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Ärzte planen Patientenbox für Krankenhaus ohne Stress

Greifswald (dpa) Ein Patient wacht nach einer schweren OP auf. Statt in einem großen Raum mit einer grell leuchtenden Lampe, neben anderen Frischoperierten und inmitten des Piepsens der Überwachungsgeräte findet sich der Kranke in einem abgeschirmten Refugium wieder.

Ärzte planen Patientenbox für Krankenhaus ohne Stress

Intensivmediziner Dr. Ulrich Blumenthal zeigt in der Universitätsklinik Greifswald den Entwurf einer neuartigen Patientenbox. (Bild: ZB-Funkregio Ost)

Leise Musik dringt an sein Ohr, das Licht ist gedimmt, eine wohlige Temperatur umgibt ihn. Die Geräte stehen nicht wahrnehmbar außerhalb des Raumes. Solche Szenarien sind bisher - wenn überhaupt - nur in wenigen Privatkliniken Realität.

Greifswalder Mediziner entwickeln nun zusammen mit Akustikern, Psychologen und Medizintechnikern eine leicht zu installierende, mehr als drei mal zwei Meter große Patientenbox, in denen die Kranken zwar in den Aufwachräumen - aber abgeschirmt von anderen Patienten - wieder ins Leben eintauchen. «Der Patient soll sich nicht dem Raum, sondern der Raum dem Patienten anpassen», beschreibt der Intensivmediziner Ulrich Blumenthal das Konzept der Patientenbox.

Große Säle mit bis zu 30 Betten gehören zwar längst der Vergangenheit an, doch es gibt in Krankenhäusern immer noch Bereiche, in denen deutlich in die Privatsphäre der Patienten eingegriffen wird. «Leider», wie der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Michael Wendt, äußert. In den OP-Vorbereitungs- und Aufwachräumen oder Notaufnahmen trennen Vorhänge oder schmale spanische Wände die Kranken voneinander. Solche Räume ermöglichen es dem Krankenhauspersonal, schnell Komplikationen in der sensiblen Aufwachphase zu erkennen. Doch der Patient erlebt sich in einer hilflosen und möglicherweise auch peinlichen Situation. Im Intensivbereich sind Mehrbettzimmer in deutschen Krankenhäusern Standard. «Einzelzimmer sind für Intensivstationen im Hochschulbau nicht vorgegeben», sagt Professor Wendt. In dieser Atmosphäre könne der Privatbereich des Patienten nur schwer geschützt werden.

Ein mobiler Raum aus schallschluckenden Wänden, der negative Einflüsse fernhält, könne ohne große bauliche Veränderungen Abhilfe schaffen. Bereits mit Inbetriebnahme des zweiten Bauabschnittes des Greifswalder Uni-Klinikums 2009/2010 sollen die Patientenboxen in den Vorbereitungs- und Aufwachbereich des Operationstraktes integriert werden, wie Wendt erläutert. Kooperationspartner sind Akustiker des Fraunhofer Instituts in Darmstadt und Medizintechnikfirmen.

Dass Farben, Gerüche und Geräusche Einfluss auf den Gesundungsprozess haben, ist seit langem durch Studien belegt. Bereits 1983 wies der amerikanische Forscher Roger S. Ulrich von der University of Delaware nach, dass Gallenblasenpatienten, die vom Patientenzimmer aus auf einen Garten blicken, schneller gesund werden als jene, die auf eine Steinmauer schauen. Gerade bei Langzeitpatienten könnten die psychologischen Erkenntnisse über die stimulierende Wirkung von Farben und Geräuschen genutzt werden, um den Gesundungsprozess zu forcieren, sagt Blumenthal von der Greifswalder Forschungsgruppe «patient environment» (Patientenumfeld).

Neue Multimediatechnik wie ein Beamer an der Wand, der beruhigende oder aufmunternde Bilder von Landschaften oder der Familie zeige, sowie eine auf die individuellen Bedürfnisse abstimmbare Farb-, Licht- und Temperatursteuerung sollen dabei zum Einsatz kommen. Gerade die Nachttemperaturen sorgten in Mehrbettzimmern immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen den Patienten. Dabei stärke ein erholsamer Nachtschlaf das Immunsystem des Menschen, so die Wissenschaftler. Mit der Box könne ein privater Raum für jeden einzelnen Patienten geschaffen werden, ist Blumenthal überzeugt. «Damit kann das sich das Krankenhaus langfristig von einem offenen Massenbetrieb zu einem Ort der Individualmedizin entwickeln.»

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