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Erlaubt sind 50, Marina Karlheim hat 40. 40 Mündel. Was wie ein Begriff aus fernen Zeiten klingt, ist in der modernen Verwaltung nicht wegzudenken.

Lünen

, 20.07.2018 / Lesedauer: 3 min

Mündel: Was wie ein altertümlicher Begriff klingt, gehört zu moderner Verwaltung dazu. In insgesamt vier Büros kümmern sich hier in der zweiten Etage Karlheim und ihre Kollegen um das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen.

Eingreifen, wo die elterliche Sorge versagt

Es geht um Vormundschaften und Pflegschaften, sie müssen da eingreifen, wo elterliche Sorge ganz oder teilweise versagt. 40, das ist hier in Lünen die Grenze, und damit sei man „ganz gut ausgelastet“, sagt Karlheim. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf der Unterstützung minderjähriger, unbegleiteter Flüchtlinge.

Die Kinder und Jugendlichen leben in Heimen, in Pflegefamilien, oder auch noch zu Hause. So oder so: Die Verantwortung für sie tragen Menschen wie Marina Karlheim. Es sind Mädchen, Jugendliche und Jungen, die meisten in Deutschland geboren, manche sind aus ihrer Heimat geflüchtet, in Lünen schließlich gestrandet. Es geht um Eltern, die im Ausland leben, um Eltern, die sich nicht um ihre Kinder kümmern können, weil sie schwer krank sind und um Eltern, die ihre Kinder schlicht vernachlässigen.

Die Hälfte der Zeit unterwegs

Planbar ist der Alltag nicht. Seit Anfang 2017 sitzt sie hier in ihrem Büro mit Blick auf das Herz der Stadt - den Marktplatz. An der Wand ein überdimensionales Poster – die Illusion eines Waldspaziergangs. Die Hälfte ihrer Arbeitszeit, schätzt die 36-Jährige, sitzt sie hier, in ihrem Büro - die andere Hälfte ist sie unterwegs: „Wenigstens einmal im Monat sollte man Kontakt mit dem Mündel haben“, sagt Marina Karlheim.

Das Verhältnis zu den Mündeln ist so unterschiedlich wie ihre Schicksale: „Manche sehen das rein als rechtliche Vertretung, andere kommen nach der Schule kurz auf einen Plausch vorbei.“ Das berührt.

Wichtig sei es, die Eltern, wenn es eben geht, einzubeziehen, betont Karlheim. Nicht immer sei das möglich - bei minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen zum Beispiel.

Manchmal muss ganz schnell etwas geregelt werden

Generell planbar ist der Alltag hier nicht. „Manchmal tritt etwas Außergewöhnliches auf, was dann schnell geregelt werden muss“, so die 36-Jährige. So wie der Fall eines jungen Mädchens, das plötzlich einfach weg war. „Und ich wusste, sie ist an Orten, die ihr nicht guttun“, erinnert sich Karlheim. „Da ging es auch um Leib und Leben.“ Und: „Sowas nimmt man dann schon auch mit nach Hause.“ Manchmal helfe es, dass man genau weiß, dass man alles getan hat, „dann werde ich ruhiger“. Die Geschichte mit dem jungen Mädchen ist gut ausgegangen: „Letztlich ist sie bei ihrer Mama aufgetaucht“, sagt Karlheim.

Das sind die harten Stunden. Aber es gibt auch schöne: „In letzter Zeit haben Jugendliche zwei Ausbildungsverträge unterschrieben. Darunter ein junger Mann, dessen Flüchtlingsstatus noch nicht sicher ist. Ein junger Mann, der mit wenig Bildung kam und damit sehr viel erreicht hat“, sagt Karlheim. Es sind Momente wie diese, die wieder klar machen, worum es hier in den vier Büros in der zweiten Etage eigentlich geht.

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