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Vater nahm ein ganzes Jahr Elternzeit

rnLüner Firmen

Andreas Trottenberg (42) arbeitet bei der Stadt, Björn Hübner (37) bei Aurubis. Beide Männer haben Elternzeit genommen. Wie es für sie war und wie ihre Arbeitgeber reagierten.

Lünen

, 07.09.2018 / Lesedauer: 5 min

„Elternzeit zu nehmen, kann ich jedem Vater nur empfehlen. Es ist etwas völlig anderes, die Kinder aus dieser Perspektive zu erleben.“ Andreas Trottenberg ist zweifacher Vater und Mitarbeiter der Zentralen Gebäudebewirtschaftung (ZGL). Sein ältester Sohn ist fast elf Jahre alt, der Kleine zweieinhalb. „Beim ersten Kind blieb meine Frau länger zuhause. Uns war von vornherein klar, wenn wir ein zweites Kind bekommen, dann nehme ich länger Elternzeit“, erzählt der 42-Jährige. Bei seinem ersten Sohn hatte er zwei Monate Elternzeit genommen.

Bevor der Kleine auf die Welt kam, entschied sich die Familie, dass Trottenberg sogar zwölf Monate daheim bleiben wollte. „Ich hab dann erst Urlaub aufgespart und war zwischen der Geburt und dem Beginn der Elternzeit noch kurz bei der Arbeit.“

Frühzeitig Arbeitgeber informiert

Der Verwaltungswirt, der seit 2013 bei ZGL arbeitet, hatte seinen Arbeitsgeber frühzeitig informiert: „Sowohl die Stadt als auch ZGL standen meiner Entscheidung positiv gegenüber.“ Für ein Jahr wurde eine Vertretung gefunden, die Trottenberg auch noch selbst eingearbeitet hat. Und nach der Elternzeit kehrte er auf seinen bisherigen Arbeitsplatz zurück. „Bei ZGL war ich der erste Mann, der ein Jahr Elternzeit genommen hat.“ Wichtig sei es, frühzeitig Bescheid zu sagen, zumal, wenn Väter eine längere Elternzeit planen. Seine Freunde waren ein bisschen skeptisch, als sie von seinen Plänen hörten. Und auch in einigen Kursen für junge Eltern merkte er schnell, dass sie inhaltlich doch mehr auf Frauen ausgerichtet sind: „Da war ich immer der Außenseiter und bin auch nicht mehr hingegangen. In Krabbelgruppen und beim Krabbelturnen war das anders. Sobald die Kinder größer werden, sind auch eher Väter mit dabei.“

Verwirrung

Verwirrung und Nachfragen

Wenn er mit seinem Sohn unterwegs war und an Kursen teilnahm, hat es schon „deutlich manchmal zu Verwirrung und Nachfragen geführt.“ Selbstverständlich scheint es immer noch nicht zu sein, dass sich auch Väter um Babys kümmern. Wie wichtig es aber ist, hat Trottenberg deutlich gemerkt: „Bei dem Kleineren ist die Fixierung auf die Person, die länger da war, deutlich stärker. In diesem Falle also auf mich. Genauso wie es umgekehrt bei unserem Größeren die Mama ist.“

Aber nicht nur sein jüngerer Sohn profitierte von dem Jahr Elternzeit. „Auch der Große hat sich gefreut, dass wir mehr Zeit zusammen hatten.“

Schwer gefallen

Seiner Frau sei es schon schwer gefallen, relativ früh nach der Geburt wieder arbeiten zu gehen und von der Umgebung zum Teil als „Rabenmutter“ dargestellt zu werden – unter dem Mottto „Das gehört sich doch nicht“. 30 Stunden in der Woche arbeitet seine Frau.

Für Andreas Trottenberg war das Jahr mit seinen Kindern „ein Geschenk und eine Chance.“ Allerdings – ohne das Elterngeld wäre es nicht gegangen.

Nach dem Jahr sei er „ganz gerne“ wieder arbeiten gegangen. „Nach dem Jahr mit Kind konnte man dann im Job auch wieder andere Gespräche führen, ohne das Thema Baby.“

Das sagt der Bürgermeister

Lünens Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns sagt zum Thema Väter in Elternzeit: „Als Verwaltung unterstützen wir das Bestreben von Frauen und Männern, Elternzeit zu nehmen, gleichermaßen und versuchen im Rahmen unserer personalpolitischen Möglichkeiten für alle Beteiligten und Bedürfnisse zufriedenstellende Lösungen zu finden. Persönlich finde ich, dass die gemeinsame Zeit von Eltern mit ihren Kindern einen enorm hohen Stellenwert hat und die Beziehung auf beiden Seiten entscheidend prägt. Deshalb freue ich mich, dass zunehmend auch Väter von den Möglichkeiten der Elternzeit Gebrauch machen.“

Immer mehr nehmen Elternzeit

Die Zahlen der Mitarbeiter, die bei der Stadtverwaltung Lünen in Elternzeit gehen, ist seit 2013 kontinuierlich gestiegen.Waren es 2013 noch 13 Mitarbeiter insgesamt, davon zwei Männer, waren es 2014 schon 25 Mitarbeiter, davon fünf Männer.

2015 nahmen 26 Mitarbeiter Elternzeit, darunter ebenfalls fünf Väter.

2016 stieg die Zahl auf 34 Mitarbeiter in Elternzeit, darunter waren acht Männer.

Im Jahr 2018 nahmen 38 Mitarbeiter Elternzeit, darunter neun Männer.

Wer eine längerfristige Elternzeit hatte, ist bei den Zahlen auch in mehreren Jahren berücksichtigt. Bei „Verwaltungsehen“ sind mitunter beide Elternteile für ein Kind berücksichtigt.

Vater nahm ein ganzes Jahr Elternzeit

Aurubis-Chefin Astrid Herbers und Björn Hübner, bei Aurubis fürs Personal zuständig. Er kümmert sich nicht nur um das Thema Elternzeit, er hat auch selbst zwei Monate genommen. © Beate Rottgardt

So läuft es bei Aurubis

Björn Hübner (37) ist bei Aurubis Lünen fürs Personal zuständig. Human Resources nennt sich seine Abteilung – menschliche Ressourcen. Und weil diese Menschen auch ein Privat- und Familienleben haben, müssen in der Firma Lösungen gefunden werden. Wenn beispielsweise ein Mitarbeiter, der gerade Vater geworden ist, eigentlich „nur“ zwei Monate Elternzeit nehmen wollte, sich dann aber herausstellt, dass der Unterstützungsbedarf zuhause doch weitaus größer ist und er sechs Monate braucht. „Das Problem haben wir gelöst, indem wir uns an einen Tisch gesetzt und mit allen Betroffenen überlegt haben, was man tun könnte“, so Aurubis-Chefin Astrid Herbers. Die Lösung in diesem Falle: Eine innerbetriebliche Umbesetzung auf Zeit. So konnte der Familienvater sechs Monate in Elternzeit gehen und der betroffene Kollege war von vornherein mit der Umbesetzung einverstanden.

Individuell reagieren

Auch, wenn es sonst Sorgen gibt wie einen Kita-Streik und keine Betreuungsmöglichkeiten, versuche man gemeinsam Lösungen zu finden. Hübner: „Wir haben keinen Katalog mit Lösungen, reagieren individuell.“

Er selbst ist seit 2011 bei Aurubis in Lünen, studierte davor Wirtschaftsrecht und war acht Jahre Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Und er kann mitreden, wenn es um Väter in Elternzeit geht. Bei seinem Sohn (heute drei) hat er die ersten beiden Monate genommen. „Beim ersten Kind ist die gesamte Situation komplett neu. Mir war es wichtig, in den ersten Wochen dabei zu sein, als Unterstützung für meine Frau.“ Bei der Tochter, die vor zwei Jahren geboren wurde, hat er nach der Geburt drei Wochen Urlaub genommen – aber diesmal keine Elternzeit. „Vom Arbeitgeber her wäre es kein Problem gewesen. Aber es war gerade die Zeit des Karrieresprungs in die Leitung.“

Seine Frau, die bei einer Krankenkasse arbeitet, hat noch bis Mai 2019 Elternzeit. Ab August kommt auch das Töchterchen in die Kita, dann sind beide Kinder entsprechend betreut. Ab Mai 2019 will die Mutter dann in Teilzeit arbeiten.

Mütter und Väter nutzen Möglichkeit

„Unseren Sohn haben wir mit einem Jahr zur Tagesmutter gegeben, einfach, damit er das Sozialverhalten mit anderen Kindern lernt. Er sollte kein verwöhntes Einzelkind sein, wenn dann das Geschwisterchen kam.“

Weibliche Mitarbeiter bei Aurubis in Lünen nutzen gern die Teilzeit-Möglichkeiten. Elternzeit wird von Müttern und Vätern genommen – zwischen 2015 und August 2018 waren es etwa 20 Elternteile. Durchschnittlich sind es gut drei Monate Elternzeit, wobei die Frauen deutlich länger Elternzeit nehmen als Männer.

Bei Aurubis gibt es mittlerweile einen Mitarbeiter, der entsprechend geschult ist und zum Thema Elternzeit und Elterngeld informieren kann. Oder in komplizierteren Fällen Ansprechpartner kennt.

Was sagt Astrid Herbers als Arbeitgeberin zum Thema Väter in Elternzeit? „Ich finde es gut, vor dem Hintergrund, dass wir Nachwuchs brauchen. Wenn man das eine will, kann man das andere nicht lassen. Als relativ großer Arbeitgeber haben wir auch eine soziale Verpflichtung. Mütter und Väter haben Anspruch in einem Gesamtpaket von Leistungen, die wir für Familien und Menschen erbringen.“

Wohl auch deshalb wurde die Firma Aurubis Lünen als „familienfreundliches Unternehmen“ zertifiziert.

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