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Elektromobilität für alle!

Carsharing geht in Ahaus an den Start

Elektro- statt Verbrennungsmotor ist das Motto für drei Carsharing-Autos. Mobilität ist dabei aber nur ein Aspekt. Dem Anbieter geht es vor allem um Daten.

Ahaus

, 19.06.2018
Elektromobilität für alle!

Sie wollen das Projekt Carsharing in Ahaus anschieben: Reiner Buss (l.) und Alexander Tuebing freuen sich über den Erfolg ihres Angebots. Schon 150 registrierte Nutzer interessieren sich für die drei Elektroautos vom Typ Renault Zoe. © Stephan Teine

Genau 4,90 Euro kostet ein Elektroauto in Ahaus in der Stunde. Reiner Buss, Inhaber des Ingenieurbüros Buss (IBB), hat die drei Elektroautos vom Typ Renault Zoe in Ahaus auf die Straße gebracht. Stattver-brenner hat er das Projekt genannt. Fahren kann damit jeder, der sich online registriert. Ahaus hat damit sein erstes komplett digitales Carsharing-Projekt. Die Autos stehen auf dem Kirmesplatz und am Kapellenweg – wenn sie nicht unterwegs sind. Denn das Projekt kommt sehr gut an. „Wir haben den Preis so berechnet, dass wir ein attraktives Angebot haben“, erklärt Alexander Tuebing, der bei IBB das Projekt Carsharing betreut. Es geht nicht um Profit, das Angebot sei nicht kommerziell.

Stromnetz der Zukunft

Also ist der Stattverbrenner ein karitatives Projekt für Ahaus? Natürlich nicht. Die drei Elektroautos sind für IBB ein rollendes Forschungslabor: Dort wird seit Jahren erfolgreich an intelligenter Steuerung für Stromnetze geforscht (Münsterland Zeitung berichtete). Mit den Fahr- und Ladedaten der Elektroautos wollen sie bei IBB nun ermitteln, wie ein Stromnetz in Zukunft für E-Mobiliät angepasst werden muss. „Wir suchen Antworten, die es bisher einfach noch nicht gibt“, sagt Reiner Buss.

Wie viel Reichweite lässt sich aus einer bestimmten Menge Strom gewinnen? Wie oft und wie weit fährt ein Kleinwagen überhaupt? Und wie oft und wie schnell wird er dann geladen? Diese Daten bekommt IBB durch das Carsharing-Projekt besonders schnell, weil die Autos fast ständig in Bewegung sind. Denn Reiner Buss ärgert sich über die theoretischen Ansätze zum Thema E-Mobilität: „Die Annahme ist ja immer, dass zum Beispiel gleichzeitig alle Nachbarn in einer Straße mit ihrem E-Auto nach Hause kommen und es dann mit komplett leerem Akku an die Steckdose anschließen“, sagt er. Das würde nicht funktionieren. Keine Frage. Aber das sei ja auch nicht realistisch. Er findet einen treffenden Vergleich: „Wenn alle Anwohner einer Nachbarschaft mit ihren Autos gleichzeitig versuchen zu tanken, wäre jede Tankstelle auch überfordert. Aber wie oft kommt das vor?“ Die Frage lässt er augenzwinkernd unbeantwortet.

Und genau in diese Lücke in der Planung will er vorstoßen. Denn mit den Daten aus dem Projekt Stattverbrenner könnte ein erster Schritt zu intelligenten Stromnetzen gemacht werden. „Und damit wäre elektrische Mobiliät für alle denkbar“, sagt er. Wie lange es bis dahin noch dauert, kann er nicht sagen. Es geht schließlich um Forschung.

Schon 150 Nutzer

Aber zurück zu den Elektroautos auf den Ahauser Straßen: Die kommen in der kurzen Zeit sehr gut an. 150 registrierte Nutzer hatte die Internetseite Stattverbrenner.de am Dienstagmittag laut Reiner Buss. „Und das, obwohl wir erst seit Anfang Mai richtig angefangen haben“, freut sich Alexander Tuebing.

Carsharing ist natürlich nichts Neues. „Es gibt viele funktionierende Modelle, aber wir wollten die digitale Variante. Wir geben unsere Autos nicht mehr mit Schlüssel heraus. Und es funktioniert super“, sagt Buss. Nächste Schritte hat er schon geplant: Etwa ein Elektroauto, das fest einem Wohngebiet zugeordnet wird.

Stattverbrenner.de beruht auf der Software „chayns“ von Tobit Software. Potentielle Nutzer müssen sich ein Chayns-Konto einrichten und sich dann auf der Seite vom Projekt Stattverbrenner registrieren. Dort – oder vor Ort im Ingenieurbüro Buss, Kapellenweg 7 – müssen sie dann ihren Führerschein und Personalausweis vorlegen. „Wie bei jedem anderen Autoverleih auch. Das verlangt schon die Versicherung“, erklärt Reiner Buss. Sind Nutzer registriert, funktioniert die komplette Reservierung, Buchung und Abrechnung per Smartphone. „Als würde man in einer Kneipe ein Bier bestellen“, sagt Reiner Buss. Das Smartphone ersetzt sogar den Schlüssel: Per Bluetooth verbindet es sich im gebuchten Zeitraum mit dem Auto und ermöglicht die Tür- und Motorsteuerung per Knopfdruck. Direkt zum Stattverbrenner geht es hier.
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