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A Tale Of Golden Keys setzen ein Ausrufezeichen

Berlin. Der Bandname mag ein wenig sperrig klingen, die Musik ist es nicht. Mit „Shrimp“ setzen A Tale Of Golden Keys aus Nürnberg zum großen Wurf an - und sind offensichlich sehr stolz auf ihr zweites Album.

A Tale Of Golden Keys setzen ein Ausrufezeichen

A Tale Of Golden Keys wandeln zwischen Neo-Folk, ein bisschen Jazz und Post-Punk. Foto: Mari Ferrari

An Selbstvertrauen fehlt es dieser Band wohl nicht. Auf ihrer Homepage schreiben A Tale Of Golden Keys unter „Info“ über ihr neues Album: „'Shrimp' dürfte in so mancher Jahresbestenliste auftauchen.“ Das ist schon mal eine Ansage.

Danach beurteilen die Website-Macher die zweite Platte der Nürnberger Band so professionell im Musikjournalisten-Stil, dass man sich als ein solcher fast schon um die eigene Arbeit gebracht fühlt. Beispiel: „Zwischen Großstadtflair und Landcharakter ist Raum, um große Melodien zu schreiben. Ein feinfühliges Schlagzeug, ein schnurrender Bass, eine warme Orgel, Gitarrenflächen und ein Klavier der Extraklasse bilden dabei die Grundlage für einen überwältigenden Gesang.“

Nun bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder man überführt das Trio aus Hannes Neunhoeffer (Gesang, Gitarre, Klavier), Florian Dziajlo (Bass) und Jonas Hauselt (Drums) der Angeberei - oder man räumt ein, dass A Tale Of Golden Keys mit „Shrimp“ (listenrecords/Broken Silence) tatsächlich ein sehr hörenswertes Album gemacht haben. Und ja, das haben sie.

Das geht schon mit dem von einer melancholischen Piano-Melodie und galoppierendem Rhythmus getragenen Opener los, der zwar „Punk Rock Hit“ heißt, aber eher irgendwo zwischen den frühen Coldplay und den Fleet Foxes einzuordnen ist. Ein Ausrufezeichen gleich zu Beginn.

Neunhoeffers heller, etwas kehliger Lead-Gesang überzeugt auch im anschließenden Lied „A Thought Caught Fire“ und im Midtempo-Track „In The Far Distance“, der einer Postpunk-nahen, verhallten Gitarre viel Raum gibt. Ein Postpunk-Einfluss lässt sich auch beim wummernden Bass von „White“ heraushören. „Restless“ hingegen tendiert Richtung Jazz-Ballade - ein Album-Highlight, wie auch der lässig dahinschlendernde Pianopop-Song „Exhale“.

A Tale Of Golden Keys schaffen es erstaunlicherweise, trotz der oft mächtig aufgepumpten Produktion ihrer eingängigen Songs schieren Bombast oder Kitsch zu vermeiden. Darin unterscheidet sich das selbstbewusste zweite Album der Franken am Ende dann also gar nicht so sehr vom Debüt „Everything Went Down As Planned“ (2015).

Das Trio sei bemüht gewesen, den Flow aus vielen Konzerten „ins Studio zu transportieren und auf Platte zu bannen“, heißt es vom Label. Das ist hörbar gelungen - „Shrimp“ klingt, trotz der offenkundig hohen Erwartungshaltung aller Beteiligten, nicht verkrampft oder überproduziert. Ob es tatsächlich für die Jahresbestenlisten reicht - schau'n wir mal.

Tourdaten: 21.3. Ostpol, Dresden; 22.3. Lido, Berlin; 23.3. Z-Bau, Nürnberg; 24.3. Cairo, Würzburg; 4.4. Prinzenbar, Hamburg; 5.4. Yuca, Köln; 6.4. Nörgelbuff, Göttingen; 7.4. Kulturclub Schon Schön, Mainz; 17.5. Franz.K, Reutlingen; 19.5. Milla, München; 20.5. Oben Air Festival, Zell.

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