Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Die Innenstädte veröden, es gibt mehr Lieferwagen und Verpackungsmüll. Schuld an allem ist der Onlinehandel. Kann sein, sagt unser Autor - und findet diese Einkaufsmöglichkeit trotzdem gut.

Lünen

, 07.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Ich bin in einem Dorf am Niederrhein aufgewachsen. Es gab Bäcker, Metzger, einen Schlecker, zwei Supermärkte, ein Elektronik-Geschäft und einen Laden für Kindermode. Das reichte, um den Alltag zu bestreiten und manche Spezialfälle zu lösen. Doch wenn meine Eltern richtig „shoppen“ wollten, ging es mit dem voll besetzten Ford Fiesta in die nächste Stadt. Beziehungsweise in die übernächste, denn die Orte in der direkten Nachbarschaft hatten ein ähnliches übersichtliches Angebot an Geschäften.

Nun ist Lünen bei weitem kein Dorf und hat folgerichtig ein größeres Angebot als meine Heimat. Das wird damals so gewesen sein, und gilt heute sicherlich auch noch. Dennoch ist der Aufschrei groß, wenn hier mal wieder ein Geschäft schließt. Richtig laut wird es, wenn dieses Geschäft auch noch inhabergeführt ist. So leid mir das für die Stadt und vor allem für den Inhaber tut - beim Gedanken an die „Hauptstraße“ meines Dorfes kann ich da nur müde lächeln.

Jahresgewinn für die Mietkaution?

Dort beschweren sich bei einer Geschäftsschließung übrigens eher wenig Leute. Vielleicht ist man das da schon gewohnt. Was meine Heimat mit Lünen gemeinsam hat: Immer ist die Konkurrenz aus dem Internet schuld. Preisdruck, Bequemlichkeit der Kunden - die Argumente sind wie ein Echo, dass bei jeder Schließung wieder verstärkt zurückhallt. Das mag ja auch alles zutreffen, doch es ist sicherlich nicht die alleinige Ursache des Geschäftesterbens. Haben Sie sich beispielsweise schonmal nach den Mietpreisen für Geschäfte in 1a-Lage erkundigt? Es ist schon schwierig, einen Laden zu halten, wenn der erste Jahresgewinn komplett für die Mietkaution draufgeht.

Dabei muss der Onlinehandel keine Konkurrenz sein, im Gegenteil: Er kann auch neue Chancen und sogar Geschäftsfelder eröffnen. Waren Buchhandlungen bisher ausschließlich auf Beratung und Verkauf spezialisiert, sind sie heute zusätzlich Veranstaltungsraum, Café oder Freizeittreff. Der digitale Markt ermöglicht es, einen größeren Kundenstamm zu generieren, der über die Region hinausgeht. Dazu muss natürlich die Qualität stimmen - was wiederum einen Vorteil für die Kunden bringt.

Nicht mehr mit dem Auto in die nächste Stadt

Überhaupt: War man früher an den Dorfladen oder im Idealfall an die übernächste Stadt gebunden, hat man als Kunde nun die Möglichkeit, Preise und Dienstleistungen transparent zu vergleichen und so das für sich beste Angebot auszuwählen. Und mit Blick auf mein Dorf und viele andere Dörfer, die es in NRW und in ganz Deutschland gibt: Man muss nicht mehr erst ins Auto oder in die Bahn steigen, um shoppen zu gehen. Ich bin mir sicher, dass diese Möglichkeit so manches in meiner Kindheit erleichtert hätte.

Natürlich ist eine neue Entwicklung auch immer gleichbedeutend mit einer neuen Herausforderung. Im Fall des Onlinehandels sind das gleich mehrere: Wie gehe ich wirksam gegen Betrüger vor (und zwar auf beiden Seiten), wie löse ich das Logistik-Problem, wie kann ich nachhaltig einkaufen, wie halte ich meine Stadt lebendig und attraktiv? Es dürfte spannend sein zu sehen, welche Lösungen die jeweiligen Experten für ihr Tätigkeitsfeld präsentieren.

Mein Kollege Michael Schnitzler sieht die Dinge übrigens komplett anders - seine Meinung lesen Sie hier (mitdiskutieren ist auch hier erwünscht):

Jetzt lesen

Subjektiv, wertend oder politisch unkorrekt – RN-Redakteure sprechen freitags einmal „ganz unter uns“ über Themen, die sie und Lünen bewegen. Und freuen sich über andere Meinungen. Was halten Sie vom Online-Handel - eher schädlich oder eine Erleichterung für den Alltag? Hinterlassen Sie einen Kommentar oder schreiben Sie unserem Autor: Daniel.Claessen@ruhrnachrichten.de
Lesen Sie jetzt