Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Warum Architekt und Anwohner Peter Freudenthal den Seepark so belassen möchte

rnHorstmarer See

Freizeitareal oder Erholungsraum? Der Seepark wird unterschiedlich gesehen. Peter Freudenthal, Architekt und Anwohner, hält im Interview nichts von neuen Baumaßnahmen zur sozialen Kontrolle.

Horstmar

, 13.03.2019 / Lesedauer: 5 min

Immer wieder ist der Seepark in der Diskussion, vor allem im Sommer, wenn viele Besucher kommen. Lärm und Dreck stören vor allem die Anwohner. Herr Freudenthal, wie ordnen Sie als Architekt und Anwohner den Seepark ein?

Seit der Zeit der Landesgartenschau von 1997 bis heute 2019 ist der Seepark in Lünen-Horstmar gewachsen und zu einem gepflegten, stabilen Landschaftsraum geworden. Eher unaufgeregt, aber mit klarer Struktur, erscheint der Park überaus ausgeglichen, der seinen Erholungscharakter als Naturlandschaft bewahrt und mit der Zeit stabilisiert hat.

Aber der Park ist doch nicht nur Erholungsraum. Viele wollen dort aktiv ihre Freizeit verbringen. Was ergibt die Bestandsaufnahme?

Unabhängig von den unterschiedlichen Gesichtern während der wechselnden Jahreszeiten hält der Park auch aufgeregte Aktionen aus wie Hüpfburgenevents, 1.-Mai-Versammlungen, vor allem aber auch sommerliche Besucherströme auf die Wiesen, ans Wasser und zum Sandstrand.

Information

Diskussion mit Bürgern über die Zukunft des Seeparks

Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns und der Technische Beigeordnete Arnold Reeker wollen am Samstag, 16. März, gemeinsam mit Bürgern über die Zukunft des Seeparks in Horstmar diskutieren. Besonders die Anwohner sind dazu eingeladen. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr, die Vertreter der Stadtverwaltung werden bis etwa 14 Uhr vor Ort sein. In Gesprächen sollen aktuelle Probleme diskutiert werden. Außerdem will die Stadt künftige Maßnahmen rund um das Gebiet des Seeparks vorstellen. Anregungen und Ideen werden dabei gerne entgegengenommen. Der Bürgerdialog findet im Osten des Parks in der Nähe der Kita „Seepark-Zwerge“ statt, etwa dort, wo der Schwansbeller Weg vom Baukelweg abzweigt. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Herausgebildet haben sich Orte, wo Bootsmodelle zu Wasser gelassen werden, Radfahrer sich treffen, Drachen steigen. Läufer, Walker, Spaziergänger und natürlich viele Hundefreunde haben sich den Park erobert. Subtil überzieht die Disc-Golfanlage mit ihren zurückhaltenden Stationen die Grünflächen, macht sie dabei behutsam zu einem positiv erlebbaren Raum für Spieler und Beobachter.
Die Apfel- und Birnenbäume schenken schönes Obst - spontan und frei zugänglich und gerne gesammelt.

Das hört sich romantisch an. Was macht den Seepark konkret aus?

Kunst im öffentlichen Raum in Form verschiedenster Objekte markiert und bereichert individuell Orte im Seepark, ohne sich übermäßig in den Vordergrund zu stellen. Jugendliche bolzen am Baukelweg, Kinder und Eltern freuen sich auf unterschiedlichsten Spielplätzen in der Natur.

Der Seepark ist auch heute noch ein Gesamtkunstwerk, ausgerichtet auf die Bedürfnisse nach Natur erleben, Entspannung und Erholung, nach Befriedigung geistiger und körperlicher Bedürfnisse einer gemischten, arbeitenden Bevölkerung mit hohem Migrationsanteil und aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten stammend.

Wo sehen Sie die Qualitäten des Areals?

Abwechslungsreich und differenziert gestaltetete Orte gehören zu einer Landschaftscollage, die bis heute in hoher Stabilität in einem zum Teil kritischen Umfeld entstanden ist.

Collage bedeutet, dass es sich hier eher um überraschende, wechselnde, eher unerwartete Milieus, Räume mit unterschiedlichen Ansprüchen und Materialitäten handelt. Hier ist Platz auch für Spontaneität und Improvisation.

Sie sprechen von einem großräumigen Landschaftsbild. Woran machen Sie das fest?

Der künstlerische Entwurf der Landschaftsplaner für den Seepark stellt ein Gewebe von Beziehungsstrukturen ganz unterschiedlicher räumlicher Qualitäten dar. Verschränkt zu einander angeordnete Linien, Flächen, Punkte und plastische Raumelemente sind zu einem großräumigen Landschaftsbild zusammengesetzt.

Aus vorhandenen Strukturen (wie z.B. Kanal, Seseke, Haupt-Blick-und Wegeachsen, Hochspannungsleitung, Halden und Senken etc.) und deren Spuren sind künstlich gebildete Hügel, steinerne Linien, durchschlängelnde Rissfiguren gebrochener Landschaftsanteile, scharfkantig begrenzte Flächen spannungsvoll gegen weich geschwungene Konturen gesetzt. Kleinteilige Elemente in der Landschaft (wie z.B. einzelne Ruhe- und Spielbereiche) sind mit Großelementen (wie z.B. Kanal, Hochspannungsleitung, große Blickachsen) - dazu in unterschiedlichen Ebenen - zu einer plastischen Raumcollage gefügt.
Akupunkturnadeln gleich konzentrieren Kunstwerke und andere in Knotenpunkten erlebbare Einzelereignisse als materielle Zentren sich zu atmosphärisch bestimmten Orten.

Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus der räumlichen Analyse des Seeparks?

  • Dieser Park ist so, wie er sich darstellt, zu schützen, zu erhalten
    und im Wesentlichen so zu belassen.
  • Der Park ist klein und für die Nutzungsvielfalt, die zur Zeit besteht, hinreichend ausgelastet.
  • Hier sollten keinen neuen, weiteren Nutzungen - wie z.B. einem großen Hotel, schon gar keiner Wasserskianlage, keiner Kirmes-, keinen Action-Orten, keinen sonstigen Unterhaltungsattraktionen, Raum geboten werden. Schon die Bodyflyinganlage war ein Flop.
  • Der Park, der eine wirklich begrenzte Flächengröße für seine Aufgabe als naturnahes Erholungsgebiet hat, sollte nicht weiter „angeknabbert“ werden.
  • Weitere Stellplatzflächen mögen unter der Hochspannungsleitung sinnvoll erscheinen, dürfen aber nicht in die Parkflächen hineingreifen, implantiert, davon abgezogen werden.

Was soll denn konkret im Seepark gefördert werden?

  • Einrichtungen wie der Anglerverein und andere, den Park pflegende Gruppierungen sind zu begrüßen (s. Südparkgemeinschaft).
  • Eher sollten die naturräumlichen Anteile der Fläche, wo keine konkreten Funktionen vorgegeben sind, gestärkt werden
  • Auf spontane Nutzungswünsche kann verantwortlich reagiert werden – hier wird an z.B. Grillmöglichkeiten in ausgewiesenen Bereichen gedacht.
  • Ausbau von Naturspielplätzen.
  • Der ehemalige Apothekergarten könnte ein Bereich für temporäre, angepasste Nutzungen sein.

Was ist aus Ihrer Sicht denn dann zu tun?

Die Schönheit des Parks ist zu werten und ständig transparent zu machen. Wichtig für den Park ist die eine qualifizierte, kontinuierliche Pflege, die in einem hohen Maß von der Abteilung Stadtgrün der Stadt Lünen überaus aktiv wahrgenommen wird.

Aber es gibt doch auch Probleme im Park?

Der zum Teil berechtigte Zorn und auch die Angst der Bürger allgemein, der Anwohner hier und der Verwaltung vor vandalistischen Störungen und Zerstörungen auch im nahen Umfeld eines sich in diesem Sinn desaströs darstellenden Stadtgebietes bestimmen ein belastendes Bild vom Seepark.
Das ist aber so nur zum Teil berechtigt. Die vorangehende Beschreibung zeigt, dass dies heute eher ein Teil der öffentlichen Meinung ist, nicht aber bestimmendes Charakteristikum der Realität.
Ohne den überaus ärgerlichen Dingen ihre Bedeutung nehmen zu wollen,
sind die berechtigt zu beanstandenden Kritiken aus der Distanz im allgemeinen gesellschaftlichen Zusammenhang zu verstehen.

Mit neuen Plänen will die Politik auf die Probleme reagieren. Was sagen Sie als Architekt und Anwohner dazu?

Sicher führen weitere bauliche Einzelmaßnahmen mit einer daraus erhofften höheren sozialen Kontrolle im Seepark zu keiner Minderung der sozialen Probleme. Vielmehr erscheint eine Stärkung der bestehenden Stabilisatoren ein erfolgversprechender Ansatz zu sein.

Was kann das heißen?

  • Stärkung und Verdichtung des Wachpersonals.
  • Vorsichtige und zeitweilige Einschränkung der Zugangsmöglichkeiten in den Park (z.B. das Südtor am Baukelweg wurde zeitweilig geschlossen; dafür konnte man nebenan an der Kita in den Park kommen - eine erstaunliche kleine Maßnahme zur Beruhigung).
  • Weiterhin vorrangig Pflege und Sauberkeit im Park.
  • Transparenz u.a. durch Vermeidung von Versteckmöglichkeiten, Pinkelecken etc., d.h. Herunterschneiden des Gebüschs und der Hecken und Aufasten der Bäume.
  • Vermittlung der hohen Wertigkeit des Parks und Förderung des allgemeinen Bewusstseins der Qualität der Anlage in der Öffentlichkeit.
  • Förderung von Pflegepartnerschaften (Anwohner, Schüler, Vereine etc.) und Einbindung qualifizierter weiterer Interessengruppen in die Parklandschaft.
  • Zurückhaltung bei der Werbung für und Zurückhaltung bei der Einladung zu lauten Unterhaltungsaktionen im Park.
  • Stärkung der Grün- und Naturanteile im Park, verbunden mit einem weiter empfindsamen und zurückhaltenden Umgang mit dem großartigen Kleinod Seepark.
Warum Architekt und Anwohner Peter Freudenthal den Seepark so belassen möchte

Peter Freudenthal. © Magdalene Quiring-Lategahn

Architekt Peter Freudenthal war bis 2016 mehr als 20 Jahre lang Dozent der Fachhochschule Dortmund. Er wohnt in der Nähe des Seeparks und hat einen eigenen Blick auf das ehemalige Gelände der Landesgartenschau.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt