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60. Todestag von Stadtrat Wilhelm Stumpf: Durch ihn wurde Bochum zur Kulturstadt

BOCHUM Am 15. Januar jährt sich zum 60. Mal der Todestag von Stadtrat Wilhelm Stumpf. Daran erinnert jetzt Clemens Kreuzer (CDU). Für seine Initiative gehe das gesamte städtische Kulturangebot Bochums zurück. Kreuzer: Durch Wilhelm Stumpf wurde Bochum Kulturstadt.

14.01.2009
60. Todestag von Stadtrat Wilhelm Stumpf: Durch ihn wurde  Bochum zur Kulturstadt

Stadtrat Wilhelm Stumpf.

Zum 60. Todestag hat Clemens Kreuzer einen biografischen Abriss verfasst:

„Er war der erste Bochumer Kulturdezernent, obwohl er nie diesen Titel trug und nicht für Kulturaufgaben berufen wurde. Doch hat er fast alles das geschaffen oder in die Wege geleitet, was heute zum städtischen Kulturangebot gehört: Theater und Orchester sowie Vorgängereinrichtungen des Kunstmuseums, des Zentrums für Stadtgeschichte, der Volkshochschule und der Musikschule. Er war Gründer und langjähriger Vorsitzender des ersten Bochumer Kunstvereins und hat die Gründung der heutigen Kortum-Gesellschaft als Vereinigung für Heimatkunde angeregt. Dies alles brachte er in einem dutzend Jahren zwischen 1910 und 1922 zuwege, weitgehend aus eigenem Antrieb und kulturellem Engagement. Der Dichter Gerhard Hauptmann hat den Bochumer Stadtrat in Glückwünschen zur Vollendung des 60. Lebensjahres als „hochverehrten Initiator des berühmten Bochumer Theater- und Musiklebens“ bezeichnet.Verarmt und vergessen Bevor der seit Jahren schwer Erkrankte am 15. Januar 1949 starb, durch den Verlust seiner Wohnung im Bombenkrieg verarmt und im Nachkriegsaufbau vergessen, hat er seine letzten Lebensjahre in der Notwohnung eines Langendreerer Altenheims verbracht. In einem vervielfältigten Nachruf der Stadt hieß es zu seinem Tode: „Der Name Wilhelm Stumpf ist mit der Geschichte der Stadt Bochum unlösbar verbunden.“ Im Herbst 1953 wurde, sensibilisiert durch die Eröffnung des neu errichteten Schauspielhauses eine Straße im Ehrenfeld in Wilhelm-Stumpf-Straße umbenannt, gleichzeitig mit der Namensgebung der heutigen Saladin-Schmitt-Straße. Am 12. Juni 1903 trat der gebürtige Bochumer Wilhelm Stumpf nach abgeschlossenem Jura-Studium und anschließendem Referendariat die von der Verwaltung seiner Heimatstadt ausgeschriebene Stelle eines „juristischen Hülfsarbeiters“ an. Schon ein Jahr später wählte ihn die Stadtverordnetenversammlung einstimmig zum „besoldeten Stadtrat“. Die Stelle war neu geschaffen worden, nachdem die Bochumer Einwohnerzahl durch die Eingemeindung von Hamme, Hofstede, Grumme und Wiemelhausen schlagartig von 67 000 auf über 100 000 gestiegen und Bochum damit Großstadt geworden war. Das neue Mitglied des Magistrats war zuständig für juristische Angelegenheiten, den Schlachthof und manches mehr, nur Kultur kam in seinen Zuständigkeiten wie denen des ganzen Magistrats nicht vor.Nur eine örtliche Musikkapelle Bochumer Kulturpolitik erschöpfte sich damals noch darin, dass eine örtliche Musikkapelle und ein für die Organisation von Konzerten zuständiger Musikverein „Beihülfen“ von zusammen 6000 Mark p.a. erhielten sowie eine im Winterhalbjahr gastierende auswärtige Schauspielertruppe 1600 Mark für die Saison. Im städtischen Hau­halt erschienen diese Ausgaben zwischen den Positionen „Friedhofsverwaltung“ und „Marktwesen“. Eine zur Unterbringung privater Bücherspenden lediglich geplante „Öffentliche Lesehalle“ galt als Teil der „Städtischen Wohlfahrtspflege“. Stumpfs kulturpolitischer Weg begann um 1910/11, als das von dem Bauunternehmer Erlemann an der Königsallee privat errichtete und als Variete betriebene Apollo-Theater in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Doch die Versuche des Stadtrats, das Haus mit Hilfe eines dazu gegründeten „Theatervereins“, später im Wege eines städtischen Pachtvertrages in ein anspruchsvolles Sprech- und Musiktheater umgewandelt zu bekommen, scheiterten zunächst. Erst als die Stadt nach dem Konkurs des Ehrenfelder Bauimperiums das infolge begonnener Umbauten teilweise abgebrochene Theater im Frühjahr 1914 ersteigern konnte, schien Stumpfs Engagement erste Erfolge zu bringen. Doch da begann der 1. Weltkrieg.Theater geschaffen Trotz der kriegsbedingten Einschränkungen wurde der Aufbau der „Theaterruine“ fortgesetzt und Ende 1915 abgeschlossen. Stumpf organisierte ein Gastspielprogramm, mit dem die Bochumer Bühne von 1916 bis 1919, anfangs von Düsseldorf und Essen, dann nur noch von Essen aus mit Schauspiel- und Opern-Aufführungen bespielt wurde, allen Kriegsnöten wie dem berüchtigten „Steckrübenwinter“ 1917 zum Trotz. Genau in diesem Jahr begann er, Schritt für Schritt die Voraussetzungen für ein leistungsfähiges städtisches Orchester zu schaffen, das für Opernaufführungen, aber auch für die damals übliche musikalische Umrahmung von Stücken des Sprechtheaters erforderlich war. Mutig stellte er 1918, als es in der Schlussphase des Weltkriegs wie des Kaiserreiches drunter und drüber ging, die Weichen für die Anstellung eines Intendanten und eines eigenen Schauspielensembles. Im April 1919 eröffnete das Stadttheater mit eigenem Schauspiel, im selben Monat das neue Orchester mit einem gefeierten Konzert. Stumpfs letzter großer Schritt auf dem Gründungsweg des Theaters war im Januar 1921 die Einbeziehung eines Opern-Programms im Wege einer „Theaterehe“ mit Duisburg. Sie sah vor, dass in Bochum Schauspiel- und in Duisburg Opernaufführungen produziert und wechselseitig in regelmäßigen Gastspielen ausgetauscht wurden. Saladin Schmitt hatte die Leitung der „Vereinigten Stadt­theater Bochum-Duisburg“ und Wilhelm Stumpf wurde „Theaterdezernent“ auch in Duisburg. Die Theaterehe war erfolgreich und hielt bis 1935.Kunstverein gegründet Stadtrat Stumpf hat aber nicht nur Theater und Orchester gegründet. Schon in den ersten, noch schwierigen Nachkriegsjahren entstand neben einem Heimatmuseum und einer Volkshochschule eine Städtische Gemäldegalerie, die in den 20er Jahren in der Villa Nora alle großen Künstler der klassischen Moderne präsentierte. Um die Galerie in der Bürgerschaft zu verankern, gründete Stumpf einen Kunstverein, den er lange Zeit selbst leitete. Zur Unterstützung des Heimatmuseums regte er die Bildung der Vereinigung für Heimatkunde an, während er sich gezielt um eine Wiederbelebung der Traditionen des Maiabendfestes kümmerte. Aus den „Jugendkonzerten“ seiner Orchestergründung entwickelte sich eine städtische Sing­schule für Kinder zur musikalischen Früherziehung, die Modellcharakter auch für die ersten Musikschulen hatte. Stadtrat Stumpf war nicht nur Administrator einer neuen Bochumer Kulturpolitik, sondern auch deren „Erfinder“, der sie zunächst initiierte und in Magistrat, Stadtverordnetenversammlung und Öffentlichkeit durch­zusetzen hatte. Was er dabei während der schlimmen Jahre des Ersten Weltkriegs und der frühen Nachkriegszeit an Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen, auch an taktischem Geschick und mutigem Vorgehen und nicht zuletzt an Arbeit geleistet hat, ist kaum vorstellbar. Durch Wilhelm Stumpf wurde Bochum Kulturstadt.“