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100 Euro setzen neue Kräfte frei

ESSEN Für Stefan Koch (TV Wattenscheid 01) war es kein Marathon wie jeder andere. Für den laufenden Schornsteinfeger aus Coesfeld war es der erste Marathon überhaupt.

von Von Jürgen Kox

, 16.10.2007
100 Euro setzen neue Kräfte frei

Marathon-Sieger Stefan Koch.

Die 42,195 Kilometer lief er in Essen zusammen mit weiteren 2500 Startern. Wochen zuvor wurde dafür die Arbeit mit Cheftrainer Tono Kirschbaum aufgenommen: "Unser Ziel war, dass Stefan ankommt, dann möglicherweise gewinnt, vielleicht die Olympia-Norm schafft und den über 20 Jahre alten Streckenrekord am Baldeneysee knackt." Fakt: Der Wattenscheider siegte, verfehlte aber den Rekord und die Norm knapp.

Um richtig Tempo zu machen, hatte das Wattenscheider Duo den Fürther Embaye Hedit als Tempomacher auf Kosten des Veranstalters verpflichtet. Drei Tage vor dem Start sagte der "Hase" ab und man holte zwei Kenia-Läufer, die in Detmold ihre Zelte aufgeschlagen haben: Elliot Tamut und Simon Bipis.

Beide kamen und es folgte das Gespräch mit den Wattenscheidern und dem Veranstalter. Die Afrikaner bekamen bis zum Kilometer-Stein 25 Zeitvorgaben und weitere Anweisungen. So sollten sie nur auf Koch achten, ihm Windschutz geben und keine Lücke während des Laufes entstehen lassen. Die ersten zwei "welligen" Kilometer wurden mit gedrosselter Leistung abgespult, dann ging es "volle Pulle", um die Zeitintervalle zu halten. Alles klappte und Tono Kirschbaum saß auf dem Begleitfahrrad, ebenso Carsten Schütz.

Harmonisches Trio

Tono Kirschbaum hatte das Trio immer im Blick, doch kurz vor dem vertraglich geregelten Ausstieg musste gehandlet werden: "Die beiden waren locker und gut drauf. Beide harmonierten gut mit Stefan, der etwas einknickte." Da schickte Kirschbaum Carsten Schütz als Mittelsmann zu den Afrikanern: "Ihr bekommt 100 Euro, wenn ihr noch drei Kilometer weitermacht." Kein Thema, die "Hasen" machten weiter. Im Nachhinein fand Tono Kirschbaum: "Ich hätte da noch Mal in die Tasche greifen sollen, denn bis Kilometer 33 quälte sich Stefan, bevor er frischen Wind bekam."

"Schlitzohrig" der Cheftrainer, der die Zusatzprämie dem Veranstalter aufs Auge drückte: "Dem war ja auch daran gelegen, dass Stefan vorneweg marschiert." Für die Afrikaner waren die je 600 Euro, die sie bekamen, ein gutes Geschäft, denn der Lauf selbst gab am Ende für sie als mögliche Gewinner nicht viel her. Das Essener Prämiensystem war auf Breite und Förderung der deutschen Läufer ausgelegt. Neben dem "Kirschbaum-Geld" gab es je 500 Euro als "Hasenprämie".