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55. Theatertreffen startet mit Frank Castorf

Berlin. Die Einladung gilt als große Auszeichnung: In Berlin trifft sich die deutschsprachige Bühnenszene beim 55. Theatertreffen. Zum Auftakt ist vom Publikum Ausdauer gefragt.

55. Theatertreffen startet mit Frank Castorf

Das Theatertreffen zeigt vom 4. bis zum 21. Mai bemerkenswerte Inszenierungen der Saison aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Foto: Annette Riedl

Stars wie Sophie Rois, Nina Hoss, Joachim Meyerhoff, Nicola Mastroberardino und Martin Wuttke treten von Freitag (4.5.) an beim 55. Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen auf.

Für das Berliner Festival wählte eine Kritiker-Jury die zehn „bemerkenswertesten“ Inszenierungen der Saison aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Die 18.000 Tickets für die Aufführungen sowie weitere Theatertreffen-Veranstaltungen sind fast restlos ausverkauft, wie die Berliner Festspiele am Mittwoch mitteilten.

„Die Auswahl des diesjährigen Theatertreffens steht für ein sehr lebendiges, spielerisch kraftvolles Stadttheater“, sagte der Leiter Daniel Richter (42) im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. „Die Inszenierungen rütteln an unserem mitteleuropäischen Selbstverständnis, das weiß, männlich und privilegiert ist“, so Richter. „Auffällig ist, dass alle Inszenierungen sehr vertraute Geschichten in neuen Versionen erzählen. Geschichten, die vor dem Hintergrund anderer Perspektiven und Erfahrungen umgeschrieben werden.“

Gezeigt werden bis zum 21. Mai Regiearbeiten unter anderem von Frank Castorf, Ulrich Rasche, Karin Henkel, Falk Richter und Thomas Ostermeier. Zum Auftakt steht am Freitagabend Castorfs letzte große Volksbühnen-Inszenierung auf dem Programm. Der frühere Volksbühnen-Intendant zeigt seine rund siebenstündige Version von Goethes „Faust“. Auf der Bühne werden unter anderem Martin Wuttke als Faust, Marc Hosemann als Mephistopheles und Sophie Rois als Hexe stehen.

Gleich drei in Berlin arbeitende Regisseure und Regieteams wurden mit ihren Inszenierungen zum Theatertreffen eingeladen. Neben Castorf ist auch Thomas Ostermeier, Künstlerischer Leiter der Berliner Schaubühne, dabei. Er zeigt „Rückkehr nach Reims“ nach dem Roman von Didier Eribon und mit Nina Hoss in der Hauptrolle. Aus Termingründen nicht gezeigt werden kann das Mammutprojekt „Nationaltheater Reinickendorf“ von Vegard Vinge und Ida Müller, das im vergangenen Sommer in der Hauptstadt Premiere hatte.

Zwei Theatertreffen-Einladungen ergatterten die Münchner Kammerspiele. Regisseurin Anta Helena Recke zeigt eine Neuinszenierung von Anna-Sophie Mahlers Roman-Adaption „Mittelreich“. Ihr Regiekollege Christopher Rüping hat Brechts Klassiker „Trommeln in der Nacht“ neu aufgearbeitet.

Zwei Schweizer Bühnen sind dieses Mal beim Theatertreffen dabei. Zu sehen ist Ulrich Rasches Büchner-Schauspiel „Woyzeck“ vom Theater Basel. Nicola Mastroberardino spielt in der spektakulären Inszenierung den Franz Woyzeck, Franziska Hackl die Marie. Karin Henkel, die am Samstag auch mit dem Theaterpreis Berlin geehrt wird, kommt mit ihrem am Schauspielhaus Zürich entstandenen, mythologischen Drama „Beute Frauen Krieg“ - in einer Fassung unter Verwendung von „Die Troerinnen“ von John von Düffel nach Euripides und „Iphigenie in Aulis“ von Soeren Voima nach Euripides.

Das Burgtheater Wien schickt die Bühnenversion von Thomas Melles Roman „Die Welt im Rücken“ nach Berlin. In der Regie von Jan Bosse spielt Joachim Meyerhoff den manisch-depressiven Patienten in einem großen Solo. Aus Hamburg kommen Falk Richters Jelinek-Inszenierung „Am Königsweg“ (Deutsches Schauspielhaus) und Antú Romero Nunes' „Die Odyssee“ nach Homer (Thalia Theater).

Das Theatertreffen endet am 21. Mai mit der Vergabe des Alfred-Kerr-Darstellerpreises für junge Schauspieler. Diesjähriger Juror ist der Schauspieler Fabian Hinrichs.

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