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Werner Trzmiel: In die weite Welt - wie er den fünften Platz bei Olympia ersprintete

Olympische Dinge

Lange nachdenken braucht Werner Trzmiel nicht. Seine Antwort kommt schnell, genauso wie er zu seiner aktiven Zeit über die Hürden auf den Laufbahnen in aller Welt gejagt ist.

CASTROP-RAUXEL

von Von Carsten Loos

, 13.08.2008

Was ihm zuerst in den Sinn komme, wenn er an Olympia denke? „Der Sieg bei der gesamtdeutschen Olympia-Ausscheidung 1964“, kommt es wie aus der (Starter-)Pistole geschossen. Mit dem ersten Platz über 110 m Hürden hatte er sich in Jena im Alter von 22 Jahren die Fahrkarte zu den Olympischen Spielen nach Tokio gesichert. „Da kam ganz große Freude auf“, erinnert sich Trzmiel, „denn zu reisen, war für mich das eigentliche Erlebnis.“ Sportlich endete Trzmiels Olympia-Debüt mit einer Zeit von 14,3 Sekunden bereits im Vorlauf. Ganz zurecht, wie er heute einräumt. Doch ganz so schnell ging es für Trzmiel dennoch nicht wieder nach Hause: „Erst Weihnachten waren wir zurück.“ Drei Monate tourten die deutschen Olympia-Leichtathleten noch durch die Welt; nach Tokio standen noch Wettkämpfe in Bangkok und in New Delhi auf dem Programm.

Wieder zurück in Deutschland, war eines für Trzmiel klar: „Nach Tokio habe ich mit vorgenommen, in Mexiko ins Finale kommen zu wollen.“ Dafür habe er, neben seinem Studium in Darmstadt, „knallhart gearbeitet“ - mit sechs Trainingseinheiten pro Woche. Der Aufwand sollte sich lohnen. 1968 qualifizierte sich Trzmiel erneut für die Olympischen Spiele. Nach einem vierwöchigen Höhentrainingslager in Flagstaff (Arizona), unmittelbar vor den Wettkämpfen in Mexiko („Das hat den meisten viel gebracht“), kam er bestens vorbereitet in Mexiko an. Und schaffte es diesmal in den Endlauf. In 13,68 Sekunden lief Trzmiel als Fünfter über die Ziellinie. „Hätte ich doch nur die rechte oder linke Schulter etwas vorgeschoben“, ärgert sich Trzmiel immer noch, „wäre ich Vierter geworden.“ Der Wimpernschlag einer Hunderstelsekunde fehlte ihm letztlich auf den Amerikaner Leon Coleman. Der Bronze-Gewinner Eddy Ottoz aus Italien war indes zwei Zehntelsekunden enteilt.

Die Goldmedaille über 110 m Hürden ging derweil an den Amerikaner Willie Davenport in 13,33 Sekunden. Den viermaligen Olympia-Teilnehmer kannte Trzmielschon vorher gut von Rennen in Deutschland. „Er war als Soldat in Deutschland stationiert“, erinnert sich Trzmiel. Der Kontakt zwischen beiden Hürdenläufern habe bis 2002 gehalten, „dann habe ich auf eine E-Mail die Antwort erhalten, dass Davenport auf dem Flugplatz in Chicago gestorben ist.“ An einem Herzinfarkt, im Alter von nur 59 Jahren.

Übrigens, vom berühmten Protest der Amerikaner Tommie Smith und John Carlos, mit der erhobenen Faust als Zeichen der Black Power-Bewegung, bei der 200-m-Siegerehrung gegen die Rassendiskriminierung in den USA hat Trzmiel erst viel später aus der Zeitung erfahren, nach der Rückkehr in die Heimat. Nach dem Ende der Mexiko-Spielen sind die Leichtathleten um Trzmiel erstmal wieder auf Weltreise gegangen - nach Südamerika, zu Meetings in Chile, Peru und Brasilien.

Das ist Werner Trzmiel: Werner Trzmiel, 70 Jahre alt, kam mit 12 Jahren zum TB Rauxel, wechselte später zum VfL Bochum und zum ASC Darmstadt. Bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio schied er über 110 m Hürden (14,3 Sekunden) im Vorlauf aus. Vier Jahre später, in Mexiko, wurde er Fünfter im Endlauf über 110 m Hürden (13,68 Sekunden). 1965 hatte Trzmiel den ersten nationalen (Hallen-)Titel gewonnen. Später folgten unter anderem der vierte Platz beim Erdteilkampf in Montreal (1967), der zweite Platz bei den Europäischen Hallenspielen (1969), der Hallen-Europarekord über 60 m Hürden (1969) sowie der 1970 der Sieg über 110 m Hürden beim Letzigrund-Sportfest in Zürich. Trzmiel machte eine Ausbildung bei den Rütgerswerken zum Maschinenbauschlosser, bildete sich dann per Intensivstudium zum Maschinenbau-Techniker weiter. Dann holte er sein Abitur nach und studierte ab 1965 in Darmstadt Politische Wissenschaften, Geographie und Sport. Er war an Gymnasien in Darmstadt und Offenbach als Oberstudienrat tätig. Trzmiel lebt heute in Dieburg nahe Darmstadt.

 

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