140 tote Robben am Baikalsee in Russland angespült

Angst vor Epidemie

Sie gilt als Wahrzeichen des Baikalsees: die Baikalrobbe. Mit ihren dunklen Knopfaugen ist die nur in dem großen sibirischen Süßwassersee heimische Art beliebt bei Touristen. Ein mysteriöses Massensterben löst nun Besorgnis aus.

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Irkutsk

, 05.11.2017, 13:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Am Baikalsee sind mehr als 140 tote Baikalrobben angeschwemmt worden, Experten suchten nach der Ursache des Massensterbens.

Am Baikalsee sind mehr als 140 tote Baikalrobben angeschwemmt worden, Experten suchten nach der Ursache des Massensterbens. © dpa

Der rätselhafte Tod Dutzender Baikalrobben hat in Russland Ängste vor einer möglichen Epidemie bei der seltenen Tierart geweckt. Am Baikalsee in Sibirien seien in den vergangenen Tagen mehr als 140 tote Robben angeschwemmt worden, teilten die Behörden in der Großstadt Irkutsk mit. „Alle gefundenen Kadaver sind von erwachsenen und kräftigen Tieren, 80 Prozent von ihnen sind trächtige Weibchen“, hieß es. Auch am Wochenende gingen die Untersuchungen weiter. Seit Tagen suchen Experten nach der Ursache des Massensterbens.

Die Baikalrobbe ist eine der wenigen Robbenarten, die im Süßwasser leben. Sie kommt ausschließlich im Baikalsee vor. Dieser ist mit einer Länge von mehr als 600 Kilometern und einer Tiefe von mehr als 1600 Metern der größte Süßwasserspeicher der Erde und ein beliebtes Touristenziel.

Die russischen Behörden schätzen den Bestand der Baikalrobben auf rund 128.000. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt sie auf ihrer Roten Liste gefährdeter Arten in der Kategorie „Geringste Bedenken“. Seit 1980 ist der Fang aber streng reglementiert. Ende der 1980er-Jahre waren nach Expertenangaben rund 7500 Baikalrobben an der Staupe gestorben, einer Viruserkrankung, die vor allem von Hunden übertragen wird.

Keine Viren bei Laboruntersuchungen gefunden

Jetzt wurden wieder tote Tiere am Ufer entdeckt. Sie wurden in den vergangenen Tagen im Gebiet Irkutsk im Süden des Baikalsees sowie in der benachbarten Republik Burjatien am Ostufer angeschwemmt. Zunächst war von rund 130 Kadavern die Rede, am Freitag wurden weitere entdeckt.

Um dem Phänomen auf den Grund zu gehen, gründeten mehrere Behörden eine gemeinsame Kommission. Bislang hätten Laboruntersuchungen keine Klarheit über die Gründe gebracht, teilte die Gebietsverwaltung in Irkutsk mit. Bekannt sei nur, dass Krankheitserreger wie etwa Viren nicht gefunden worden seien.

Magen und Darm und der toten Tiere waren leer

Ersten Analysen zufolge starben die Robben an Herzstillstand. Auffällig war, dass der Magen-Darm-Trakt vieler untersuchter Exemplare leer war. Sie könnten an Unterernährung gestorben sein, sagte Sergej Grochotow vom Veterinäramt in Irkutsk der Agentur Tass. Unklar blieb, wieso die Tiere möglicherweise nicht gefressen hatten. Daher wurden Teile der Nahrungskette untersucht. Die Baikalrobbe ernährt sich unter anderem von Fischen.

Nikolai Gudkow vom Umweltministerium sagte der Zeitung „Iswestija“ am Samstag, dass auch Wasserproben analysiert würden, um eine Verunreinigung als Ursache auszuschließen. Immer wieder gibt es Berichte über Verschmutzung des Sees durch die Industrie.

Zwar war zunächst nichts über eine für Mensch und Tier gefährliche Krankheit bekannt. Dennoch wollten die Behörden einer Gefährdung vorbeugen. „Fell und Fleisch der toten Robben dürfen nicht für den Hausgebrauch verwendet werden“, warnte die Staatsanwaltschaft. Agenturen hatten zuvor berichtet, dass Anwohner das Fleisch an Hunde verfüttert hätten und Fett und Fell der Tiere nutzen wollten.

dpa