brambaueraner war in der abgelaufenen Saison sogar so treffsicher, dass er sich die Torjägerkanone der Ruhr Nachrichten gesichert hat. Mit 31 Toren setzte er sich vor Tim Heptner von Westfalia Wethmar und vor Murat Büyükdere vom Lüner SV durch.

Ein schönes Gefühl

„Das ist ein schönes Gefühl, die Kanone geholt zu haben. Ich werde sie mir als Andenken auf den Schrank stellen. Der Gewinn ist auch ein schöner Verdienst der Mannschaft“, sagt der Stürmer. Für Schuster ist der Gewinn der Kanone eine Premiere und ein Stück weit auch Genugtuung, weil Titel mit seinen Vereinen ausgeblieben sind. Vor einem Jahr verpasste er mit dem A-Ligisten PSV Bork, Schusters Station vor dem BV Brambauer, trotz Meisterschaft den Aufstieg in die Bezirksliga, weil sich die Borker in den Relegationsduellen nicht durchsetzen konnten. „Das ärgert mich bis heute“, sagt der 20-jährige Angreifer, der in zwei Jahren beim PSV insgesamt 60 Tore erzielte. In Brambauer wurde er mit seinem Team nun Vierter – eine gute Platzierung, aber noch weit weg von Meisterschaftsambitionen.

Abgezockter werden

Die könnte der BVB allerdings in der kommenden Saison haben. Die Brambaueraner haben sich nämlich namhaft verstärkt und sind in der Breite noch einmal besser geworden. „Man muss uns erst einmal schlagen. Wir haben gut zugelegt, müssen aber noch abgezockter werden und dürfen keine einfachen Gegentore mehr kassieren. Wenn das alles klappt, können wir um den Aufstieg mitspielen“, sagt Schuster. Dabei zeigt sich der Angreifer auch selbstkritisch.

„Ich kann mich im Kopfballspiel auf jeden Fall noch verbessern und muss vor dem Tor noch abgezockter werden“, sagt Schuster trotz seiner baumlangen Körpergröße. Schusters Tore wird der BV Brambauer auch in der kommenden Saison benötigen, um bei der Titelvergabe ein Wörtchen mitreden zu dürfen. Jascha Keller, Coach der Brambaueraner, hält große Stücke auf seinen Schützling: „Marvin ist sehr ehrgeizig und ambitioniert.

Was ihn auf dem Platz auszeichnet, sind insbesondere seine Intuitions- und Antizipationsfähigkeiten, offensive Spielsituationen zu erkennen und sie zu nutzen. Sicher eine Qualität, über die in der Liga kaum ein anderer verfügt“, singt Keller ein Loblied auf seinen Angreifer, das fast schon so klingt, als sei Schuster zu stark für die Bezirksliga.

Mit einem Wechsel will sich der Angreifer aktuell aber nicht beschäftigen. Für ihn zählt momentan einzig und allein sein Heimatverein, zu dem er ein enges Verhältnis pflegt. „Mein Ziel ist natürlich, so hoch wie möglich zu spielen, aber ich möchte die Karriereleiter von unten nach oben gehen“, sagt Schuster, der am liebsten mal mit seinen Brambaueranern aufsteigen würde.

Freunde als Motivator

Seine Truppe und das ganze Umfeld ist Schuster mittlerweile richtig ans Herz gewachsen. Mit vielen Mitspielern ist er befreundet. Seine Kumpels nennen Schuster wegen seiner Statur scherzhaft auch Lauch. „Ohne Freunde in der Mannschaft geht es gar nicht. Wenn man sich gut versteht, dann ist das Fußballspielen auch einfacher. Wir sitzen oft zusammen, plaudern und trinken mal eine Kiste“, sagt der Stürmer. Zu seinen engsten Vertrauten gehört Vorlagengeber Daniel Berger, der gemeinsam mit Schuster aus Bork zum BVB stieß. Berger, der mit langen Bällen die meisten Tore für Schuster auflegt, freut sich für seinen Kumpel. „Ich weiß, dass Marvin alles für die Kanone gegeben hat. Dass er sich durchsetzen konnte, zeigt, dass er zumindest ein bisschen pöhlen kann“, sagt Berger und lacht.

Großes Vertrauen

Schuster spürt das Vertrauen seiner Mitspieler, bedankt sich bei seiner Mannschaft. Große Wertschätzung empfindet er allerdings auch für das Trainer- und Betreuerteam. „Großen Dank Jascha Keller und Dennis Köse, die mir Woche für Woche das Vertrauen geschenkt haben. Vergessen darf man auch Willi und Orte nicht. Ohne die würde es in der Kabine nur halb so viel Spaß machen“, sagt Schuster und meint den Betreuerstab um Willi Schmidt und Uwe Heimsoth. Ein großer Faktor für den Erfolg seien zudem Schusters Eltern gewesen. „Die Unterstützung weiß ich zu schätzen. Vielen Dank“, so der Brambaueraner weiter.

Schusters ärgster Rivale beim Kampf um die Torjägerkanone war Tim Heptner, der für Westfalia Wethmar am Ende auf 30 Saisontore kam. Im letzten Saisonspiel bei Union Lüdinghausen hätte sich Heptner eigentlich die Kanone sichern können. Marvin Schuster war extra nach Lüdinghausen gereist, um sich anzusehen, wie Heptner Chance um Chance liegen ließ und sich am Ende mit Platz zwei begnügen musste. Der Wethmarer gratulierte Schuster zum Gewinn. „Gratulation an Marvin. Er hat verdient die Krone geholt. Er trifft kontinuierlich und hat allein gegen uns sieben Treffer erzielt“, so Heptner, der mit seinen 30 Saisontoren einen persönlichen Rekord aufgestellt hat.

Mannschaftlicher Erfolg

Gerne würde das Stürmerduo auch in der kommenden Saison um die Krone mitkämpfen. Im Fokus steht für Schuster und Heptner aber der mannschaftliche Erfolg. „Wenn wir als Mannschaft am Ende oben dabei sind, dann können gerne auch andere die Krone holen“, sagt Heptner, der aber mindestens 20 Tore schießen will. Die Spieler haben in der Vorbereitung Gelegenheit, ihren Torinstinkt wieder zu wecken.

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