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Abstiegskampf: Wolfsburg irrlichtert im Tabellenkeller

Sinsheim. Der Effekt des Trainerwechsels ist beim VfL Wolfsburg fast so schnell verpufft wie beim Hamburger SV. Bruno Labbadia und sein Team werden in Hoffenheim vorgeführt.

Abstiegskampf: Wolfsburg irrlichtert im Tabellenkeller

Wartet weiterhin auf seinen ersten Sieg als Wolfsburg-Coach: Bruno Labbadia. Foto: Uwe Anspach

Der VfL Wolfsburg irrlichtert im Tabellenkeller umher und findet auch unter Bruno Labbadia den Treppenaufgang nicht. Beim 0:3 (0:1) am Samstag bei 1899 Hoffenheim blieben die Niedersachsen nicht nur im dritten Spiel unter dem neuen Chefcoach sieglos.

Der Tabellen-15. vermittelte vor allem einen Eindruck: Wenn diese hochambitionierte Truppe nicht ganz schnell Abstiegskampf lernt, dann muss sie - sofern nicht sogar Schlimmeres droht - wie im vergangenen Jahr in die Relegation. Labbadia erklärte das Dilemma so: „Das Problem dieser Mannschaft ist, dass viele Spieler über das Fußballspielen kommen. Da kann man jetzt nicht anfangen rumzugrätschen.“

Wolfsburg muss in der Bundesliga wohl auf die Schwächen der Konkurrenten FSV Mainz 05, Hamburger SV und 1. FC Köln hoffen. Die eigenen Stärken waren am Samstag allenfalls zu erahnen, wenn hochveranlagte Profis wie Yunus Malli oder Daniel Didavi in der Anfangsphase seltene lichten Momente hatten. Mit dem 1:0 durch Nico Schulz in der 18. Minute hatte Hoffenheim dem Gegner schon den Stecker gezogen - und stürmte unablässig Richtung gegnerisches Tor.

„Das ist eine Verunsicherung, die jeder, der schon einmal Abstiegskampf erlebt hat, kennt. In der Organisation haben wir total unseren Kopf verloren und dann auch zu einfach Torchancen zugelassen. Das ist ein kollektives Versagen in dem Moment“, sagte Labbadia. Der 52-Jährige hatte mit seinem Club erst 1:1 in Mainz gespielt und dann 1:2 gegen Leverkusen verloren. Seine Erkenntnis nach dem dritten Spiel: „Wenn man über das Fußballspielen kommt, verliert man eher das Selbstvertrauen, als wenn man über das Zweikampfverhalten kommt.“

Nicht gerade aufgebaut hat Labbadia seine Sturmspitze Divock Origi. Die belgische Leihgabe vom FC Liverpool nahm der VfL-Trainer drei Minuten vor der Halbzeit vom Platz. Origi, der den in der Winterpause zum VfB Stuttgart abgewanderten Mario Gomez ersetzen soll, reagierte sichtlich irritiert. „Das war nicht das, was wir unter der Woche mit ihm vereinbart hatten“, sagte Sportdirektor Olaf Rebbe, als habe Origi auf dem Trainingsplatz irgendetwas unterschrieben.

Für Labbadia kam's nach der Pause knüppeldick: Der für Origi eingewechselte Josip Brekalo musste bereits in der 54. Minute mit Verdacht auf Gehirnerschütterung wieder raus. Serge Gnabry (77.) sorgte dann mit dem überfälligen 2:0 in der 77. Minute für die Entscheidung zugunsten der Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann.

Vor 25 550 Zuschauer in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena sorgten die Wolfsburger noch für eine Slapstick-Einlage: Robin Knoche schoss im eigenen Strafraum Joshua Guilavogui an, von dessen Bein aus ging der Ball zum 0:3 (80.) ins Tor.

Die wenigen mitgereisten Fans ignorierten die VfL-Profis schlichtweg, als diese in die Gäste-Kurve trotteten, und kehrten dem Verlierer den Rücken. „Wenn wir so weitermachen, dann wird es sehr, sehr schwierig“, sagte Kapitän Paul Verhaegh.

Rebbe fiel nach diesem desaströsen Auftritt nicht viel ein außer Plattitüden wie: „Die Mannschaft hat sich viel vorgenommen.“ Ob's langsam peinlich wird? „Ich glaube, das ist der falsche Eindruck.“

Eine Hoffnung darf er haben: Wenn schon die Mannschaft nicht Abstiegskampf kann, dann müssten der Trainer und einige Spieler wenigstens Relegation können: Schließlich rettete sich der VfL im vergangenen Jahr gegen den Zweitligisten Eintracht Braunschweig. Und 2015 blieb Labbadia mit dem Hamburger SV nach einem denkwürdigen Relegations-Rückspiel in Karlsruhe in der Liga.

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