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Für die Entsorgung der illegalen Müllkippe in den Lippeauen muss die Stadt Lünen sorgen. Bezahlen werden sie alle Bürger der Stadt. Der Kreis Unna richtet sich deshalb mit einem Appell an die Lüner.

Lünen

, 08.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Wenn es um die Beseitigung illegaler Müllkippen geht, sind die Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) zuständig. So auch im Fall des jüngsten Müllbergs in den Lippeauen, auf dem sich neben diversen Schränken auch eine Waschmaschine und ein Kühlschrank befinden.

Die Kosten für die Entsorgung wird die Stadt allerdings mit den allgemeinen Müllgebühren verrechnen, die jeder Haushalt pro Jahr zu zahlen hat. Je mehr illegale Müllkippen beseitigt werden, so höher wird also auch die Summe, die künftig durch Gebühren gedeckt sein muss. Anders forumliert: Weil manchen Menschen sowohl die Umwelt als auch die Mitbürger egal sind, zahlen die Lüner künftig womöglich zusätzlich drauf.

Bußgeld nicht gezahlt

Denn nicht immer sind die Täter so nachlässig wie ein 21-jähriger Dortmunder, der im September 2017 neben 1,4 Tonnen Hausmüll auch noch diverse persönliche Aufzeichnungen zurückließ, über die ihn die Behörden schließlich ausfindig machen konnten. Die Bußgelder für derartige Verstöße liegen zwischen 40 und 1300 Euro - die Stadt Lünen hatte dem Übeltäter damals die Höchststrafe in Aussicht gestellt. Doch dazu kam es nicht.

„Entscheidend sind am Ende die Müllmenge und die Müllart“, erläutert Ludwig Holzbeck, Leiter der zuständigen Organisationseinheit Natur und Umwelt beim Kreis Unna. Da es sich in diesem Fall „nur“ um Hausmüll handele, sei das Bußgeld am Ende auf 800 Euro festgesetzt worden - zuzüglich der Entsorgungskosten durch die WBL, die damals auf rund 500 Euro beziffert wurden. Nur: „Das Geld haben wir noch nicht“, sagt Holzbeck.

Denn der überführte Täter zahlt nicht, weshalb nun ein Mahnverfahren läuft. Dafür sind nun wieder die Dortnunder Kollegen zuständig, weil der Täter in dieser Stadt wohnt. „Generell ist es ja so, dass wir es in solchen Fällen oft mit einer Klientel zu tun haben, die zahlungsunfähig ist“, so Holzbeck. Zwar gebe es die Möglichkeit, die Geldstrafe durch Erzwingungshaft quasi zu „ersetzen“. Doch auch hier weiß der Abteilungsleiter Natur und Umwelt: „Das dauert alles ziemlich lange und kostet erneut richtig viel Geld.“

Angemessene Strafe?

Dennoch findet Holzbeck, dass die Bußgelder bis zu 1300 Euro angemessen sind. „Die Strafe muss wehtun, und das tut sie“, ist er überzeugt. Bedingung sei natürlich, dass man die Täter auch dingfest macht. Deshalb richtet sich der Kreis-Mitarbeiter an die Lüner - und an alle anderen Menschen: „Wenn jemand sieht, wie einer Müll in die Landschaft kippt, sofort mit dem Handy das Autokennzeichen und die Person fotografieren.“ Fotografiert man die Person nicht, könne sich der Halter des Fahrzeugs erfahrungsgemäß nicht daran erinnern, an wen er das Auto zum fraglichen Zeitpunkt verliehen hatte.

Den Täter aus den Lippeauen werden die Behörden wohl nicht mehr ermitteln können - hier zahlen die Lüner Bürger die Zeche.

RN-Redaktionsleiter Daniel Claeßen kommentiert: „Müllberge in den Lippeauen sind sicher nicht der Auslöser für den Klimawandel. Aber sie sind ein Beweis dafür, wie er zustande kommt: Menschen scheren sich wortwörtlich einen Dreck um die Umwelt. Die Ursachen für so eine Denkweise können unterschiedlich sein: Dummheit, Ignoranz oder Egoismus. Und am Ende werden auch die mit ins Verderben gezogen, die es womöglich ernst meinen mit der Rettung unserer Erde. Oder vielleicht muss man schon sagen: Die es ernst gemeint haben. In Zeiten, in denen Experten und jene, die sich dafür halten, immer wieder über die Neubewertung von Taten und angemessene Strafen debattieren, sollte es auch eine Reform der Sanktionierung von Umweltvergehen geben. Erst recht, wenn gefasste Täter die Geldstrafen nicht bezahlen. Selten hat mir der eigentlich abgedroschene Spruch ,Es sind schon Leute für weniger in den Bau gewandert‘ so gut gefallen wie heute.“
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