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Yorck Polus tauschte das Ruder gegen das Mikrofon

Olympische Dinge

Da saß er nun, kauerte auf dem Steg und blickte hinaus auf die krause Wasseroberfläche der Regattabahn. Es war 2004 in Schinias, der Ruder- und Kanustrecke vor den Toren von Athen, und Yorck Polus, ehemaliger Ruderer vom RV Rauxel, ließ die Eindrücke seines neuen Arbeitsplatzes auf sich einwirken. Schließlich hatte sich der Traum von Olympia für ihn doch noch erfüllt.

CASTROP-RAUXEL

von Von Carsten Loos

, 27.08.2008

Gerade war er gemeinsam mit Roland Baar, dem Silber- und Bronzegewinner im Deutschland-Achter 1992 und 1996, an der Wettkampfstrecke angekommen, seinem hektischen Arbeitsplatz für die nächsten zwei Wochen.

Doch Polus hielt erst einmal inne. "Es war ein ergreifendes Erlebnis", erinnert sich der Becklemer. Unweit jener Stelle in der Ebene von Marathon, an der ein Soldat im Altertum den Mythos vom Langstreckenlauf begründet haben soll, erfüllte sich für den Europastädter schließlich gerade der Traum von Olympia. Über einen gewaltigen Umweg, denn statt mit einem Boot selbst über die olympische Regattabahn zu rudern, sollte er fortan über die Wettbewerbe der Olympia-Ruderer berichten - vor der Kamera des ZDF.Traum auf Umwegen erfüllt

"Klar, als sehr guter Nachwuchsruderer", erklärt Polus, "träumt man natürlich davon, irgendwann in einem Boot bei Olympischen Spielen zu sitzen." Am liebsten im Deutschland-Achter, zumal darin Polus´ Rauxeler Vereinskamerad Eckhard Schultz 1988 in Seoul Gold gewonnen hatte. Polus war damals kurz zuvor Deutscher Jugend-Meister geworden. Schultz habe ihn dann bei einem Empfang auf der Wartburginsel "als seinen Nachfolger begrüßt", erinnert sich Polus. Beide kannten sich schon lange, Polus hatte Schultz´ Boot als Zwölfjähriger schon 1982 bei den nationalen Titelkämpfen als Steuermann gelenkt.

Irgendwann aber musste Polus "die eigenen körperlichen Defizite akzeptieren". Trotz bis zu zehn Trainingseinheiten kam er nicht mehr voran. Zumal nach der deutschen Wiedervereinigung die Zahl der Konkurrenten um die Plätze im Nationalteam sprunghaft anwuchs. Inzwischen hat Polus seinen Platz am Ufer der Regattabahn gefunden. "Ein tolles Gefühl, darüber berichten zu dürfen", gesteht er ein, denn "ich bin ja Sport begeistert". Er wolle den Sport "mit großem Respekt vor den Athleten" an die Zuschauer vor der Mattscheibe übermitteln. Wo stehen dabei die Olympiaschen Spiele? "Die haben nach wie vor eine Riesen-Anziehungskraft", sagt Polus. Allen Gefahren, politischen Einflüssen oder Doping-Diskussionen zum Trotz. Sprach´s, verabschiedete sich zum Flughafen und hob ab nach Peking - zum Berichten von der Regattastrecke im Olympia-Park von Shunyi.Das ist Yorck Polus

Yorck Polus, 41 Jahre alt, rudert seit Kindertagen beim RV Rauxel. Er war Deutscher Jugend-Meister (1988) und in allen Nachwuchs-Kadern des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV). Während seines Studiums in Heidelberg verlegte er sich mehr auf das studentische Rudern. Mit großem Erfolg: 1993 wurde er mit dem Hochschul-Achter Vierter bei der Universiade und ein Jahr später Dritter bei den Studenten-Weltmeisterschaften. Er ist immer noch aktiv als Ruderer, war mit dem RVR-Achter regelmäßiger Gast bei der „Head Of The River“-Regatta auf der Themse in London sowie bei den Deutschen Sprint-Meisterschaften 2006 sogar Zweiter im Doppel-Vierer ohne Steuermann. Yorck Polus studierte in Heidelberg Sport und Sportmedizin; in Münster promovierte er anschließend. Seit 1999 ist Polus im Journalismus zu Hause. Er hatte sich, während seiner Doktorarbeit, mit einem Brief an Wolf-Dieter Poschmann beim ZDF beworben und wurde gleich als Freier Mitarbeiter der Mainzer Fernsehanstalt verpflichtet (s eit 2003 ist er dort fester Mitarbeiter)2002 in Salt Lake City (USA) und 2006 in Turin (Italien) stand Polus bei den Olympischen Winterspielen als Experte für den Nordischen Skisport vor der Kamera. 2004 in Athen (Griechenland) und jetzt, 2008 in Peking (China), waren Rudern, Kanu und Handball die olympischen Disziplinen des Europastädters.

Yorck Polus lebt in Becklem und in Mainz.

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