Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Gasgeruch kam aus altem Fass bei Sandkuhle

Keine Gefahr, nur Gestank

Gasalarm im Ahauser Osten: Gegen 10 Uhr wurde gestern Morgen von Anwohnern am Lönsweg die Feuerwehr alarmiert. Sie hatten Gasgeruch wahrgenommen. Der Löschzug Ahaus rückte mit einem Großaufgebot an, Schulen wurden evakuiert, kurze Zeit später die erste vorsichtige Entwarnung: kein Gas, sondern der Rest einer Chemikalie auf dem Gelände der Firma Sandkuhle war wohl die Ursache für den üblen Geruch.

AHAUS

, 17.11.2014

Bernhard Sandkuhle, Inhaber des Entsorgungsunternehmens an der Heeker Straße, macht seinem Ärger gestern Mittag Luft: „Da tut man was man kann und hat trotzdem die Scherereien“, sagt er. Sandkuhle schildert den Vorfall wie folgt: Nach der Verpuffung im vergangenen Jahr nimmt das Unternehmen nur noch offene oder bereits gepresste Behälter zur Verarbeitung an. Gestern Morgen kam eine Charge von 600 alten Fässern in die Pressen. „In einem davon muss noch ein minimaler Rest gewesen sein“, sagt Sandkuhle.

Der Rest einer Chemikalie, die offenbar enorm riecht: Ethylacrylat. Ab einer Konzentration von zwei Millionstel Gramm pro Kilogramm soll diese Flüssigkeit ihren stechenden Geruch verbreiten. Der Geruch habe sich dann, gefördert von ungünstig stehendem Wind, in den nahen Wohngebieten ausgebreitet. „Gefährlich war das für die Menschen nicht. Es hat eben ‚nur‘ gestunken“, sagt Sandkuhle. Diese Einschätzung teilen Polizei und Feuerwehr. Für Sandkuhle geht es um seinen guten Ruf und das Verhältnis zu den Nachbarn: „Der Vorfall gestern Morgen war durch unsere Genehmigungen abgedeckt“, sagt er am Telefon. Bis zu 834 Stunden im Jahr darf sein Unternehmen demnach so stark stinken, dass auch die Anwohner davon etwas mitbekommen. „Aber natürlich will ich nicht, dass man meinen Betrieb in der ganzen Umgebung riechen kann. Auch deswegen halten wir uns an eine ganze Reihe von Vorgaben und teils freiwilligen Auflagen“, sagt er. Doch die haben gestern Morgen offenbar zu kurz gegriffen. Sandkuhle will nun prüfen, ob er den Anlieferer der Fässer in Regress nehmen kann. „Den Ärger kann ich zwar als Schadenersatz nicht wiederbekommen, aber ich will den Verursacher herausbekommen“, sagt er. Es ärgere ihn schlicht kolossal.

Gleichzeitig räumt er aber auch ein, dass er nicht jedes einzelne Fass überprüfen kann. „Diese Kontrollen müssen beim Anlieferer noch vor der Verladung stattfinden“, sagt er. Jeder Behälter müsse restentleert und offen sein. „Davon gehe ich aus, wenn 200-Liter-Fässer auf zehn Zentimeter zusammengepresst sind“, sagt er. Diese Fracht wird dann von seinen Mitarbeitern auch auf Gerüche überprüft. „Als wir den Geruch festgestellt haben, war es aber schon zu spät. Da war die Wolke schon in der Luft“, sagt Sandkuhle. Und so einen Geruch könne man eben nicht wieder einfangen. Für die Bezirksregierung ist es damit aber noch nicht getan. Als Aufsichtsbehörde will sie den Fall nun untersuchen. „Wie auch immer, die Auflagen scheinen ja nicht erfüllt worden zu sein“, sagt Sigrun Rittrich, Pressesprecherin der Bezirksregierung Münster. Das müsse aber nicht zwangsläufig ein Fehler der Firma Sandkuhle sein. „Die Absender der Fässer haben ja auch eine Verpflichtung“, sagt sie. Für Schuldzuweisungen sei es noch zu früh. Jetzt müssten erst einmal die Proben untersucht werden. Zuletzt hatte es bei dem Unternehmen im vergangenen Jahr einen großen Feuerwehreinsatz gegeben: Damals war es beim Zerkleinern alter Fässer zu einer Verpuffung gekommen.

Jetzt lesen

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt