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Ängste mindern Bereitschaft zur Organspende

Neues Transplantationsgesetz

Mit dem neuen Transplantationsgesetz verbindet sich die Hoffnung, dass sich mehr Menschen als bisher nach ihrem Tod als Organspender zur Verfügung stellen. Doch das Thema ist mit vielen Ängsten besetzt.

WITTEN

von Von Irene Steiner

, 31.05.2012

„Viele Menschen sagen: Für mich würde ich das machen. Aber bei meiner Frau will ich das nicht!“, sagt Dr. Thomas Meister, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Transplantationsbeauftragter, am Evangelischen Krankenhaus. „Der Hauptknackpunkt ist, dass die Leute die latente Sorge haben, ob der Hirntod wirklich der Tod ist“, sagt Dr. Meister. Denn erst mit der Feststellung des Hirntods wird eine Organspende möglich. Zwei Ärzte müssen den Hirntod diagnostizieren. Und dafür gibt es klare Kennzeichen: „Wenn zum Beispiel noch ein Atemantrieb da ist oder ein Reflex, wenn bei einer Reizung der Bindehäute noch ein Blinzeln zu erkennen ist, dann ist der Patient nicht hirntot“, nennt Dr. Meister nur einige der Kriterien.

Unabhängig voneinander müssen die Ärzte den Hirntod feststellen und erst dann kann daran gedacht werden, ob die Organe des Verstorbenen einem anderen todkranken Menschen vielleicht übertragen werden können. Doch bevor dieser Prozess in Gang kommt, gilt es sicherzustellen, dass der Verstorbene die Organspende gewollt hat. Ein Organspenderausweis gilt als ausdrückliche Willenserklärung: „Da können in der Regel auch die Angehörigen nicht gegen angehen“, so Meister. Wenn kein Spenderausweis vorliegt, dann suchen die Ärzte das Gespräch mit den Angehörigen. „Dabei gilt es herauszufinden, wie der mutmaßliche Wille des Verstorbenen war. Wie war sein soziales Verhalten? Wie hat er sich zur Organspende gestellt? Das gilt es einvernehmlich mit den Angehörigen herauszufinden“, so Meister.

Ein schwieriges Gespräch, doch sowohl Dr. Meister wie auch Dr. Krösche, sehen in der Betreuung der Angehörigen in dieser Situation eine ihre wichtigsten Aufgaben. „Es geht auch darum, die Angehörigen aufzuklären.“ Ängste löst zum Beispiel der Umstand aus, dass der Kreislauf des Verstorbenen bei einer Organspende weiter aufrechterhalten wird. Ein eventuelle Patientenverfügung steht dem nach Ansicht von Dr. Meister nicht entgegen: „Die Patientverfügung ist für die Kranken. Mit dem Hirntod ist ein Mensch verstorben.“

Ein Interview mit Dr. Jens Krösche, dem Leitenden Oberarzt der Anästhesie am Marien-Hospital, zum Ablauf der Organspende finden Sie in der Printausgabe der Ruhr Nachrichten vom 31. Mai.