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Das Ehepaar Kalthoff ist enttäuscht. Vom evangelischen Kirchenkreis, der offenbar das Seeferienheim auf Juist nicht mehr weiterführen will. Die Kalthoffs haben sich Konsequenzen überlegt.

Lünen

, 24.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Für Gisela und Jobst Kalthoff aus Lünen-Brambauer ist das Seeferienheim der evangelischen Kirche auf Juist mehr als nur ein Ort, an dem man Ferien verbringen kann. Fast vier Jahrzehnte hat der 81-Jährige mit insgesamt 19 Mitstreitern im und an den Gebäuden Renovierungsarbeiten erledigt. Ehrenamtlich. Meist im November, weil da kaum Touristen oder Schülergruppen auf der Insel sind.

Heim auf Juist: Lüner sind enttäuscht vom Kirchenkreis

Das Seeferienheim auf der Insel Juist. Die Zukunft ist ungewiss. © Kalthoff

Zusammen mit seiner Frau hat Kalthoff viele Freizeiten der evangelischen Kirche auf Juist geleitet. Alles begann 1967, als sie wegen ihres Sohnes, der an Asthma leidet, an einer Freizeit teilnahmen, die der damalige Pfarrer Kauermann leitete. „Als wir dann mit Pfarrer Kock nach Juist fuhren, meinte er, ich könnte doch demnächst die Freizeiten leiten“, erinnert sich Kalthoff. Nach einem weiteren Jahr kam dann der Vorschlag, der Bauingenieur solle doch mit anderen Ehrenamtlichen im Herbst nach Juist fahren, um dort zu renovieren.

Auch mal vier Wochen am Stück

Schon, als er noch berufstätig war, ist er mit Werkzeug und viel Elan auf die Insel gefahren. Später, seit er in Rente ist, waren es auch schon mal vier Wochen am Stück, die er mit seinen Mitstreitern dort verbracht hat. „Morgens ging es los, bis mittags wurde gearbeitet.“ Das sei schon ganz schön anstrengend gewesen. 400 bis 500 Arbeitsstunden kamen bei den Aufenthalten zusammen. Zwischen sechs und sieben Männer aus Brambauer waren jeweils im Einsatz. 2017 zum letzten Mal, in diesem Jahr wird es keinen Arbeitseinsatz geben.

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„Juist bedeutet für uns unser halbes Leben“, sagt Gisela Kalthoff. Auch ihre Tochter und der Sohn fahren immer noch mit ihren Familien auf die Insel, verbringen Urlaube im Seeferienheim. „Unser Sohn kommt sogar aus der Schweiz, wo er lebt und arbeitet, an die Nordsee.“ Mit dem Rad rund um die Insel fahren, eine Wattwanderung mit Wattführer Heino oder ein Spaziergang „um die Spitze herum“ – das verbindet Gisela Kalthoff mit Juist. Für ihren Mann beginnt das Entschleunigen schon auf der rund eineinhalb Stunden langen Fährfahrt von Norddeich Mole auf die Insel.

Mitarbeiter haben Kündigung erhalten

Dass der evangelische Kirchenkreis Dortmund jetzt daran denkt, das Seeferienheim nicht wie bisher weiterzuführen, macht das Brambauer Ehepaar wütend. „Die Mitarbeiter auf Juist haben schon ihre Kündigung für Ende 2019 erhalten, einige suchen sich schon vorher eine andere Stelle. Wie soll das dann da weitergehen?“ fragt Gisela Kalthoff. Dass die bisherigen Mitarbeiter sich schon nach neuen Stellen umschauen, dafür haben Gisela und Jobst Kalthoff vollstes Verständnis. Auch, dass man die Gebäude renovieren muss, sei klar. „Die müssen was tun, die Häuser sind nicht mehr auf dem neuesten Stand“, sagt Kalthoff.

Das Ehepaar war zuletzt im Mai auf Juist, plant eine weitere Reise ins Seeferienheim – solange das noch möglich ist. Natürlich haben die Beiden auch schon die Online-Petition unterzeichnet, die ein Unterstützerkreis für den Erhalt des Seeferienheims initiiert hat.

Kirche hat sozialen Auftrag

Der frühere Kirchenmeister der evangelische Gemeinde Brambauer hatte sich auch dort 25 Jahre lang um die Gebäude gekümmert. Für ihn geht es darum, „dass die Kirche einen sozialen Auftrag hat, beispielsweise Kindern aus sozial schwachen Familien ermöglichen sollte, auch in den Urlaub zu fahren.“ Derzeit kochen die Mitarbeiter vor Ort für die Kinder – Feriengruppen wie auch in der Schulzeit Klassen – mit Blick auf das, was Kinder gerne essen.

Interessenten für die Häuser, die das Seeferienheim bilden, gäbe es schon, hat das Ehepaar gehört. Das Müttergenesungswerk und auch der Deutschen Jugendherbergenverband sollen Interesse an den Gebäuden bekundet haben.

Den Vorschlag aus der Kirchenkreisleitung, man könne künftig doch Freizeiten anbieten, bei denen die Gruppen sich selbst verpflegen, halten Gisela und Jobst Kalthoff für nicht realisierbar. „Auf der Insel einzukaufen, ist viel zu teuer. Da müsste man also alles vorher einkaufen und per Schiff mitbringen“, so Gisela Kalthoff.

Austritt als Konsequenz

Für das Ehepaar ist eins klar – „wenn das Seeferienheim geschlossen wird, treten wir Beide aus der Kirche aus. Dann sind alle sozialen Objekte dieser Art verschwunden.“ Für Jobst Kalthoff ist „die Kirche nichts anderes als ein Unternehmen mit christlichem Namen.“ Und das bedauert er sehr.

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