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Pannenreaktor Tihange

Aachen könnte unbewohnbar werden

AACHEN Es ist nur ein Szenario: Aachen verstrahlt und unbewohnbar nach einem atomaren Katastrophenfall im belgischen Kernkraftwerk Tihange. Eine Risiko-Studie der Städteregion Aachen bestätigt jetzt aber die schlimmsten Befürchtungen - nicht nur für Aachen.

Aachen könnte unbewohnbar werden

Dampf steigt aus dem Atomkraftwerk Tihange. Foto: Oliver Berg/Archiv

Bei einer Reaktorkatastrophe im belgischen Kernkraftwerk Tihange könnten Aachen und die Region einer Studie zufolge stark verstrahlt werden. „Wenn ein Unfall passiert, dann wird mit einer Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent Aachen unbewohnbar“, sagte Prof. Wolfgang Renneberg vom Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften an der Universität für Bodenkultur in Wien zur Vorstellung am Donnerstag in Aachen.

Die Wahrscheinlichkeit einer so hohen Belastung sei in anderen Teilen des Landes kleiner. „Aber man kann nicht sagen, nur Aachen ist betroffen oder die enge Region um Aachen, sondern das geht weit darüber hinaus.“ Ganz NRW sei „mehr oder weniger“ betroffen.

Die Wissenschaftler berechneten mit repräsentativen Wetterdaten die Wahrscheinlichkeit für eine atomare Belastung wie 1986 in den umgesiedelten Gebieten nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Auftraggeber der Studie ist die Städteregion Aachen, die mit Nachdruck ein dauerhaftes Abschalten von Tihange 2 fordert. Im Gegensatz zu deutschen Experten hat die belgische Atomaufsicht keine Sicherheitsbedenken. 

Tausende Haarrisse

2012 waren Tausende Haarrisse im Reaktorbehälter Tihange 2 rund 70 Kilometer von Aachen entfernt festgestellt worden. Der Meiler wurde im März 2014 wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet und war trotz der Haarrisse im Dezember 2015 wieder ans Netz gegangen. Die belgische Atomaufsicht hatte angeordnet, die Risse alle drei Jahre auf Größe und Anzahl zu kontrollieren. Da es grundsätzlich für eine so sicherheitsrelevante Komponente wie den Reaktorbehälter keine Schadensannahme gibt, gibt es auch keine Sicherheitssysteme für den Fall eines Versagens.

Deutsche Experten sind nicht überzeugt, dass der Meiler mit Tausenden kleinen Rissen bei Störfällen sicher ist. Die belgischen Atomaufsichtsbehörde AFCN hatte eine Bitte der Bundesregierung abgelehnt, Tihange 2 und auch Doel 3 bei Antwerpen mit dem gleichen Problem bis zur Klärung offener Sicherheitsfragen herunterzufahren. 

Die Atomkraftwerke Doel bei Antwerpen und Tihange bei Lüttich decken mit ihren Lieferungen 55 Prozent des belgischen Stromverbrauchs ab. Seit Jahren machen die Meiler mit Pannen Schlagzeilen:

  • Anfang Juni 2012: Die belgische Atomaufsicht AFCN legt den Block 3 in Doel still, weil feine Risse im Reaktorbehälter entdeckt wurden.
  • 3. Juni 2013: Nach Sicherheitsüberprüfungen wegen der Haarrisse wird Block 3 in Doel wieder in Betrieb genommen. Der aus den gleichen Gründen abgeschaltete baugleiche Block 2 in Tihange geht vier Tage später wieder ans Netz.
  • 25. März 2014: Die Reaktorblöcke Doel 3 und Tihange 2 werden erneut abgeschaltet. Grund seien unerwartete Ergebnisse bei Sicherheitstests, meldet die belgische Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf den Betreiber Electrabel. Später wird auch Block 4 in Doel wegen der Störung einer Dampfturbine im nicht-nuklearen Teil abgeschaltet.
  • 30. November 2014: Tihange 3 geht als vierter belgischer Reaktorblock vom Netz. Nach einer Explosion war einer der Transformatoren in Brand geraten.
  • 19. September 2015: Wegen eines Problems an einer Wasserpumpe wird Block 1 in Tihange automatisch abgeschaltet.
  • 19. Dezember 2015: Block 1 in Tihange schaltet sich nach einem Brand in einem nicht-nuklearen Bereich erneut automatisch ab.
  • 25. Dezember 2015: Vier Tage nach dem Wiederhochfahren - nach gut eineinhalbjähriger Pause - muss Doel 3 wieder vom Netz. An einer Heißwasserleitung war ein Leck entdeckt worden.
  • 2. Januar 2016: Doel 1 liegt wegen Turbinenproblemen still.  
  • 23. Februar 2016: Nach Auffälligkeiten an einer Pumpe geht Tihange 1 für Kontrollen vom Netz.  
  • 7. April 2016: Wegen eines Fehlers im nuklearen Teil der Anlage Doel wird Block 1 abgeschaltet.

Von dpa

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