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Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt Lünens Sparkassenchef Thomas Lohmann nicht nur, wie eine Bilanz richtig zu lesen ist. Er sagt auch, dass seine Vergütung den Markt für das Berufsfeld widerspiegele und ihm keine Überlegungen bekannt sind, wonach die Sparkasse an der Lippe in einem nächsten Schritt mit der Sparkasse Dortmund fusioniert.

von Daniel Claeßen und Torsten Storks

Lünen/Selm/Werne

, 24.08.2018 / Lesedauer: 6 min

Die Sparkasse an der Lippe ist seit dem 1. Januar 2016 am Markt. Das Geldinstitut entstand aus dem Zusammenschluss der Sparkasse Lünen und der Stadtsparkasse Werne. Im ersten Jahr der Fusion feierte der Vorstand noch die Verdreifachung des Gewinns. Der ist zwar deutlich zurückgegangen, was aber nach Sparkassenchef Thomas Lohmann nur wenig aussagt, wie er im Gespräch mit Daniel Claeßen und Torsten Storks betont.

Herr Lohmann, sind Sie mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 zufrieden?

Ja, wir sind als Vorstand mit 2017 insgesamt sehr zufrieden. Sie wissen ja, dass wir uns in einem schwierigen Umfeld befinden. Dazu gehört die seit mehreren Jahren anhaltende Niedrigzinsphase und die zunehmende Regulatorik, die wir bewältigen müssen. Aber: Das, was wir uns von der Fusion versprochen haben, haben wir auch im Geschäft umgesetzt.

Ist das so?

Wir wachsen im Kundengeschäft überdurchschnittlich, in diesem Umfeld natürlich getrieben von der Einlagenseite. Das Kreditgeschäft ist mit zwei Prozent im Vergleich zu anderen Sparkassen normal gewachsen. Aber diese Zahlen geben nur die Hälfte der Situation wieder.

Das heißt?

Wenn man sieht, was wir in der Bilanz an Kreditgeschäft ausweisen, muss man berücksichtigen, dass wir knapp 350 Millionen Euro neues Kreditgeschäft in 2017 geschrieben haben. Diese Summe spiegelt sich nicht voll in den Beständen wider.

Warum?

Weil natürlich bei den niedrigen Zinsen für Sparguthaben sehr viele Kunden jede Form der Sondertilgung für ihre Darlehen nutzen. Wir haben rund 200 Millionen Euro Tilgung und Sondertilgung im vergangenen Jahr bekommen. Das muss man erstmal überkompensieren, um ein Wachstum ausweisen zu können. Aber insgesamt sind wir mit der Geschäftsentwicklung, was das Kundengeschäft angeht, zufrieden.

Gleichwohl ist der Gewinn 2017 im Vergleich zu 2016 um mehr als die Hälfte eingebrochen – von 3,1 Millionen Euro auf 1,5 Millionen. Das ist nach Ihren Berechnungen ein Rückgang von 1,6 Millionen Euro beziehungsweise 51,6 Prozent. Was sagen Sie dazu?

Das haben Sie mir ja schon im Vorfeld zu dem heutigen Gespräch am Telefon gesagt, da habe ich fast einen Herzkasper bekommen.

Wieso das denn?

Weil ich gedacht habe, ich hätte etwas versäumt. Ich kann diese Aussage nicht nachvollziehen. Wie kommen Sie darauf?

Das steht so in Ihrer Bilanz.

Das ist nicht richtig. In unserem Lagebericht, der Teil des Jahresabschlusses ist und Ihnen ja als Grundlage für Ihre Fragen dient, steht auf Seite 11, dass sich das Ergebnis vor Ertragsteuern gegenüber dem Vorjahr nochmals von 0,60 Prozent auf 0,68 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme erhöhte und damit die Zielwerte deutlich übertroffen wurden.

Das ist richtig. Und auf Seite 4 des Bilanzformblattes steht auch schwarz auf weiß, dass das von Ihnen genannte Ergebnis vor Steuern von 7,3 Millionen Euro (2016) auf 6,2 Millionen Euro (2017) zurückgegangen ist und der Bilanzgewinn, also der Gewinn nach Steuern, von 3,1 Millionen Euro auf 1,5 Millionen Euro.
Sie sprechen von dem bilanziellen Bilanzgewinn. Der hat aber nichts mit dem erwirtschafteten Jahresergebnis der Sparkasse zu tun.

Wir fragen, wie es auf Bilanzpressekonferenzen völlig normal ist, nach dem Jahresüberschuss, also der im günstigen Fall positiven Differenz aus den von Ihnen angesprochenen Erträgen und Aufwendungen.

Dass der gesamte Überschuss nicht aufgeführt ist, liegt an der Systematik des Bilanzformblattes. Die Kernaussage, dass der Gewinn eingebrochen ist, ist einfach nicht richtig. Das können Sie auch daran erkennen, dass die Ertragssteuern gegenüber dem Vorjahr höher ausgefallen sind. Also muss der Ertrag auch höher ausgefallen sein.

Herr Lohmann, halten wir doch einfach fest: Die Sparkasse an der Lippe hat auch im zweiten Jahr der Fusion Geld verdient. Haben dazu auch die im Vorfeld angekündigten Synergieeffekte beigetragen?

Auf jeden Fall. Das Eine ist das gut wachsende Kunden- und Kreditgeschäft. Das Zweite ist, dass wir die Kosteneinsparungen durch die angekündigten Synergien deutlich übertroffen haben.

Lässt sich das beziffern?

Grundsätzlich wurden Abteilungen wie zum Beispiel die Innenrevision – ohne betriebsbedingte Kündigungen – zusammengeführt. Vorher haben das insgesamt rund zwölf Leute gemacht, heute sind es nur noch acht. Daneben haben wir – von damals beiden Häusern – ausgelagerte Tätigkeiten wieder ins Haus geholt, die jetzt vom eigenen, von frei gewordenem Personal, ausgeführt werden.

Und weiter?

Das hat dazu geführt, dass der Sachaufwand von vor der Fusion 2015 im Vergleich zum Sachaufwand 2017 um 1,5 Millionen Euro zurückgegangen ist. Und das setzt sich natürlich noch fort. Wir sind nach wie vor dabei, Prozesse und Abläufe so zu steuern, dass wir weitere Synergien heben werden können.

Ohne Personalabbau?

Es wird nach wie vor keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Die Zahl der Mitarbeiterkapazitäten lag zu Beginn 2016, im ersten Jahr der Fusion, bei 360, Ende 2017 waren es 312 und Ende dieses Jahres werden es etwa 304 Mitarbeiter sein, die noch für die Sparkasse an der Lippe arbeiten. Der Rückgang über den genannten Zeitraum ergibt sich aus der ganz normalen Fluktuation. Dazu gehört nicht zuletzt der Eintritt in den Ruhestand oder das Ausscheiden aus dem Unternehmens aufgrund von Elternzeit oder eines neuen Jobangebotes.

Wie sind die Geschäfte im ersten Halbjahr dieses Jahres gelaufen und wagen Sie eine Gewinnprognose für 2018?

Ein Ausblick auf das Jahresende ist zum jetzigen Zeitpunkt vor dem Hintergrund der volatilen Märkte nur bedingt möglich, aber das Kundengeschäft hat sich im ersten Halbjahr weiter positiv entwickelt. Kundeneinlagen und Kredite entwickeln sich sehr dynamisch. Die Wachstumsraten liegen über denen des Vergleichszeitraumes. Ebenso sind wir mit dem Kundenwertpapiergeschäft im ersten Halbjahr mehr als zufrieden. Die Ertragslage wird mit dieser Entwicklung des Kundengeschäftes nicht standhalten können.

Weil?

Neben dem weiterhin sehr niedrigen Zinsniveau werden auch die geplanten Investitionen im Geschäftsstellenbereich ihren Niederschlag finden.

Was ist Stand der Dinge bei den angekündigten Filialschließungen?

Ich lese immer wieder, dass wir uns aus der Fläche zurückziehen. Nochmal zum Verständnis: Wir schließen keine Filialen und wir ziehen uns auch nicht aus der Fläche zurück. Wir legen Filialen zusammen, wir machen nicht mehr und nicht weniger. Wenn zwei Geschäftsstellen räumlich sehr nah beieinander liegen, macht es vor dem Hintergrund des veränderten Kundenverhaltens keinen Sinn, bei den bestehenden Anforderungen, beide vorzuhalten.

Der Stand der Dinge?

Was das angeht, sind wir da in Werne in der Umsetzungsphase. Wir bauen hier gerade die Geschäftsstelle am Markt um, um die Geschäftsstellen an der Straße Evenkamp und an der Horster Straße dort aufzunehmen. Wir gehen davon aus, dass das Ganze bis Ende dieses Jahres, Anfang kommenden Jahres abgeschlossen ist. Darüber werden wir die Kunden aber noch zeitnah informieren. Das gilt auch für Selm, wo wir ja in die „Neue Mitte“ einziehen wollen. Der Neubau wird voraussichtlich nicht vor 2020 fertig gestellt werden. Ein genaues Datum ist noch nicht bekannt.

Wie sieht es in Lünen aus? Hier sollen nach früheren Angaben bis 2020 die Geschäftsstellen an der Mühlenbachstraße (Brambauer) und Bebelstraße (Lünen-Süd) geschlossen werden. In Beckinghausen soll die Filiale an der Kamener Straße künftig nicht mehr personell besetzt sein.

In Lünen sind wir dabei, die Dinge vorzubereiten. Ein verlässliches Datum haben wir allerdings noch nicht. Vielleicht gelingt uns hier auch die Umsetzung der Pläne bis Ende dieses Jahres, Anfang kommenden Jahres.

Sind neben den angekündigten Filialschließungen weitere geplant?

Nein, wir planen keine weiteren Zusammenlegungen von Geschäftsstellen.

2016 hat die Sparkasse an der Lippe von ihrem Gewinn von 3,1 Millionen Euro 220.000 Euro an ihre Träger, an die Städte Lünen (55 Prozent), Werne (35 Prozent) und Selm (10 Prozent), ausgeschüttet. 2017 gehen die Städte leer aus, der Gewinn fließt komplett in die Sicherheitsrücklagen der Sparkasse.

Das hat die Zweckverbandsversammlung so beschlossen.

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In ihrem Hause soll es Überlegungen geben, angesichts des äußerst schwierigen wirtschaftlichen Umfelds, in einem nächsten Schritt mit der Sparkasse Dortmund zu fusionieren?

Ich weiß nicht, wer sich dahingehend äußerst. Mir sind solche Überlegungen nicht bekannt. Im Übrigen entscheiden über diese Frage die Träger. Und von denen habe ich nichts in diese Richtung gehört.

Die Sparkasse an der Lippe leistet sich drei teure Vorstände. Reichen nicht auch zwei zur Führung der Geschäfte aus?

Der Gesetzgeber sieht mindestens zwei Vorstände vor. Andere Sparkassen haben fünf oder sieben. Über die Zahl der Vorstände entscheidet im Übrigen der Verwaltungsrat. Deshalb kann ich auch nicht mehr dazu sagen, das fällt nicht in meinen Kompetenzbereich. Für den Fall, dass der Vorstand um eine Stelle reduziert werden sollte, kann ich Ihnen versichern: Das bereitet mir keine schlaflosen Nächte.

2017 haben Sie inklusive erfolgsabhängiger Leistungszulage und sonstigen Vergütungen exakt 343.000 Euro verdient. Ist das angemessen?

Meine Vergütung basiert auf meinem Arbeitsvertrag, der sich an den Empfehlungen für Vorstandsmitglieder anlehnt und das spiegelt den Markt für das Berufsfeld wider.

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