Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Die Stadt hat nachgefragt: Wie sehen Horstmarer Bürger ihren Ortsteil, was sagen sie zum Bau der Unterkunft für Flüchtlinge und zum Thema Integration? Die Antworten geben zu denken.

Horstmar

, 01.12.2018 / Lesedauer: 3 min

2000 Fragebögen hatte die Stadt im Juni verschickt. Anlass für die Erhebung war eine Bürgerversammlung im Februar. Dort hatte die Verwaltung die Pläne für die geplante Flüchtlingsunterkunft an der Querstraße erläutert. „Es war eine angespannte Situation mit negativer Grundstimmung“, schilderte Beigeordneter Horst Müller-Baß im Ausschuss für Bürgerservice und Soziales am Donnerstag (29. November). Dort wurden die Ergebnisse der Befragung vorgestellt.

Die Fragebogenaktion

Stadt plant zweite Befragung in Horstmar 2020

  • 7500 Menschen wohnen in Horstmar. Die Stadt hat insgesamt 2000 Fragebögen verschickt. 900 an Horstmarer über 18 Jahre in direkter Nähe zu der im Bau befindlichen Flüchtlingsunterkunft an der Querstraße und 1100 an weitere Bürger in Horstmar, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden.
  • Im Frühjahr 2020 soll es eine zweite Befragung geben. Dann wohnen Flüchtlinge ein Jahr in der Unterkunft. Die Stadt will wissen, ob sich die Stimmungslage verändert.
  • Die Fragebogenaktion ist abgestimmt mit der Uni Köln, die an vier Standorten in Deutschland Studien mit ähnlichen Fragen durchführte.

Wie sich die Horstmarer fühlen, das wollte die Stadt genauer untersuchen. Von den 2000 Fragebögen kamen 646 Bögen (32,6 Prozent) zurück. „Eine sensationell hohe Quote“, so Dr. Eva-Maria Lauckner, die mit Thomas Kieszkowski die Befragung entwickelt hat. Das zeige eine hohe Mitteilungsbereitschaft. Die Auswertung macht deutlich: Die Bürger haben einen positiven Blick auf ihren Stadtteil. Eine Mehrheit akzeptiert die Vielfalt der Kulturen, doch ob Integration gelungen sei, da gehen die Meinungen auseinander. Eine Mehrheit befürchtet negative Entwicklungen bezogen auf die Lebensqualität und Situation in Horstmar.

30,2 Prozent lehnen Flüchtlingsunterkunft ab

Das Thema Seepark ist den Bürgern wichtig. Doch das Auftreten von ausländischen Mitbürgern in großen Gruppen schafft Unbehagen, was auf die Flüchtlingsunterkunft übertragen wird. 30,2 Prozent lehnen sie ab, 37,8 Prozent haben die Frage nicht direkt beantwortet. 14,3 Prozent akzeptieren die Unterkunft, 8,7 Prozent haben eine abwartende Haltung. Als Kritikpunkte wurde die Lage der Unterkunft in der Nähe zu Kita und Schulen genannt, der Verlust von Sicherheit im Quartier aber auch eine falsche Priorität seitens der Stadt: Man hätte lieber Kitas oder bezahlbare Wohnungen bauen sollen.

Bewusst, so Dr. Eva-Maria Lauckner, habe man die Frage nach dem Bau der Flüchtlingsunterkunft als offene Frage formuliert. So konnten sich die Bürger breit äußern. Manche hätten seitensweise dazu geschrieben. Der Horstmarer See kam darin häufig vor. Ängste bezüglich Sicherheit, vor allem nachts, Lärm, Müll und Störung der Privatsphäre prägten die Sorge, dass sich diese Aspekte durch die Flüchtlingsunterkunft noch verstärken.

Mehrheit akzeptiert Vielfalt der Kulturen

Der Vielfalt durch unterschiedliche Kulturen steht die Mehrheit mit 53,4 Prozent offen gegenüber, doch 36,4 Prozent empfinden sie als negativ. Ob ausländische Mitbürger in Horstmar gut integriert seien, finden 41 Prozent nicht. 39,6 Prozent hingegen stimmen dem zu. 58,8 Prozent geben an, keine Migranten in ihrem Freundeskreis zu haben, 38,9 Prozent aber schon. Kontakt zu Flüchtlingen haben 14,6 Prozent. Vereinzelt gibt es die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren. Doch den Bürgern fehlen Ansprechpartner.

Dass schon wenige Tage nach der Bürgerinformation zur Flüchtlingsunterkunft Bäume gefällt und Gebäude eingerissen wurden, habe die Gefühlslage in Horstmar verschlechtert. Das war ein Grund für die Stadt, ihre Strategie zu ändern. Während sie bis dahin Bürger erst dann über Flüchtlingsunterkünfte informierte, wenn restlos alle Fragen geklärt waren, hat sie in Wethmar beispielsweise zur Versammlung eingeladen, obwohl es noch offene Punkte gab. „Es kamen positive Rückmeldungen, Bürger konnten sich einbringen“, so Müller-Baß.

Politiker von dem ein oder anderen Ergebnis überraschend

„Das ein oder andere Ergebnis ist schon überraschend“, erklärte Eckhard Kneisel (Grüne) im Ausschuss für Bürgerservice und Soziales. Christiane Mai (SPD) sagte, es werde deutlich, dass die Bürger viel früher beteiligt werden möchten. Er sei erschreckend, dass ein großer Teil mit Sorge und Angst den Zugewanderten begegne. Sie sieht darin einen Auftrag an die Politik, Menschen Kontaktmöglichkeiten mit Zugewanderten anzubieten, um Ängste abzubauen.

Kommentar

Der Seepark ist das Problem

Die Ergebnisse der Bürgerbefragung machen deutlich: Die Stadt ist mit ihrer späten Informationspolitik vor die Wand gelaufen. Das hat sie inzwischen erkannt und will Bürgern künftig früher Vorhaben über Flüchtlingsunterkünfte erläutern. Nur so haben Anwohner das Gefühl, mitwirken zu können. In Wethmar hat die Stadt diese Erkenntnis umgesetzt. Allerdings ist Wethmar nicht mit Horstmar zu vergleichen. Zum einen sind Anwohner im Norden längst an Flüchtlinge gewöhnt, weil dort die erste Notunterkunft stand. Zum anderen gibt es dort keinen Seepark. Der trübt die Stimmung im Süden. Probleme an lauen Sommerabenden mit Lärm, Müll und ausländischen Gruppen schaffen Unbehagen, das auf den Bau der Flüchtlingsunterkunft projiziert wird. Solange die Stadt hier nicht effektiver agiert, wird sich die Stimmung im Ortsteil nicht verändern. Nützlich sind aber auch mehr Möglichkeiten der Gemeinschaft zwischen Horstmarern und Eingewanderten im Ortsteil. Persönlicher Kontakt verändert den Blick. Hier ist die Integrationsbeauftragte gefordert.
Lesen Sie jetzt