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Lichtmangel sorgt für Stimmungstief

Herbst-Depression

Der Herbst ist da: Es ist nass, windig und vor allem dunkel. Das ruft bei einigen Menschen eine Herbstdepression hervor. Victoria Thünte hat mit Ulrike Speit, Diplom-Sozialpädagogin, und Dr. Nikola Aufmkolk, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, über die Ursachen und Symptome dieser Depression gesprochen.

AHAUS

, 03.11.2014
Lichtmangel sorgt für Stimmungstief

Zwischen neun und zwanzig Prozent der Deutschen leiden unter einer Saisonal abhängigen Depression.

Wir bezeichnen sie als saisonal abhängige Depression (SAD) und sie ist eine atypische Form der Depression, weil sie zum Teil andere Symptome aufweist. Häufig haben Betroffene der SAD ein vermehrtes Schlafbedürfnis und fühlen sich nach dem Schlaf nicht wirklich ausgeruht. Oft haben sie auch mehr Appetit und nehmen dementsprechend an Gewicht zu. Insgesamt sind sie lustlos und träge, weil der Antrieb fehlt. Einige Symptome der SAD stehen eigentlich im Gegensatz zu den Befunden bei einer normalen Depression. Dabei haben Betroffene oft keinen Appetit und leiden unter Schlaflosigkeit.

Als Betroffener merkt man oft nicht, dass man eine Depression hat. Das ist ein sehr schleichender Prozess. Deswegen kann man auch gar nicht genau sagen, wie viele Menschen davon betroffen sind. Bei der SAD gibt es Zahlen zwischen neun und zwanzig Prozent. Und wer weiß, wie viele Fälle gar nicht erst entdeckt werden.

In einem gewissen Bereich ist es normal, dass wir zum Herbst hin träger werden. Wir ruhen uns aus, um im Sommer wieder durchzustarten. Die Diagnose zu einer SAD wird erst gestellt, wenn die Symptome in mindestens drei Jahren, davon in zwei aufeinanderfolgenden, zu einer bestimmten Jahreszeit wieder auftreten. Speit: Krankhaft wird es, wenn man merkt, dass der Leidensdruck sehr groß wird und man seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird. Bei der SAD merkt man, dass sie häufig im November beginnt, weil dann einfach das Licht fehlt. Zum Frühling zu den ersten hellen Tagen verschwindet sie auch sehr schnell wieder.

Das ist auf jeden Fall der Hauptgrund. Man weiß, dass in lichtarmen Ländern wie zum Beispiel in Skandinavien viel mehr Menschen von der SAD betroffen sind. Wenn man sie dann zum Beispiel nach Spanien schicken würde, wären die Symptome im Regelfall bald verschwunden. Weil uns in der dunklen Jahreszeit das Licht fehlt, ist auch der Serotoninspiegel niedrig. Dieser Hormonmangel ist oft für die depressiven Symptome verantwortlich.

Einige Menschen sind auch von Natur aus lichtempfindlicher und haben mehr mit dem Lichtmangel zu kämpfen. Das ist auch evolutionär bedingt. Früher haben wir uns eine Fettschicht angefuttert, um den Winter zu überstehen. Das ist heute zwar nicht mehr nötig, aber einige Menschen werden zu dieser Jahreszeit dennoch träge und müde. Auch die Zeitumstellung sorgt für Depressionen, wegen der Angst vor den langen dunklen Abenden.

Patienten mit depressiven Symptomen sollten zur Diagnoseklärung einen Arzt oder Psychologen aufsuchen. Da wird unter anderem nach den Ursachen gesucht. Bei der reinen SAD ist der Grund klar: Das fehlende Licht. Diesen Patienten empfehle ich eine Lichtlampe und bespreche mit ihnen Selbsthilfestrategien. Eine Psychotherapie ist dabei normalerweise nicht erforderlich, manchmal jedoch der Einsatz von Antidepressiva.

  • Viel Bewegung: Beim Sport werden Endorphine, die Glückshormone, ausgeschüttet. Besonders gut ist es, sich in Gruppen zu organisieren, damit man auch unter Leute kommt.
  • Spazieren gehen: Auch bei verhangenem Himmel nimmt der Körper noch genug Tageslicht auf, um dem Lichtmangel entgegenzuwirken. Außerdem hilft auch frische Luft dabei, neuen Schwung zu bekommen.
  • Gesunde Ernährung: Tryptophanhaltige Lebensmittel (Nüsse, Bananen, Schokolade) unterstützen die Serotoninproduktion. Frisches Gemüse und Obst sind wichtig, um Nährstoffmangel vorzubeugen.
  • Lichttherapie: Besonders anfällige Menschen können sich eine Lichtlampe mit 2500 bis 10000 Lux kaufen. Davor können sie Licht tanken und einer Depression vorbeugen. Bei Augen- und Hautkrankheiten sollte man allerdings zunächst mit dem Arzt Rücksprache halten.
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