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30 Leute auf 130 qm

HORDEL Noch stehen wir zusammen auf dem Vorplatz der Zeche Hannover und warten bis die letzten Leute eintrudeln. Ein paar Minuten später beginnt unsere Reise in die Vergangenheit.

von von Christina Neuffer

, 15.08.2008

Einen gepflasterten Weg entlang gehen wir vorbei an modernen Häuserreihen, hohen Bäumen und geparkten Autos. Nichts besonderes eigentlich. Dann aber stehen wir plötzlich vor drei sehr alten Häusern, die viele Risse in ihrem Gemäuer vorweisen. Sie scheinen fehl am Platz zwischen all den modernen Bauten. Das war 1890 noch anders: "Vor uns sehen wir die ehemalige Kolonie ,Am Rübenkamp'. Als sie von Bergleuten bewohnt wurde, standen natürlich all die neuen Häuser noch nicht", erzählt Dirk Aries, museumspädagogischer Mitarbeiter der Zeche Hannnover.

Nah an der Seilscheibe

Er führt unsere Gruppe zwei Stunden lang durch drei Siedlungen, in denen bis zur Schließung der Zeche Hannover 1973 ein Drittel aller angestellten Bergleute mit ihren Familien lebten. "Die Bergmänner wohnten nah an den Seilscheiben", so Aries. Sie mussten möglichst schnell zu Fuß ihren Arbeitsplatz erreichen.

"Jedes dieser drei Häuser besitzt 130 Quadratmeter Wohnfläche", erklärt er, während sich die Gruppe im Kreis um den Eingang des mittleren Hauses stellt. "130 Quadratmeter - das hört sich doch für heutige Verhältnisse ganz ordentlich an!", lese ich vom Gesichtsausdruck der Leute ab. "Allerdings lebten damals 30 bis 35 Leute auf dieser Fläche", verrät Aries mit Blick in die erstaunten Gesichter. Ein Bergmann hauste damals mit seiner ganzen Familie in einem kleinen Zimmer. Nicht selten teilten sich acht Leute eine kleine Stube.

Viele Bergschäden

Wenn man heute ein paar Murmeln auf dem Boden ausschüttet, würden diese alle in eine Ecke rollen, so schief ist Untergrund einiger Häuser. "Viele haben einen Bergschaden erlitten, denn wenn Kohle abgebaut wurde, sackte der Boden nach", so Aries. Was die meisten Leute nicht wissen: Manche Teile des Ruhrgebiets sind bis zu 20 Meter tief abgesackt.

Danach werfen wir einen Blick auf das riesige Grundstück hinter den Häusern. Alle Sorten Kohl, Kartoffeln und Getreide bauten die Bergleute hier auf 3500 Quadratmetern an. "Der Lohn eines einfachen Bergmanns war nicht besonders gut. Um seine Familie durchzubringen, musste er Nahrung anpflanzen", erklärt Aries.

Weiter führt er uns durch die Kolonien "Dahlhauser Heide" und die "Eickeler Kolonie". Unter anderem betreten wir den ehemaligen "Beamten-Hof", dessen Eingang klar signalisierte, dass sich die Beamten von den einfachen Bergleuten separieren wollten. Ob man neben oder hinter den Häusern sucht, einen Garten findet man nicht. "Das war für die Beamten vom Einkommen her nicht nötig", so Aries. Auf dem riesigen Innenhof spielten früher die Kinder. Heute plätschert hier ein Springbrunnen und die Wohnungen sind von älteren Leuten bewohnt.

Sozialer Alfred Krupp

"Als Alfred Krupp 1872 die Zeche gekauft hat, hat er viel für das soziale Leben in den Kolonien getan", so Aries. Er errichtete unter anderem eine katholische und eine evangelische Grundschule.

Nur vom Hinsehen erkennt man all die interessanten Details dieser Zeit heute nicht mehr. Wenn der Blick aber durch spannende Erzählungen über die Bauweise und das alltägliche Leben ergänzt wird, kann man sich lebhaft vorstellen, wie der Bergmann damals gelebt haben muss.

Die Führung "Wohnen auf der Seilscheibe" findet bis Oktober an jedem ersten Samstag im Monat um 15 Uhr statt. Treffpunkt ist der Vorplatz der Zeche Hannover , Günnigfelder Straße 251. Die Teilnahme kostet 2,50 .