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Abkehr von der Strenge: Die Mode wagt wilde Muster-Spiele

Paris (dpa) Der Modewind dreht sich im Frühling. Die dezenten Entwürfe, die diesen Winter bestimmten, die gedeckten Farben und klaren Formen weichen in der nächsten Saison einem Ansturm von wild gemixten Mustern, Ethno-Elementen und rauschenden Chiffonkleidern.

Konstatierte das «Time»-Magazin vor kurzem noch einen Trend zu einem bewussteren Konsum mit dem Fokus auf edlen, langlebigen eher schlichten Kleidern, so geht es nun in die Vollen. «Eine Kakophonie von Farben und Drucken», schrieb die «Herald Tribune» über die Damenmode für Frühjahr/Sommer 2008. «Nichts für graue Mäuschen», meint das Branchenorgan «TextilWirtschaft».

In der Tat müssen Frauen schon über eine gewisse Stärke und Souveränität verfügen, wenn sie etwa die zweiteiligen Anzüge in Waldfarben tragen wollen, die Miuccia Prada kürzlich bei den Mailänder Stilisten-Schauen präsentierte. Auf ihnen prangen satte Blüten und nackte Elfen, gepinselt in einem Mix aus moderner Kunst und Comic-Kitsch - die ganze Kollektion wirkte wie eine Mischung aus Fantasy und Burleske. Und dabei dank der schimmernd schönen Farben dennoch harmonisch. Die Frau wird hier via Kleidung in eine surreale Welt entführt.

Anderswo, etwa bei Dries van Noten, der in Paris seine Entwürfe zeigte, kann sie in Mustern aus allen Erdteilen schwelgen. Der Antwerpener, der als Meister im Kombinieren von Stoffen und Farben gilt, propagierte ein vollkommenes Patchwork, Röcke in einem Schilfmuster etwa zur afrikanischen Batik-Wickeljacke und einer Bluse mit einem expressionistisch anmutenden Blütendruck. Das Ganze wurde mit einem Computer erzeugt und wirkte nicht folkloristisch, sondern zutiefst modern.

Van Noten und Prada zählen einer Umfrage der «TextilWirtschaft» unter internationalen Top-Händlern und führenden deutschen Moderedakteuren zufolge zu den Leitbildern der kommenden Saison. Balenciaga, Stella McCartney, Marc Jacobs, Dolce & Gabbana und sogar die sonst eher klassische Marke Oscar De La Renta wurden ebenfalls genannt. McCartney etwa steht im Frühjahr für einen weiblichen Hippie-Schick mit einem Blütenmeer an Drucken, Dolce & Gabbana für romantische handbemalte Kleider und De La Renta für afrikanische Ethno-Prints, gemixt mit westlicher Couture.

All diesen Kollektionen ist ein Hang zu Dekoration, Weiblichkeit und Farbe gemein. Die Mode scheint wieder Stoff für Träume bieten zu wollen. Und das stellt vordergründig einen extremen Kontrast zur bald vergangenen Saison dar, die sich stark mit Form und Architektur befasste und der eine gewisse Strenge eigen war. Doch natürlich ist auch die in Muster verliebte modische Flucht aus der Alltagswelt nur ein Trend unter anderen, allerdings der spektakulärste von allen.

Im kommenden Frühjahr gibt es durchaus auch sportivere Entwürfe. «Die Auseinandersetzung mit Modernität begann in der vorigen Saison bei den Formen und Proportionen und setzte sich bei den Materialien und Farben fort. Nun sind wir dabei auszuloten, wie Dessins in das moderne Leben der Frauen passen», sagt Elke Giese, Ressortleiterin Mode des Deutschen Mode-Instituts (DMI). «Für mich funktionieren die neuen Dessins nur in Verbindung mit modernem Casual Chic, der Funktionalität und Attraktivität verbindet und sich als gültiger metropolitaner Stil herausgebildet hat.»

Alltagstauglichkeit und Schönheit verband zum Beispiel die ebenfalls als wegweisend geltende Kollektion von Stefano Pilati für Yves Saint Laurent. Pilati verzichtete weitestgehend auf dekorativen Schnickschnack und experimentierte gekonnt mit konisch zulaufenden Hosenformen und sehr eleganten lockeren Jacken mit betonten Schultern. Und sein Kollege Nicolas Ghesquière rahmt seine Blütendrucke regelrecht ein. Seine verspielten Muster werden durch skulptural wirkende Schnitte in eine strenge Form gebracht. Und auch hier scheint das Bild einer starken souveränen Frau hervor, die es sich leisten kann, mit Stilen zu spielen, und dabei nicht die Bodenhaftung verliert.

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