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Afghanistan-Einsatz schreckt Bundeswehr-Bewerber ab

Kabul/Berlin (dpa) - Am Tag nach dem Anschlag auf die Bundeswehr im afghanischen Kundus haben die Soldaten dort mit einer Trauerfeier Abschied von ihrem getöteten Kameraden genommen. Unterdessen laufen der Bundeswehr laut Zeitungsberichten wegen des Afghanistan-Einsatzes immer mehr Bewerber davon.

Afghanistan-Einsatz schreckt Bundeswehr-Bewerber ab

Junge Rekruten sprechen auf einem Marktplatz die Gelöbnisformel. (Archivfoto)

«Der gefallene Kamerad wurde sehr würdig verabschiedet», sagte ein Bundeswehr-Sprecher am Donnerstag in Kundus. Danach sei die Leiche zum Luftwaffenstützpunkt Termes in Usbekistan geflogen worden. Die Ankunft des Toten in Deutschland werde «nach derzeitigem Stand» am Samstag erwartet.

Der 29 Jahre alte Hauptfeldwebel war am Mittwoch bei einem Sprengstoffanschlag getötet worden, zu dem sich die radikalislamischen Taliban bekannten. Auch die drei deutschen Soldaten, die bei dem Anschlag leicht verletzt worden waren, seien an Bord der Maschine und würden zurück nach Deutschland fliegen, hieß es. Sie hatten auf eigenen Wunsch an der Trauerfeier im zivil- militärischen Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus teilgenommen.

Der Sprecher sagte, die afghanischen Mitarbeiter im PRT hätten ihre Trauer über den Anschlag zum Ausdruck gebracht. Auch ihre Familien schämten sich. «Die Afghanen wissen, dass die (Internationale Afghanistan-Schutztruppe) ISAF hilft.» Der Anschlag war der dritte Angriff auf die Bundeswehr im August. Der Bundestag entscheidet Anfang Oktober über eine Verlängerung des Bundeswehr- Mandats in Afghanistan. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) will das deutsche Kontingent von 3500 auf 4500 Mann aufstocken.

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Ulrike Merten (SPD), forderte eine Überprüfung des Konzepts für den Afghanistan-Einsatz. Dem rbb-Inforadio sagte sie: «Die Lage hat sich in allen Regionen des Landes zugespitzt(...) Daraus muss man Konsequenzen ziehen.» Wichtig sei, dass die NATO für das ganze Land eine zusammenhängende Strategie entwickele. Die FDP-Abgeordnete Elke Hoff sagte der «Frankfurter Rundschau» (Donnerstag), der Anschlag zeige erneut, dass schnellstmöglich moderne geschützte Fahrzeuge beschafft werden müssten. Die Verzögerung bei Anschaffungen habe Minister Jung (CDU) zu verantworten.

Der Bundeswehr laufen laut Zeitungsberichten wegen des gefährlichen Einsatzes in Afghanistan immer mehr Bewerber und Führungskräfte davon. Die freiwilligen Meldungen junger Männer seien im Vergleich zum Vorjahr um rund 60 Prozent zurückgegangen, berichtete die «Rheinische Post» (Donnerstag) unter Berufung auf eine interne Statistik der Bundeswehr. Rund 10 Prozent aller Offiziersanwärter verließen die Truppe bereits vor dem eigentlichen Beginn ihrer Karriere. Immer häufiger werde dabei der Afghanistan- Einsatz als eine der Begründungen genannt.

Auch der Vizechef des Bundeswehrverbands, Ulrich Kirsch, schlug Alarm. Bei Unteroffizieren und Mannschaften sei die Zahl der Bewerber und Anwärter im Vorjahresvergleich um mehr als 50 Prozent gesunken, sagte er der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Donnerstag). Zwar bekomme ein Soldat in Afghanistan 92 Euro steuerfreien Zuschlag pro Tag, doch «Bezahlung ist eben nicht alles». Der erneute Anschlag zeige, dass Tod und Verwundung Teil des Einsatzes am Hindukusch seien.

Das Verteidigungsministerium dementierte die Zahlen am Abend. Ein Sprecher sagte, richtig sei, dass die Bundeswehr in allen Laufbahnen den Bedarf qualifiziert decken könne. Es gebe weit mehr Bewerber als Einstellungsmöglichkeiten. Im ersten Halbjahr 2008 sei im Vergleich zum Vorjahr die Bewerberzahl bei den Offiziersanwärtern um 16 Prozent und bei den Unteroffiziers- und Mannschaftsanwärtern um 11 Prozent zurückgegangen. Dies liege im Rahmen der normalen Schwankungsreserve. Es gebe auch keinen Zusammenhang zwischen der Bewerberzahl und den Einsatzbelastungen in Afghanistan. «Für die Bundeswehr gibt es überhaupt keinen Anlass zur Besorgnis», sagte ein Sprecher.

Bei schweren Gefechten und Luftangriffen wurden unterdessen in der südafghanischen Provinz Helmand nach Angaben der US-Armee seit Montag mehr als 100 radikalislamische Aufständische getötet. Unter den Soldaten habe es keine Opfer gegeben. Es gebe keine Berichte über getötete Zivilisten. Im Süden Afghanistans wurde ein Soldat der US- geführten Koalitionstruppen getötet, hieß es.

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