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1:1 gegen Bielefeld - «Zu viel Spaß» bei Hertha

Berlin (dpa) Die «Krabbelgruppe» von Lucien Favre hat die aufkeimende Fußball-Lust in Berlin erst einmal selbst gestoppt - dagegen sorgte der 31 Jahre alte Torjäger Artur Wichniarek für Freude in Bielefeld.

1:1 gegen Bielefeld - «Zu viel Spaß» bei Hertha

Herthas Marko Pantelic (2.v.r.) versucht sich in Bielefelds Strafraum durchzusetzen.

Mit seinem bereits dritten Treffer in der noch jungen Bundesliga-Spielzeit bescherte der routinierte Pole, einst selbst unglücklich für Hertha BSC auf Torejagd, seiner Arminia in der Hauptstadt ein schmeichelhaftes 1:1 (1:1). «Es gab sicher die eine oder andere Szene, wo wir großes Glück hatten. Nichtsdestotrotz nehmen wir den Punkt gern mit», verabschiedete sich Arminen-Coach Michael Frontzeck von jener Stätte, an der Bielefeld in der Vorsaison noch in letzter Minute verloren hatte. Dieses Mal verhinderte vor allem die mangelnde Abgeklärtheit der jungen Hertha-Mannschaft einen Gastgeber-Erfolg und so auch erstmals zwei Startsiege in der Bundesliga.

«Im Moment hat man den Eindruck, dass sie so viel Spaß haben, dass ihnen etwas die Zielstrebigkeit fehlt», kommentierte Hertha-Präsident Werner Gegenbauer den zweiten freudvollen Auftritt gerade der jungen Hertha-Profis in der neuen Saison. Hertha-Coach Favre hatte wieder sechs Spieler in die Startelf beordert, die nicht älter als 23 Jahre sind. Dazu gab er Kapitän und Nationalspieler Arne Friedrich nach Verletzungspause Spielpraxis, versetzte dafür mit Josip Simunic (30) einen der besten Verteidiger der sommerlichen EM auf die Bank.

Von einem sich anbahnenden Konflikt mit dem Kroaten aber wollte Favre nichts wissen: «Ich bin nicht dumm, ich zähle auf ihn. Das war nur ein Spiel.» Schon am Donnerstag kann in der UEFA-Cup-Qualifikation gegen Ljubljana (Hinspiel 2:0) und Sonntag beim FC Bayern Favres Aufstellungs-Puzzle ganz anders aussehen.

Wie beim 2:0 zum Auftakt in Frankfurt operierten die Berliner mit viel Spielwitz und klugen Ballstaffetten - vergaben aber Großchancen gleich in Serie. Dennoch sprach nach der Führung durch Torjäger Marko Pantelic (32. Minute) vor 36 302 Zuschauern im Olympiastadion alles für Hertha. Einen Querschläger von Berlins neuem Brasilianer Kaka, der den Vorzug vor Simunic in der Innenverteidigung bekommen hatte, nahm Wichniarek jedoch dankend an (37.). «Es ist eine gefühlte Niederlage», erklärte Herthas Defensivmann Steve von Bergen.

Favre ärgerte sich nicht so sehr über den Patzer von Kaka, sondern viel mehr über die finalen Sieg-Bemühungen seines Teams. «Wir haben nicht mehr als Kollektiv gespielt. Alle wollten zu viel individuell machen - so machst du nicht so viel Tore», bemängelte der Schweizer Coach. Raffael (23 Jahre), Cicero (23) und Gojko Kacar (21), um dessen Olympia-Teilnahme mit Serbien es viel Aufregung gegeben hatte, waren noch am nächsten am Siegtor. «Du musst den Kopf kalt halten und weiter intelligent spielen», gab Favre seiner jungen Garde mit auf den Weg. Auch in dieser Saison sieht der Hertha-Coach seine Hauptaufgabe darin, ein Team zu formen, das bis 2010 «mit um Titel spielen kann», wiederholte Favre trotz des kleinen Dämpfers.

Michael Frontzeck strich nach dem zweiten Saison-Remis Punkte-Macher Wichniarek heraus, der für Bielefeld in dieser Saison schon vier Pflichtspiel-Tore erzielte. «Unabhängig vom Tor macht er einen guten Job», sagte der Arminen-Coach. Der Ex-Berliner Wichniarek, der für Hertha von 2003 bis Ende 2005 in 44 Bundesliga- Partien nur vier Tore schoss, hatte in der zweiten Hälfte sogar noch den Siegtreffer auf dem Latschen, zögerte aber zu lange: «Das wäre des Guten aber auch zu viel gewesen», bemerkte Frontzeck.

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