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Explosion kappt Drahtseile - Anlage wird neu aufgebaut

Sprengung bereitet Windraddemontage in Ahaus vor

Die durch ein Feuer beschädigte Windkraftanlage in Quantwick wird demontiert und neu errichtet. Mit zwei gezielten Explosionen wurden am Dienstag im Turminneren zwei Drahtseile gekappt.

Ahaus

, 20.02.2018
Explosion kappt Drahtseile - Anlage wird neu aufgebaut

Aus sicherer Entfernung beobachten zwei Enercon-Mitarbeiter die Drahtseilsprengung im Windkraftturm. © Stefan Grothues

Es ist still in Quantwick. Nur einige wenige Vögel zwitschern in der Eiseskälte. Windräder rauschen. Schafe rupfen schweigend das raureifweiße Gras. „Hier passiert noch nüscht“, sagt der Wachmann aus Uelzen und zieht demonstrativ gelassen an seinem Zigarillo. Er kontrolliert den Weg, der die letzten 300 Meter zur havarierten Windkraftanlage führt. Endstation für die Presse. Näher ran darf nur, wer zur Firma gehört. Oder zur Polizei.

Dienstagmorgen, halb zehn. Eigentlich sollte jetzt eine Präzisionssprengung im Turm der Windkraftanlage gezündet werden. Der Wachmann hat in ganz Deutschland schon viele Windkraftanlagen in den Himmel wachsen sehen. Aber bei einer Sprengung war er noch nicht dabei. „Ich weiß gar nicht, ob man hier überhaupt etwas davon hört.“

Im Traforaum am Fuße der Windkraftanlage war am 14. Oktober ein Feuer ausgebrochen, nur gut zwei Wochen nach ihrer Inbetriebnahme. Weil die Standfestigkeit der Anlage nun fraglich ist, sind die Rotoren und die Kanzel in den letzten Monaten bereits abgebaut worden. Jetzt steht nur noch ein 82 Meter hoher Restturm.

Ab- und Wiederaufbau

Die Sprengung soll ihn nicht zu Fall bringen. Sie soll nicht einmal die Betonringe beschädigen. Sie soll nur Stahlseilverbindungen kappen, die im Inneren die Betonringe fest zusammenhalten. „Wir gehen davon aus, dass das Feuer den Beton nicht beschädigt hat und wir die Elemente für den Neuaufbau der Anlage wiederverwenden können“, sagt Jens Hofmann, Enercon-Projektleiter für den Rückbau der Anlage. 8 der 32 Spannseile aus Stahl, die die Betonringe fest zusammenhalten, haben den Brand nicht überstanden. Alle anderen müssen gekappt werden.

Nach der Demontage wird jedes der 3,82 Meter hohen Betonelemente unter die Lupe genommen. „Wir schauen genau nach, ob es Risse oder Abplatzungen gibt“, sagt Jens Hofmann. Sicher ist aber jetzt schon: Das unterste Betonteil mit dem Eingangsbereich ist durch das Feuer im Oktober so stark beschädigt worden, dass es ausgetauscht werden muss.

„Um zehn soll jetzt gesprengt werden“, sagt der Wachmann irgendwann. Doch es passiert wieder nichts. Auf dem abgeernteten Maisacker stehen zwei Männer mit Warnweste und Helm, auf dem Weg zehn weitere. Aus der Ferne sieht man andere Männer im weißen Overall aus dem Turm kommen. Dann gehen sie wieder hinein. „Ich werd‘ erstmal was essen. Solange die da rumlaufen, passiert sowieso nichts“, sagt der Wachmann und setzt sich mit seinem Brötchen ins warme Auto. In der Ferne laufen die behelmten Männer weiter hin und her. Erst eine Dreiviertelstunde später ertönt ein Signalhorn. Der Wachmann springt aus dem Auto. Es tutet noch zwei Mal. Dann ist es still. Ganz still. Und wer in diesem Moment genau hinschaut, sieht, wie aus der offenen Spitze des 82 Meter hohen Turms ein Drahtseil in den blauen Himmel hinausschießt.

„Das war ein Wumms“


Und jetzt erst, mit Verspätung, erreicht die Schallwelle der Explosion die 300 Meter entfernten Zuschauer: Ein mächtiger Knall. „Wow. Das war aber ein Wumms!“ Der Wachmann ist beeindruckt. Aus der Türöffnung der Windkraftanlage steigt eine Rauch- und Staubwolke empor. Jens Hofmann erklärt, was passiert ist: „Wir haben mit zwei Sprengladungen zwei Stahlseilbündel getrennt.“

Ursprünglich waren für Dienstag weitere Sprengungen geplant. Doch die tonnenschweren Seile sind unerwartet hoch aus dem Turm geschossen. Jens Hofmann spricht von einer Probesprengung: „Jetzt werden alle Daten ausgewertet.“ Alternativ zur Sprengung könnten die fast armdicken Drahtseilbündel auch mit einer Feuerlanze zertrennt werden. Wegen der Zugkräfte ist das aber kein einfaches Unterfangen. Jens Hofmann ist vorsichtig optimistisch, dass weiter gesprengt werden kann. „Aber das muss nun gründlich besprochen werden“, sagt er. Vorerst bleibt es also wieder still in Quantwick. Bis auf die Vögel und das Rauschen der benachbarten Windräder.