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Ochtruper entdeckt Exemplare Ahauser Zeitung von 1923

Vertieft in alte Zeiten

AHAUS/OCHTRUP "Arbeiten und nicht verzweifeln!", "Das furchtbare Erdbeben in Japan". Das sind Schlagzeilen aus der Ahauser Kreiszeitung von Mittwoch, 29. August 1923. Die Artikel sind in altdeutscher Schrift gedruckt, Bilder gibt es außer in den Werbeanzeigen nicht. Als "Bleiwüste" würden Zeitungsleute das Blatt bezeichnen, das im Monat 600.000 Mark kostete.

von Von Inga Wolter

, 24.08.2010

"Da war ja schon Inflation", erklärt Finder Lothar Langehegermann. Der Ochtruper entdeckte zwei Ausgaben der Ahauser Kreiszeitung und einen Münsterischen Anzeiger, als er vor kurzem den Dachboden seines Schuppens "ausmistete". "Ich bin gegen einen Wandspiegel gestoßen, er fiel um und die Zeitung flog heraus", berichtet Langehegermann. Sein Haus und der benachbarte Schuppen gehörten vorher dem Malermeister Heinrich Scho. Artikel ausgeschnitten "Wahrscheinlich hat er die Zeitung als Isolierung hinter den Spiegel geklemmt", vermutet Lothar Langehegermann. "Um die Feuchtigkeit aufzusaugen." Der Grund für die lange Lebenszeit also nur ein praktischer - oder mehr? Immerhin hat die Zeitung Löcher, der Malermeister hat einige Meldungen ausgeschnitten. "Das beste ist die Werbung!", meint Langehegermann. "Zum Beispiel die für Schokolade." Er tippt auf die Anzeige. "Hier steht: 100 Gramm Schellfisch enthalten 20, 100 Gramm Schokolade 156 Nähreinheiten." Der Nährwert war früher eben wichtiger als die "Linie".Vorlesen aus alter Zeitung Seit dem Fundtag liegt die Ahauser Kreiszeitung bei Familie Langehegermann auf dem Esstisch. "Abends gucke ich da immer nochmal kurz `rein", erzählt der Familienvater. "Ich bin der einzige, der daraus vorliest." Weil nur er die alte Schrift noch lesen kann. Eigentlich sei er "weniger der Zeitungsleser", für Geschichte habe er sich aber immer interessiert. "Man lernt dabei immer dazu", meint er. "In dieser Tiefe hat kann man sonst nie von früher erfahren." Themen früher und heute An die längeren Artikel wie "Der Kurs Stresemann" hat er sich dennoch noch nicht herangetraut, aber die kürzeren Nachrichten aus der Weltpolitik, aus dem "Kreise Ahaus", aus Gronau und dem Münsterland liest er. So sehr sich das Layout von modernen Zeitungen unterscheidet, die Themen gleichen sich doch zum Teil: Über "Die Finanznot der Länder und Gemeinden" wird berichtet, auch über "Die Abrechnung von Ärzten und Krankenkassen". Was Lothar Langehegemann mit den "Vorfahren" unserer Zeitung jetzt macht, weiß er noch nicht. Wahrscheinlich auf den Esszimmertisch legen, noch ein bisschen schmökern, sich weiter in vergangene Zeiten vertiefen.

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