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Wie lange geht das gut?

Belastung im Profisport nimmt immer mehr zu

DORTMUND Die Belastung im Profisport wird immer größer. Basketball, Handball, Fußball oder Eishockey. Es geht um fast alle Sportarten. Meist ist der Kommerz die Antriebsfeder. Mehr Spiele, mehr Einnahmen. Leidtragende sind die Sportler, und es stellt sich die Frage, wer zuerst streikt: der Körper oder der Spieler?

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Für Fußballer Joshua Kimmich stehen im November sechs Spiele im Kalender.

Grafik: Mühe

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Basketballer Elias Harris muss gleich 12 Mal ran.

Grafik: Mühe

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Handballer Hendrik Pekeler steht in acht Spielen auf dem Feld.

Grafik: Mühe

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Elf Mal muss Eishockey-Spieler Gerrit Fauser ran.

Grafik: Mühe

Kratzwunden, Prelllungen, Hämatome, das alles kann die hart gesottenen Handballer nicht mehr schrecken. Aber diese Breitseite kam unerwartet: Zwei Spiele in 24 Stunden stehen für den deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen am Wochenende auf dem Spielplan. Erst Bundesliga in Leipzig, dann Königsklasse in Barcelona. „Ein Schlag ins Gesicht“ sei diese Ansetzung, sagte Nationalspieler Patrick Groetzki (28).

Wenn am Samstag gegen 19.45 Uhr das Spitzenspiel der Löwen in Leipzig endet, beginnt die Hektik. Für die Regeneration bleibt die Fahrt zum Flughafen Schönefeld in Berlin, dort übernachtet die Mannschaft. Am nächsten Morgen steigt der Flieger gen Barcelona. Zwischen Rollfeld und Spielfeld (Anpfiff: 19 Uhr) bleiben dann noch sechs Stunden Zeit. Wenn es glatt läuft. „Das“, stöhnt Trainer Nikolaj Jacobsen (45), „habe ich noch nie erlebt.“

Erholung ist wichtig

Sportwissenschaftler Moritz Schumann hält die Belastung zumindest für grenzwertig. „Sportler auf diesem Niveau können es auch einmal wegstecken, an zwei Tagen hintereinander zu spielen“, sagt der Mediziner von der Sporthochschule Köln. „Wichtig sind ab und an längere Erholungsphasen auch in der Saison. Nach mehreren Spielen hintereinander braucht der Körper auch Tage mit niedrigeren Belastungen.“

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Dafür bleibt jedoch selten Zeit. Im Oktober hatten die Löwen einmal vier Spiele in sieben Tagen. Vor einem Jahr sagte Kreisläufer Hendrik Pekeler (25) für die Handball-WM ab. „Wenn ich mit 35 Jahren noch auf hohem Niveau spielen will, kann ich diese Belastung dauerhaft nicht auf mich nehmen“, erklärte Pekeler. Die Rede ist von 70 bis 80 Spielen zwischen August und Juni. Dazu die ständigen Reisestrapazen.

Kein Vergleich der Belastung möglich

Auch Eishockey-Spieler, Fußballer und Basketballer stressen ihre Athletenkörper bis aufs Äußerste. Englische Wochen mit Spielen im Drei-Tage-Rhythmus sind eher die Regel als die Ausnahme. Wen trifft es am härtesten? „Sportarten zu vergleichen ist schwer“, sagt Sportwissenschaftler Schumann. „Die Basketballer stehen 40 Minuten lang unter mehr oder weniger intensiver Belastung. Die Fußballer haben gegebenenfalls mehr Ruhephasen, dafür längere Laufwege und eine länger andauernde Spielzeit, ohne die Möglichkeit, durchweg Spieler zu wechseln.“

Mit entscheidend sei das medizinische Know-how in den Klubs: Mittlerweile ist das Wissen um regenerationsbeschleunigende Maßnahmen groß, komplexe Diagnostiken geben Hinweise auf ein Übermaß an Belastung. Profivereine und Nationalteams hätten in der Regel die Expertise, um die Erholung zu erleichtern, sagt Schumann. Vom Eisbad bis zur Proteingabe reichen die Ansätze, auch eine Mütze voll Schlaf ist nach Erschöpfung dringend angezeigt. „Drei Tage sind das absolute Minimum, um nach einem Fußballspiel physisch komplett zu regenerieren“, sagt Prof. Tim Meyer, der seit 2001 die deutschen Fußballer betreut. Oliver Roggisch (39), Sportlicher Leiter der Rhein-Neckar Löwen und Teammanager der Nationalmannschaft, macht sich da keine Illusionen: „Den Spielern ausreichend Zeit zur Regeneration zu geben, wird im Handball extrem schwierig. Es ist fast schon gang und gäbe, dass die Spitzenklubs im Rhythmus Samstag-Mittwoch-Samstag spielen.“

Stress wird zur Routine

Von einer gewissen Routine spricht Marcel Goc, 34 Jahre alter Kapitän der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft und ehemaliger NHL-Profi mit 636 Einsätzen. „Bei drei Partien pro Woche muss man das Pensum anpassen. Man muss in seinen Körper hören und ein Gespür dafür entwickeln, was er braucht“, sagt Goc. Um den körperlichen Stress optimal zu meistern, komme es auf die richtige Regeneration an, betont der Profi von den Mannheimer Adlern. Problem: In diesem Jahr kommt mit den Olympischen Spielen im Februar eine weitere Belastung zum ohnehin engen Zeitplan hinzu. Die Handballer spielen EM und WM im Zwei-Jahres-Rhythmus, mit Olympia sind es fünf Turniere in vier Jahren. Zusätzlich. Ein unmenschliches Programm.

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Die Spieler müssen ja nicht nur auf dem Platz stehen, sondern physisch wie mental ihr maximales Potenzial abrufen. Immer geht es darum, ungeachtet der Umstände die optimale Leistung zu bringen, auf dem Rasen, auf dem Eis oder auf dem Parkett wie bei Basketballer Dirk Nowitzki in der NBA. Dort wurde die Anzahl der Back-to-Back-Spiele, das sind Partien an aufeinanderfolgenden Abenden, gesenkt: Vier Spiele an fünf Abenden sind verboten. Nowitzki muss mit den Dallas Mavericks in dieser Saison dennoch 15 Mal an aufeinanderfolgenden Abenden antreten.

Körper ist das Kapital

Für einen 39-Jährigen wie Nowitzki eine enorme Herausforderung. „Über die Jahre werden deine Muskeln ein wenig steifer, wenn du morgens anfängst“, sagt er. Seine weniger grazile morgendliche Motorik beim Training brachte ihm bereits den Spitznamen „Big Mummy“ („Große Mumie“) ein.

Um die Strapazen einer NBA-Saison zu verkraften, trainiert Nowitzki in den vier oder fünf Wochen vor dem Liga-Beginn sechsmal die Woche im Kraftraum. Inzwischen macht er auch Yoga und bereut es, sich nicht früher schon vor und nach den Spielen gestretcht zu haben. Eine bewusste Ernährung ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, Eis und Fast Food sind vom Speiseplan gestrichen. Der Körper ist das Kapital. Streiken ist unerwünscht.

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