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Ärger über Videoassistenten in England

London. Tottenham Hotspur besiegt im Wiederholungsspiel des FA Cup einen Drittligisten mit 6:1 (1:0). Über das Ergebnis spricht niemand, aber der Einsatz des Videoassistenten sorgt für Diskussionen. Die Fans sind genervt, ein Trainer warnt und die Presse schimpft.

Ärger über Videoassistenten in England

Tottenhams Kyle Walker-Peters (M) trifft zum 6:1 gegen den AFC Rochdale. Foto: Nick Potts/PA Wire

Eigentlich hätte der Premier-League-Vierte Tottenham Hotspur nach dem 6:1 (1:0) im FA Cup gegen Drittliga-Schlusslicht AFC Rochdale zufrieden sein können - wenn die Probleme mit dem Videobeweis nicht wären.

Die Partie im Wembley-Stadion wurde von zahlreichen Unterbrechungen durch den Video-Assistenten (VAR) überschattet. Das sorgte wieder einmal für Diskussionen. „Ich bin mir nicht sicher, ob dieses System hilft“, sagte Spurs-Coach Mauricio Pochettino nach dem Spiel. Dass Fernando Llorente in nur zwölf Minuten ein Hattrick gelungen war, geriet in den Hintergrund.

Vor allem in der ersten Halbzeit hatte Schiedsrichter Paul Tierney den Video-Assistenten für mehrere Entscheidungen konsultiert. Zwei Spurs-Tore wurden danach aberkannt. Dazu gehörte auch ein Treffer durch einen Strafstoß, der erst nach VAR-Rücksprache gegeben worden war. „Die erste Hälfte war ein bisschen peinlich für alle“, resümierte Pochettino. Insgesamt fünf Treffer im Spiel wurden erst nach VAR-Bestätigung anerkannt. Beide Teams hatten sich im ersten Pokalduell vor zehn Tagen in Rochdale 2:2 (0:1) getrennt, so dass ein Wiederholungsspiel in London fällig geworden war.

Spieler und Fans mussten im verschneiten Wembley-Stadion jedes Mal minutenlang auf die Entscheidung warten. „Fußball ist ein Spiel der Emotionen und wir müssen aufpassen, dass wir das nicht kaputtmachen“, warnte Pochettino. „Wenn wir nach einem Tor nicht jubeln können, weil wir zwei Minuten auf die Entscheidung warten, kaufe ich dann noch ein Ticket?“ Ähnlich hatten sich zuvor schon Liverpool-Trainer Jürgen Klopp und Coach José Mourinho von Manchester United geäußert.

„Glücklicherweise hat es den Gastgebern nicht den Abend ruiniert“, schrieb BBC Sport. Andere britische Medien übten schärfere Kritik. Die Zeitung „Independent“ sprach nach dem Spiel von einem „grotesken Abend“ und einer „VAR-Farce“. Und „The Telegraph“ schrieb: „Wenn das ein Ausblick auf die Zukunft war, wenn die Maschinen übernehmen und nichts mehr dem Zufall überlassen wird, dann können Fußballfans auch ihr Geld sparen und die Roboter machen lassen“. In Wembley machten sie ihrem Ärger schon mit lautstarken Buhrufen Luft.

„Ich helfe gern und versuche, zu analysieren und es besser zu machen, wenn wir das System nutzen“, sagte Pochettino, der mit Tottenham im Pokal-Viertelfinale auf Swansea City trifft. Noch befindet sich der VAR im englischen Profi-Fußball in einer Testphase. Wenn es nach dem Spurs-Trainer geht, soll das vorerst so bleiben. „Ich denke, wir sind uns alle einig, nachdem wir das Spiel heute gesehen haben, dass es für die nächste Saison vielleicht zu früh kommt.“

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