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„120 BPM“: Aufwühlendes Drama um Kampf gegen Aids

Paris. In „120 BPM“ beschreibt Robin Campillo den Kampf gegen Aids und gegen den Tod. Im Mittelpunkt steht die Liebesgeschichte zweier junger Aktivisten. Der Film gewann in Cannes den Großen Preis der Jury.

„120 BPM“: Aufwühlendes Drama um Kampf gegen Aids

Beeindruckend ist die Leistung der vorwiegend noch unbekannten Schauspieler. Foto: Edition Salzgeber

Sean hat sich mit 16 Jahren bei seinem verheirateten Lehrer mit dem HI-Virus angesteckt. Seitdem kämpft er in der Bewegung „Act Up“ gegen die Gleichgültigkeit, Ignoranz und Mitverantwortung staatlicher Behörden.

In dem Film „120 BPM“ (Beats per Minute) rückt der Franzose Robin Campillo nicht nur den Kampf der Aktivisten in den Mittelpunkt, sondern auch die Liebesgeschichte zweier junger Männer. Dem 55 Jahre alten Regisseur ist ein stark emotionaler und aufwühlender Film gelungen, der in Cannes den Großen Preis der Jury erhielt.

Mit seinem Werk hat sich Campillo Zeit gelassen, denn er wollte die Überlebenden der Krankheit nicht enttäuschen, wie er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur sagte. Das ist dem Regisseur gelungen, es gab vorwiegend Lob. Das Drama zeigt respektvoll menschliche Gefühle, vermeidet Voyeurismus und Exhibitionismus. Beeindruckend ist auch die Leistung der Schauspieler, die vorwiegend unbekannt sind.

Campillo bringt viel eigene Erfahrung in den Film ein, der im Original „120 battements par minute“ (120 Schläge pro Minute) heißt. Wie er sagte, war er selber viele Jahre in der 1989 gegründeten „Act Up“-Bewegung engagiert. Eine Erfahrung, die zu spüren ist, wenn Campillo die Debatten und Richtungskämpfe der Gruppe filmt sowie ihre Aktionen zeigt: In Schulen verteilen die Aktivisten Kondome, dann verwüsten sie die Büros eines Pharmakonzerns in Paris mit Kunstblut. Dabei verherrlicht der Regisseur weder die Aktivisten noch verteufelt er Pharmabosse und Behörden.

In Frankreich starben zwischen 1983 und 1995, den sogenannten Aids-Jahren, etwa 30 000 Menschen an der Immunschwäche. Mitte der 80er-Jahre erschütterte zudem ein Skandal um wissentlich verunreinigte Blutkonserven das Land, die ein staatliches Transfusionszentrum ausgegeben hatte. Mehr als 1000 Bluter, darunter viele Kinder, infizierten sich dadurch mit dem Virus.

In dem Film haben sich die meisten „Act Up“-Aktivisten mit dem Virus angesteckt, bis auf wenige Ausnahmen wie Nathan, der neu zur Gruppe gestoßen ist. Ihn faszinieren die Lebenskraft und der Kampfgeist Seans. Zwischen beiden entsteht eine zärtliche und einfühlsame Intimität und Beziehung, die mit dem Tod Seans endet. Auch Campillo hatte einen Freund, der an Aids gestorben ist.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Campillo mit der Krankheit auseinandersetzt. Bereits in „Les Revenants“ und „Eastern Boys - Endstation Paris“ hat er das Thema aufgegriffen. Doch erst jetzt war er für diesen Film bereit. Wie er im dpa-Interview erzählte, habe er diese beiden Werke als Vorläufer gebraucht. Frankreich schickte das Drama als Nominierungskandidaten in das Oscar-Rennen für den besten fremdsprachigen Film. 

- 120 BTM, von Robin Campillo, Frankreich, 2017, 143 Min., FSK ab 16, mit Nahuel Pérez Biscayart, Arnaud Valois, Adèle Haenel.

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