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120 Drittklässler sollen im kommenden Jahr in den katholischen Gemeinden südlich der Lippe zur Erstkommunion gehen. Nun gibt es ein neues Konzept, über das viele Eltern sehr verärgert sind.

Lünen

, 12.09.2018 / Lesedauer: 4 min

Zankapfel ist, dass im Pastoralen Raum Lünen, zu dem die katholischen Gemeinden südlich der Lippe gehören, 2019 die Erstkommunion in zwei Schritten gefeiert werden soll. Zunächst in einer großen Gruppe mit einer Tauferinnerung. Hierfür gibt es drei Termine in Brambauer, Lünen-Mitte und Horstmar. Und dann in Sonntags-Gottesdiensten in Gruppen von höchstens zehn Kindern. Dafür gibt es elf Termine, die Eltern können sich aber auch Vorabend-Gottesdienste aussuchen.

Grund für diese Zweiteilung sind Erfahrungen aus den vergangenen Jahren. Aufgrund der großen Zahl von Kindern bei den Erstkommunions-Feiern war es laut Thomas Roddey, leitender Pfarrer des Pastoralen Raumes, sehr unruhig in den Kirchen. Immer wieder hatten Angehörige, die eher selten in die Kirche gehen, die Feiern gestört - durch Handys oder weil sie den Ablauf einer Messe nicht kannten.

Verärgert über Zweiteilung

Die geplante Zweiteilung der Erstkommunion lehnen viele Eltern ab. Sie fürchten um die Feierlichkeit der Erstkommunion, wenn ihre Kinder in normalen Gottesdiensten erstmals die Hostie erhalten. Und sie kritisieren, dass die Kinder dann zwei Mal Stress hätten und man nicht zwei Mal die ganze Familie einladen könne.

Beim zweiten Info-Treffen am Dienstagabend in Brambauer waren mehr als die Hälfte von ihnen derart verärgert, dass sie ihr Kind in einer anderen Gemeinde zur Erstkommunion anmelden wollen - beispielsweise in St. Marien (gehört zum Bistum Münster), in Bergkamen oder Waltrop. So auch Julia Rossbach und Eva Pochwyt, die ihre Töchter in einer anderen Gemeinde zur Erstkommunion anmelden werden.

„Kinder verstehen das nicht“

Drei Termine für die Eltern-Information zur Erstkommunion waren anberaumt. Pfarrer Thomas Roddey und die Gemeindereferentinnen Rita Siwek und Roswitha Mohrmann erläuterten das neue Konzept. Schon beim ersten Termin in der vergangenen Woche hatte sich herausgestellt, dass einige Eltern mit dem neuen Konzept nicht einverstanden sind.

„Wir haben den Fehler gemacht, den Eltern zwar die Termine für die geplante Tauferinnerung zu nennen, aber keine Termine für den zweiten Teil, die eigentliche Erstkommunion, die dann in normalen Gottesdiensten stattfinden soll“, erklärte Roddey am Dienstag. Dabei geht es nicht um die Termine, sondern um das Konzept einer Kommunions-Feier in zwei Teilen, über das sich die Eltern aufregen. „Die Kinder finden es toll, wenn die Kirche voll ist und verstehen nicht, warum bei der Tauferinnerung nicht auch die Erstkommunion stattfindet“, sagte eine Mutter.

Idee vom Erzbistum Paderborn

Die Idee zu einer Zweiteilung stammt vom Erzbistum Paderborn. Man wolle so Familien und Kinder „angemessen“ mit Fragen des christlichen Glaubens und mit der Feier der Eucharistie vertraut machen. Inzwischen gibt es auch Info-Flyer für Angehörige, die sonst nicht in die Kirche gehen. Diese wurden auch am Dienstag verteilt. „Das ist die Hausaufgabe für uns, dass man eher kirchenferne Angehörige informiert, wie man sich verhält“, erklärte eine Mutter beim Info-Abend. Die Zweiteilung lehnte sie aber auch ab.

Das Konzept ist nicht neu, wird schon seit einigen Jahren in Paderborn und Unna so durchgeführt. „Die Gemeinden, die es so machen, finden es gut“, so Roddey. Nach dem ersten Elternabend, den einige Väter und Mütter auch erbost verlassen haben, habe er auch mit der Schlichtungsstelle des Erzbistums gesprochen. Auch dort riet man ihm, den Eltern bei den beiden anderen Info-Abenden mehrere Termine für die eigentliche Erstkommunion zu nennen.

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Immerhin zwölf Eltern entschieden sich am Dienstag für einen Termin zur Erstkommunion im Pastoralen Raum. Einige sagten auch, so Roddey, dass sie gegen die kritischen Mütter nicht angekommen wären. Die Stimmung im Saal von St. Barbara war aufgeheizt. Das irritierte nicht nur einige Eltern, sondern auch die drei angehenden Kommunionkinder, die beim Info-Abend dabei waren. Die achtjährige Hannah meinte: „Ich möchte so eine Kommunion haben wie Mama.“

Das sagen die Befürworter

Neben den Eltern, die das neue Konzept ablehnen, habe es bei beiden Abenden aber auch solche gegeben, die die Idee gut fanden, so Gemeindereferentin Roswitha Mohrmann und Pfarrer Roddey. So schickt ein Vater sein drittes Kind 2019 zur Erstkommunion und lobt die Idee, durch die Termintrennung das Augenmerk stärker auf die Bedeutung des Sakraments zu legen als nur auf eine große Feier. Eine Mutter von zwei Kindern habe ihr erstes Kind bei der Kommunion sehr aufgeregt erlebt und hoffe, dass ihr zweites Kind nun viel gelöster zur Kommunion gehen werde.

Da es so viele Missverständnisse und Unklarheiten gibt, wird es einen weiteren zusätzlichen Elternabend geben, an den es um die Fragen geht, kündigte Roddey beim Pressegespräch an.

Die feierliche Tauferinnerung mit größeren Gruppen findet an folgenden Terminen statt: 28. April um 14 Uhr in St. Barbara (Brambauer), am 4. Mai um 14 Uhr in Herz-Jesu (Lünen-Mitte) und am 5. Mai um 14 Uhr in Herz-Mariä (Horstmar). Außerdem werden im Mai an vier Sonntagen insgesamt elf Gottesdienst-Termine in den Kirchen St. Barbara, Herz-Jesu Lünen-Mitte und Herz-Mariä angeboten, in denen die Kinder dann die Erstkommunion empfangen. Wenn Familien lieber in andere Kirchen des Pastoralen Raums zur Erstkommunion gehen wollen, ist das auch möglich. Bei der Vorbereitung gibt es drei Möglichkeiten zur Auswahl. Jedes Kind bekommt einen Kommunionpass. Bei jedem Besuch einen Sonntagsgottesdienstes können sie sich einen Aufkleber holen und in den Pass kleben. Beim Kinderweg (im Februar/März) werden allein die Kinder an drei Nachmittagen auf kindgerechte Weise mit den Grundlagen des christlichen Glaubens und des sonntäglichen Gottesdienstes vertraut gemacht. Beim „Familienweg“ (Beginn im Herbst) bereiten Kinder und Eltern sich gemeinsam in sechs kindgerechten Gottesdiensten vor, bei denen religiöse Erfahrungen gesammelt werden sollen. Beim „Sonntagsweg“ (zu verschiedenen Zeiten im Kirchenjahr) übernehmen die Eltern die Verantwortung für die Glaubensvermittlung, indem sie die Kinder regelmäßig zu Sonntagsgottesdiensten begleiten und ihnen für Fragen des Glaubens zur Verfügung stehen. Das ist etwas für die etwa 10 Prozent der Gläubigen, die sich ohnehin sehr in der Gemeinde engagieren.
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