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Ära von Wolfgang Wagner beendet

Bayreuth (dpa) Mit den 97. Richard-Wagner-Festspielen ist am Donnerstag auch die Ära Wolfgang Wagner am «Grünen Hügel» zu Ende gegangen. Der knapp 89-Jährige stand seit 1951 ununterbrochen an der Spitze des weltweit renommierten Opernfestes.

Ära von Wolfgang Wagner beendet

Katharina Wagner mit ihrem Vater Wolfgang Wagner bei dessen interner Abschiedsfeier.

Wenige Stunden vor der letzten Aufführung dieser Spielzeit, Stefan Herheims «Parsifal»- Neuinszenierung, würdigten langjährige Weggefährten Wagners einzigartiges Lebenswerk mit minutenlangen Ovationen und Bravorufen. Viele Mitarbeiter und Künstler hatten Tränen in den Augen. Am kommenden Montag (1. September) wird der Stiftungsrat Wagners Nachfolger bestimmen. Als Favoriten gelten seine beiden Töchter Katharina und Eva.

Gemeinsam mit Hausdirigent Christian Thielemann, Bayerns Kunstminister Thomas Goppel (CSU) und Wagners Schwester Verena präsentierten sich der Patriarch und die Halbschwestern den Fotografen. Auf einem thronähnlichen Stuhl sitzend quittierte Wagner die Laudatio seines Sprechers Peter Emmerich mit einem unsentimentalem Lächeln und einem freundlichen Winken - selber etwas sagen wollte er nicht.

Nach der Vorstellung würdigte am späten Abend auch Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) die Lebensleistung Wagners. «Eine herausragende Persönlichkeit der Opernwelt verlässt die Bühne», sagte Beckstein laut Mitteilung der Staatskanzlei. Wagner habe mit großer Vielseitigkeit und mit unbezwingbarer Gestaltungskraft den «Grünen Hügel» zum Klingen gebracht und musikalischen Zauber verbreitet. «Bayreuth war unter ihm ein Brennpunkt künstlerischer Auseinandersetzung», betonte Beckstein.

Bayerns Kunstminister Thomas Goppel stellte Wagners Doppelrolle als Regisseur und großartigen Theaterorganisator heraus. Als «wagemutiger Taktiker und pragmatischer Visionär» habe Wagner das Werk seines Großvaters vom 19. ins 21. Jahrhundert geführt. Nirgendwo lasse sich die Geschichte des Musiktheaters nach 1945 besser ablesen als in Bayreuth. Als Beispiele nannte Goppel die Neu-Bayreuther Inszenierungen von Wieland und Wolfgang Wagner, den legendären «Ring» von Patrice Chéreau und die aktuellen Inszenierungen von Christoph Marthaler und Stefan Herheim.

Festspielsprecher Peter Emmerich erklärte, für alle Mitwirkenden sei Wagner «Prinzipal, Chef und nicht zuletzt auch eine Vaterfigur» gewesen - «keine von übermenschlicher oder gar furchteinflößender Dimension, vielmehr das genaue Gegenteil, nämlich zutiefst menschlich und verständnisvoll, um den einzelnen nicht minder besorgt als ums Ganze». Wolfgang Wagner und die Festspiele seien vollständig miteinander verschmolzen «in einer einzigartigen wie absoluten Institution», sagte Emmerich. Ausgestattet mit einem untrüglichem Gespür für das praktisch Machbare und Nötige sei er immer unprätentiös und pragmatisch vorgegangen.

Seit 1951 trug Wagner zunächst mit seinem Bruder Wieland und ab 1966 alleine Verantwortung für insgesamt 1706 Aufführungen. Für die jeweils 30 Aufführungen pro Spielzeit im 1925 Plätze fassenden Festspielhaus liegt seit Jahrzehnten ein Vielfaches an Kartenwünschen vor. Neben der Neuinszenierung des «Parsifals» standen in diesem Jahr «Der Ring des Nibelungen» in der Regie von Tankred Dorst, Christoph Marthalers «Tristan und Isolde» sowie Katharina Wagners «Meistersinger»-Interpretation aus dem Vorjahr auf dem Programm.

Im kommenden Jahr wird es bei den Bayreuther Festspielen keine Neuinszenierung geben. 2010 kommt ein neuer «Lohengrin» in der Regie von Hans Neuenfels heraus. Für die musikalische Leitung wurde der junge lettische Dirigent Andris Nelson verpflichtet. Zu den 100. Festspielen im Jahr 2011 steht ein neuer «Tannhäuser» in der Inszenierung von Sebastian Baumgarten an. Der Dirigent ist noch nicht bekannt.

Ein Jahr später folgt - von einem noch nicht benannten Regisseur - eine Neuinszenierung von «Der fliegende Holländer», die Christian Thielemann dirigieren soll. 2013, zum 200. Geburtstag Richard Wagners, ist ein neuer «Ring des Nibelungen» geplant. Regieteam und Dirigent stehen noch nicht fest. Bereits seit Längerem wird spekuliert, dass Katharina Wagner auch die «Ring»-Neuinszenierung übernehmen werde. Bekannt ist, dass die 30-Jährige im Jahr 2015 die Oper «Tristan und Isolde» auf die Bühne des Festspielhauses bringen soll. Als Dirigent ist Christian Thielemann vorgesehen.

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