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Ahauser Papiersack GmbH droht Zahlungsunfähigkeit

Insolvenz Papiersack

Die Papiersack GmbH mit 40 Beschäftigten schreibt seit längerer Zeit Verluste. Der vorläufige Insolvenzverwalter Stephan Michels prüft jetzt die Optionen.

Ahaus

, 20.06.2018
Ahauser Papiersack GmbH droht Zahlungsunfähigkeit

© picture alliance / Jens Wolf/dpa

Hiobsbotschaft für die 40 Mitarbeiter der Papiersack GmbH & Co. KG in Ahaus: Die Verantwortlichen haben am Dienstag beim zuständigen Amtsgericht Münster Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt.

Das Amtsgericht hat Rechtsanwalt Stephan Michels aus Münster zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Er wird nun gemeinsam mit der Sanierungsgeschäftsführerin Ursula Stecker Möglichkeiten einer Sanierung der Firma prüfen. Kurzfristig will Stephan Michels mit der Geschäftsführung eine Insolvenzgeldvorfinanzierung für die Beschäftigten beantragen. Damit sollen die Löhne und Gehälter für drei Monate gesichert werden. Der Geschäftsbetrieb läuft aktuell weiter. Die Papiersack GmbH hat ihren Sitz an der Kruppstraße. Muttergesellschaft ist die SVD Verpackungen, die von dem Antrag nicht betroffen ist.

Mitarbeiter informiert

„Die Mitarbeiter sind am Dienstag informiert worden“, sagte am Mittwoch auf Anfrage der Münsterland Zeitung Holger Voskuhl. Der Kommunikationsberater aus Köln begleitet bundesweit Firmen durch Krisenphasen. Der Antrag sei nach Unternehmensangaben notwendig geworden, da die Papiersack GmbH seit längerer Zeit Verluste schreibe. „Die Verantwortlichen nannten als Gründe unter anderem den intensiven Wettbewerbsdruck durch Unternehmen, die im Ausland kostengünstiger produzieren. Aufgrund der Rohstoffverknappung im Papiermarkt und den damit deutlich gestiegenen Papierpreisen für Unternehmen, die den Rohstoff Papier am Markt einkaufen müssen, da sie ihn nicht selber produzieren, ist eine zeit- und marktgerechte Produktion nicht zu gewährleisten“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Auf Anfrage verdeutlichte Holger Voskuhl einen Grund für die Rohstoffverknappung: „Große Einzelhandelsketten wie Lidl setzen weniger auf Plastiktüten, sondern mehr auf Papiertüten.“

Negativ-Trend

In der Mitteilung heißt es, dass die Unternehmensführung seit Jahren versucht habe, den Negativ-Trend zu stoppen und beispielsweise Mieten neu verhandelte, um Kosten zu senken. Zudem sei in die Weiterbildung von Beschäftigten investiert worden, um effizienter produzieren zu können. Es sei jedoch nicht gelungen, die Kosten nachhaltig zu senken und wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Die beiden anderen operativ tätigen Gesellschaften der SVD-Gruppe sind nach Angaben von Holger Voskuhl nicht betroffen und wirtschaftlich gesund.

Verpackungsexperte

Die Papiersack GmbH & Co. KG ist Verpackungsexperte für Schüttgüter wie Baustoffe, Ernährungsgüter und Chemikalien und beliefert primär den deutschen Markt. Das Verpackungsmaterial besteht aus recycelbarem Kraftsackpapier. Das Unternehmen erwirtschaftete mit etwa 40 Beschäftigten zuletzt einen Jahresumsatz von sechs Millionen Euro. Der bisherige Geschäftsführer der Papiersack, Robert Kock, hatte diesen Posten niedergelegt, um nicht in Interessenskonflikte mit seiner Funktion als Geschäftsführer der anderen Unternehmen der SVD-Gruppe zu kommen. Diese Unternehmen sind von der Insolvenz nicht betroffen. Dazu gehören die beiden operativ tätigen Gesellschaften Tesseraux GmbH aus Bürstadt mit 40 Beschäftigten sowie die Liner Factory GmbH & Co. KG aus Ahaus mit 20 Beschäftigten.

Stefan Voskuhl: „Beide Gesellschaften erwirtschaften seit Jahren ein stabiles Wachstum.“ Auch die Muttergesellschaft SVD Verpackungen ist von dem Antrag nicht betroffen. Sie erfüllt mit 16 Beschäftigten verschiedene Dienstleistungen für die drei operativen Gesellschaften.

Stephan Michels wird gemeinsam mit Ursula Stecker versuchen, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten und Sanierungsoptionen prüfen. Welche das sind, dazu gab es am Mittwoch noch keine Auskunft. Sprecher Holger Voskuhl: „Herr Michels hat seine Tätigkeit gerade erst aufgenommen.“

SVD-Verpackungen wurde 1949 als van Delden & Sessbrügger Papiersackfabrik gegründet. Das Unternehmen war im Jahr 2007 vom alten Standort an der van-Delden-Straße in Ahaus an die Kruppstraße gezogen. Die betroffene Papiersack GmbH & Co. KG ist ein Tochterunternehmen.
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