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Adam James Sorensen: Folksongs als großes Kopfkino

Berlin. Oft sind die zunächst unauffälligen Alben am nachhaltigsten. So könnte es Americana-Fans mit „Dust Cloud Refrain“ von Adam James Sorensen ergehen - neun prächtige kleine Folksongs, die auf eine große Reise mitnehmen.

Adam James Sorensen: Folksongs als großes Kopfkino

Mit Adam James Sorensen kann man durch die USA reisen. Foto: Continental Song City/Continental

Eine Kopfkino-Platte: Man sieht bei dieser Musik endlose US-Landschaften vor sich, schnurgerade Highways durch eher unspektakuläre Bundesstaaten, ärmliche Kleinstädte. Adam James Sorensen hat dafür einen kongenialen Panorama-Soundtrack geschrieben.

„Dust Cloud Refrain“ (Continental Song City/Continental/H'art) heißt das neue Werk des Singer-Songwriters aus Chicago, das schon jetzt zu den schönsten Folk-Alben dieses Jahres gezählt werden darf. Das fängt an beim atmosphärischen Plattencover (ein einsamer Oldtimer auf einer Landstraße vor einer riesigen dunklen Staubwolke - siehe Albumtitel). Es geht weiter bei den gar nicht kargen, aber zum Glück auch nie überladenen Arrangements mit Standbass, Gitarren, Pedal Steel, Banjo, Klavier, Streichern.

Die nachdenklichen, eindringlichen Texte spiegeln neben Alltags- und Beziehungsthemen die Impressionen einer Reise quer durch die Staaten. Wie sein großes Hobo-Vorbild Woody Guthrie streift Sorensen dabei durch diverse Städte und Regionen des Landes, etwa im beschwingten Opener „Steam Train“ (Brooklyn, New Orleans), in der herrlichen Ballade „Jane Dudley“ (Okemah, San Antone) oder im bluesigen „Boxcar“ (Salt Lake City, Chicago, New York).

Die Sahne auf dem Kuchen ist schließlich die angenehm lakonische, zugleich oft sehr melancholische Stimme dieses Songwriters, der in Deutschland noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt ist (im Gegensatz zu Belgien und den Niederlanden). Der nächstliegende Vergleich zu „Dust Cloud Refrain“ ist wohl Bruce Springsteens Folk-Meisterwerk „Nebraska“ (1982), wenngleich Sorensens Schilderungen nicht gar so düster klingen.

Auch wer die aktuelleren Lieder eines Joe Henry mag, mit dessen nasaler Stimme aber nicht so gut klarkommt, der kann bei Sorensen unbesorgt andocken. Henry hatte ja erst kürzlich zusammen mit dem Briten Billy Bragg ein ganz ähnliches USA-Durchreise-Projekt in einem sehr gelungenen Country-Folk-Album umgesetzt („Shine A Light“ von 2016).

Nun erzählt also auch Adam James Sorensen auf berückende, berührende, beruhigende Weise in neun Songvignetten von einem trotz aller politischen Turbulenzen weiterhin atemberaubend faszinierenden Riesenland. Mit einer nur auf den ersten Blick „kleinen“ Americana-Platte, die glücklich machen kann.

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