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«Aggressiv-Leader» van Bommel beklagt sich

Dortmund (dpa) Privat ist Mark van Bommel ein angenehmer Zeitgenosse: intelligent, höflich, zuvorkommend. Doch auf dem Platz überschreitet der Fußball-Profi des FC Bayern München häufig die Grenzen des Erlaubten.

«Aggressiv-Leader» van Bommel beklagt sich

Schiedsrichter Herbert Fandel (l) schickt Marc van Bommel vom Platz.

Nach dem 1:1 (0:1) des Titelverteidigers bei der nur zum Teil geglückten Bundesliga-Heimpremiere von Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp sah sich der 31-Jährige wegen seiner Gelb-Roten-Karte (23.) einmal mehr als Opfer seines eigenen Images. «Aggressiv-Leader» nannte Ottmar Hitzfeld seinen Mittelfeldabräumer einst. Möglicherweise wird van Bommel den positiv gemeinten «Titel» so schnell nicht mehr los.

«Bei uns in Holland gibt es ein Sprichwort: Höhe Bäume fangen viel Wind», sagte van Bommel. Dann schaute er in die Runde der fragenden Gesichter und sah, dass dies allein nicht genügte als Erklärung für seine Taten bzw. «Untaten» in der emotionsgeladen Partie vor 80 552 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park. Und so ergänzte er: «Wenn ein anderer das macht, wird weitergespielt.» Soll heißen: Seine Fouls werden zu schnell mit Verwarnungen bestraft. Um nicht falsch verstanden zu werden, schob van Bommel sofort nach, dass er Schiedsrichter Herbert Fandel für einen der «besten Schiedsrichter in Deutschland, sogar in Europa» hält. Dennoch sei nur die erste Gelbe Karte berechtigt gewesen. «Die zweite war eine falsche Entscheidung.»

Van Bommel erklärte alles so ruhig und überzeugend, dass man fast geneigt war, ihm zu glauben. Die TV-Bilder allerdings gaben den Unparteiischen recht. Bereits van Bommels erstes Foul mit gestrecktem Bein an Sebastian Kehl war «dunkelgelb», nur drei Minuten später traf er mit einem Schlag gegen den Kopf von Tamas Hajnal. Fandel sah den Vorfall nicht, wurde von seinem Assistenten Mike Pickel alarmiert. «Er hat schon 150 Bundesliga-Spiele mit mir gemacht. Ich gehe davon aus, dass er keinen Scheiß anzeigt», erklärte Fandel später.

Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann, dessen Start bei den Bayern mit zwei Unentschieden alles andere als rund verlaufen ist, hätte den Vorfall am liebsten unter den Teppich gekehrt. Die Diskussion über den von ihm zum Kapitän bestimmten Profi, der ein Vorbild sein soll, war ihm sichtlich unangenehm. So reagierte er zunächst im Stil der drei Affen: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. «Ich habe mir das noch gar nicht richtig angeschaut», behauptete Klinsmann. Dennoch stellte er sich prophylaktisch schützend vor den Spieler, der in den zurückliegenden zehn Bundesliga-Spielen dreimal die «Ampelkarte» sah, zuvor aber jahrelang nie vom Platz gestellt wurde: «Mark ist in keinster Weise ein Problem. Es ist nicht einfach für ihn. Man wartet nur auf ein Foul von ihm», betonte Klinsmann.

Anders sah es Bayern-Präsident Franz Beckenbauer. «Van Bommel ist ein unbeherrschter Charakter, der sich nicht im Griff hat und damit sich und der Mannschaft keinen Gefallen tut», wetterte der «Kaiser» zur Pause. Nach Ende der Partie, als die 67 Minuten lang dezimierte Elf die durch ein Traumtor von Jakub Blaszczykowski erzielte BVB- Führung (8.) dank des eingewechselten Tim Borowski (75.) und großer Moral wenigstens den Punkt gerettet hatte, gab sich Beckenbauer etwas versöhnlicher. Gleichwohl betonte er: «Van Bommel muss lernen, sich zu beherrschen.»

Gerade auf der «Sechser-Position», wo es auf Zweikämpfe ankomme, sei es schwer, körperbetontem Spiel aus dem Wege zu gehen, merkte Klinsmann an. Auch van Bommel ahnt, dass es ihm schwer fallen wird, sein «Rüpel-Image» wieder los zu werden. «Das sind oft 50-zu-50- Bälle, da kann man gewinnen oder verlieren», sagte er. Und es klang nicht so, als wolle er von einem hohen Baum zum Bodendecker mutieren.

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