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Kopulieren, Pfropfen, Okulieren

Lehrgang zur Obstbaumveredelung

OTTENSTEIN Gehölze zu veredeln ist gar nicht so schwierig. Dr. Christoph Lünterbusch machte beim Seminar für Obstbaumveredelung der Biologischen Station Zwillbrock vor, wie es funktioniert.

von Von Anna Lena Haget

, 12.08.2010

Der Diplom-Biologe veranstaltet regelmäßig Seminare zur Baumpflege und Erhaltung. Jüngst sind 23 interessierte Hobbygärtner und -gärtnerinnen der Einladung in Lünterbuschs heimischen Garten gefolgt. In einem Freiluftklassenzimmer bringt der hauptberufliche Lehrer seinen Zuhörern zunächst die Techniken nahe. Dazu gehört das so genannte „Kopulieren“ genauso wie das „Pfropfen“ oder auch das „Okulieren“. Manche Verfahren eignen sich besser für die warme, manche besser für die kalte Jahreszeit. „Man muss nur immer zusehen, dass man bei einer Gattung bleibt“, mahnt der Experte aus Ottenstein.

Wichtig sei eine möglichst große Berührungsfläche der Kambiumschichten von Edelreis und Veredelungsunterlage. Nur dadurch wüchsen beide Teile nahtlos zusammen. Weitere unverzichtbare Utensilien seien Bastschnüre zum strammen Fixieren der Verbundstelle und Baumwachs. Einige der Teilnehmer haben selbst schon mehr oder weniger gute Erfahrungen mit der Veredelung von Obstbäumen gemacht. Der Seminarleiter beantwortet geduldig die Fragen seiner „Schüler“ und gab gute Tipps. Auch sein persönlicher Obstgarten beinhaltet einige beeindruckende Exemplare: „Ich habe hier im Garten Bäume mit 20 bis 30 Sorten und die tragen auch“. Bei einem Spaziergang durch das naturbelassene Habitat führte Lünterbusch „Astverpflanzungen“ am lebenden Objekt durch. So bekamen ein Apfel- und ein Kirschbaum „Zuwachs“.

Das größte Staunen löste jedoch eine ganz andere Pflanze aus: Bewacht von den beiden Hausschildkröten steht mitten im Garten ein „Multigattungsbaum“. Daran wachsen unter anderem japanische Wollmispeln, Birnen, Vogelbeeren, Mispeln und Scheinquitten. Als Unterlage dient ein Weißdorn. „Das ist nur eine Spielerei von mir“, gab Lünterbusch zu. Auch dieses kleine Wunder ist durch gezielte Veredelung möglich geworden. Allerdings sei dies nicht mit jeder beliebigen Pflanze machbar. Allen, die das Gelernte praktisch im eigenen Garten anwenden wollen, gab der Biologe Zweige oder Ableger seiner Pflanzen mit. Er persönlich würde sich allerdings nicht veredeln lassen wollen: „Was nützt dir das, wenn dein Finger plötzlich woanders weiter wächst?“, fragt Lünterbusch scherzhaft.

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